Ab und an lässt der Hückelhovener Kunstverein Canthe zur Eröffnung einer Ausstellung Töne erklingen, Töne von Musikinstrumenten der verschiedensten Arten. Am Freitagabend erzeugte Henriette Echghi Ghamsari feine Töne auf einer chromatischen Harfe, klein, rund und waagerecht, bevor sie einen kurzen Einblick in ihren Anteil an der Ausstellung „Canthe – Querschnitt“ gab, ausschließlich abstrakte Malerei. Bisher war das langjährige Canthe-Mitglied eher für figurative Arbeiten bekannt. Allerdings sind direkte menschliche Figuren bei genauer Betrachtung auch jetzt zu entdecken, in dieser Abstraktion geht es ihr aber vor allem um Lichtwirkung, das an den Werktiteln ablesbar ist wie „In the Dark“, “In the Dark Light“, „In the Dark Opposition“ sowie „Blue Moon“, düster wirkt die Farbgebung dennoch nicht unbedingt.
Die Ausstellung im Alten Rathaus am Ratheimer Markt liefert den Querschnitt des aktuellen Schaffens von fünf Mitgliedern der Künstlergruppe des Kunstvereins, die an der schon traditionellen Kunsttour am Sonntag, 3. Mai, teilnehmen, aber dazu kein eigenes Atelier für Besucher zur Verfügung haben. Das sind neben Henriette Echghi Ghamsari, Laura Helene Förster, Theo Heinen, Halmut Machat und Ulrich Hollwitz. Entsprechend ist das Alte Rathaus zur Kunsttour ebenfalls geöffnet.
Hollwitz übernahm als Stellvertretender Vorsitzender des Vereins für den verhinderten Ersten Vorsitzenden Helmut Neusser die Begrüßung der Interessenten-Schar und die Einführung in die Ausstellung mit Malerei und Fotografie. Er lud die Besucher ein, sich mit den Künstlerinnen und Künstlern an deren Werken auszutauschen, von denen lediglich Laura Helene Förster nicht anwesend sein konnte, der Austausch wurde eifrig und damit ausgiebig genutzt. Darüber hinaus lud der Vorsitzenden-Vertreter die Interessenten und Künstler zu „einigen Vergnügungsverstärkern“ an der Foyer-Bar in alkoholischer und alkoholfreier Form ein – auch das wurde eifrig genutzt.
Laura Helene Förster hat diesmal eher kleinformatige Werke gehängt, die stilistisch und farbgebend ihre Linie, ihre Entwicklung zeigen, klare Farben in Rot, Blau und Weiß, dazu Kompositionen bis hinein ins Pastell-Braun ohne zu krasse Formgebung, schwebend gewissermaßen, bis hin zu gezackten Flächen.
Seit vielen Jahren bereits hat Helmut Machat für seine Fotografie die Unerschöpflichkeit des Wassers in der Natur entdeckt, zu den Ergebnissen könnte man wieder den alten Griechen Heraklit zitieren mit „alles fließt“ und „niemand steigt zweimal in den gleichen Fluss“ auf den Lauf des Lebens und der Welt im Allgemeinen, wobei der im Hückelhovener Stadtteil Doverheide wohnende in der Umgebung auch stehende Gewässer zur Verfügung hat. Unerschöpfliche Varietäten hat er spannend zur Verfügung (gestellt). Aber auch die reine Flora in Form von Blumen, Sträuchern und herbstlichen Blättern gehört dazu.
Die Fotografie der tatsächlich etwas anderen Art, aber auch mit motivischen Grundvoraussetzungen in der engeren Region betreibt der Oberbrucher Ulrich Hollwitz, der sich stärker auch der Technik zuwendet, sowohl der Kamera bei der Aufnahme wie auch der folgenden elektronischen Bearbeitung. Fünffachbelichtungen von diesmal nicht stark vergrößerten winzigen Details in Straßen und Bauten, sondern vor allem bläulich changierende, leicht wirkende Szenen-Sichten. Als Beispiel sei genannt das, wie alle, auf Leinwand gezogene „A girl’s journey“, in dem ein Mädchen in fast verwirrendem Szenarium von Gebäuden und Treppen, in Stein, Beton, Stahl und Glas wandert, offensichtlich Orientierung suchend.
Theo Heinen machte die Vorstellung seiner Malerei kurz und bündig: „Mir sind jetzt eigene Zeichnungen aus den 1980-er Jahren in die (Arbeits-)Hände gefallen, und das ist dabei rausgekommen“, wies er auf die fünf Bilder auf der Rathaus-Innenwand. Geometrische Figuren in stilisierter Form in neuen Zusammensetzungen mit Alltagsgegenständen, Tier und u.a. Mond sind Kompositionen als Einzelstücke wie auch als eine Art Serie, erkennbar auch durch die gemeinsame Farbgebung. Hinweise auf den Kubismus liegen nahe.
Insgesamt ist die Ausstellung ein Querschnitt der individuellen Künstlerschaft von Canthe.
Zu sehen ist die Schau noch am Samstag, 2. Mai, von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag, 3. Mai, von elf bis 18 Uhr im Rahmen der Kunsttour 2026.