Ihr Material fand Henrike Naumann auf Trödelmärkten in Sachsen, oft gemeinsam mit ihrer Mutter Nele Jakob, einer Tischlerin. Dort habe sie sich inspirieren lassen von den Formen und Farben, erzählt Clemens Villinger.

In ihren Installationen, für die sie obsessiv recherchierte, beschäftigte sich Henrike Naumann mit den NSU-Terroristen und mit Reichsbürgern, mit Trump und dem Sturm auf das Capitol. Sie interessierte sich für unsere Gegenwart als eine Vorkriegszeit. Und recherchierte immer wieder zur ästhetischen Repräsentation staatlicher Macht, zu Staatskunst. Das hatte auch mit der eigenen Familiengeschichte zu tun. Naumanns 1997 verstorbener Großvater Karl Heinz Jakob war ein berühmter Maler in der DDR, der 1960 und 1961 ein elf Meter breites, die Mechanisierung der Landwirtschaft feierndes Wandgemälde für den Plenarsaal des Rates des Bezirks Karl-Marx-Stadt schuf. Seit 2002 ist das Gemälde hinter einer Trockenbauwand versteckt. In einer Performance ließ Naumann das Bild 2024 von Linedancern aus Chemnitz nachtanzen.