Schillernde, leuchtende Scheinwelt voller Lachen, vermeintlicher Authentizität und immer eine Kamera dabei. In dem Film Babystar spricht die Teenagerin und Influencerin Nunki Tag für Tag gemeinsam mit ihrer Familie in die Kamera. Ihr Leben ist eine gläserne Welt, die seit ihrer Geburt für alle im Internet ansehbar ist.
Der Film Babystar führt uns in diese Welt der permanenten Selbstinszenierung. Aus der Perspektive von Überwachungskameras und Social-Media-Feeds entfaltet sich das Bild einer Familie, die sich selbst zur Marke gemacht hat. Aus diesen verschiedenen Perspektiven lernen wir die Familie der Teenagerin Luca, genannt Nunki, kennen. Von Beginn an wird deutlich, dass diese Familie permanent Content für das Internet produziert und sich dadurch Reichtum aufbaut. Die Grenzen zwischen der privaten Persönlichkeit und der Online-Persönlichkeit verschwimmen, was Nunki vor unterschiedliche Herausforderungen stellt. Zudem beschäftigen sie familiäre Veränderungen wie ein Kinderwunsch sowie die Beziehungen zu ihren Eltern und zu sich selbst.
Auf der Suche

Foto: Filmladen.at
Im Film wird Nunki immer wieder auf ihrem Weg beobachtet. Auf der Suche nach Beziehungen, nach sich selbst und nach Echtheit. Dies bildet den zentralen Beobachtungspunkt des Films. Wir begleiten eine Teenagerin bei ihrer Entwicklung. Soweit, so vertraut. In der Lebensphase von 16, 17 oder 18 Jahren geht es vielen Jugendlichen ähnlich. Bei Nunki spielt jedoch das besondere Setting eine entscheidende Rolle. Eine Familie, die sich mit der Kamera permanent inszeniert und gleichzeitig glaubt, das Beste für sie zu wollen.
Der Soundtrack des Filmes begleitet Nunki mit choralen, verqueren Klängen, die manchmal genau zum Eskapismus des Filmes passen und manchmal ein wenig überdreht wirken.
Zwischenwelten
Babystar bewegt sich in Zwischenwelten zwischen Realität und Digitalisierung. Dabei wirft der Film gleichzeitig Fragestellungen rund um Künstliche Intelligenz und parasoziale Beziehungen auf. Die Stärke des Films liegt in seiner Nicht-Vorhersehbarkeit und seiner starken visuellen Umsetzung etwa durch das Spiel mit Licht und Schatten sowie durch markante Kontraste. Leider tritt dies angesichts der Vielzahl an Themen, die der Film aufgreift, in den Hintergrund. Es gelingt ihm nicht ganz, diese zu einer einheitlichen, stringenten und packenden Handlung zu verweben. Gewissermaßen bleibt Babystar so selbst in diesen Zwischenwelten hängen.
Fazit
Babystar ist hervorragend produziert und bietet einen radikalisierten Blick auf die gesellschaftliche Debatte über Authentizität und Selbstdarstellung im Internet. Allerdings wirkt der Film aufgrund seiner Lauflänge zu wenig geradlinig und spannend. Es fehlt an Eskalation, Spannung und Kraft, sodass der Film trotz seiner guten und aufwendig gestalteten Produktion nicht durchgehend fesselt. Am Ende bleiben mehr die Längen des Films in Erinnerung als seine starke visuelle Umsetzung.
Nichtsdestotrotz thematisiert Babystar ein gesellschaftliches Phänomen, das es wert ist, beobachtet und diskutiert zu werden: wie die Social-Media- und Internetinszenierung unsere Welt zunehmend verändert.

Babystar
Regie: Joscha Bongard
color, 98 Minuten
OV mit Englischen Untertitel
Am 02.05.2026 um 13:30 Uhr im City 2.
