Der Cup wandert durch die Provinz. Noch ist der WAC aus dem beschaulichen Wolfsberg mit 25.000 Einwohnern amtierender Champion, am Freitag im Finale des ÖFB-Cups 2025/26 könnte Altach (7000 Einwohner) folgen, wenn ein Sieg gegen Lask (16 Uhr, live ORF 1) gelingt. Ausgetragen wird der Showdown im Klagenfurter Wörthersee-Stadion, doch es sind die Dorfplätze, die den ÖFB-Cup prägen wie kaum einen anderen Fußballbewerb in Europa – auch wenn auf dem gesamten Kontinent schon Champions aus der Peripherie für Furore sorgten.
Österreichisches Alleinstellungsmerkmal ist wohl der Triumph eines Drittligisten. Dem Linzer Vorort-Klub FC Pasching (8000 Einwohner) gelang 2013 die größte Überraschung der rot-weiß-roten Cupgeschichte. Bemerkenswert: Nicht nur Rapid, sondern auch Kooperationspartner Salzburg wurde auf dem Weg ins Finale verabschiedet. Dort besiegten die Oberösterreicher die Wiener Austria mit einer schnörkellosen Vorstellung (1:0). Erfolgscoach Gerald Baumgartner landete wenig später bei der Austria. Pasching ging nach dem Ausstieg von Red Bull im Amateurteam des Lask auf.
Die Geschichte der Cupsieger-Sensationen begann aber 1931 mit der im Prater beheimateten Fußballsparte des Wiener AC, der als Zweitligist und mit Wunderteam-Tormann Rudolf Hiden triumphierte. Heute nimmt der Wiener AC an keiner Fußballmeisterschaft mehr teil.
Ab in die Provinz ging es dann 1988 mit dem Kremser SC (25.000 Einwohner). Die Wachauer spielten in der zweiten Liga und konnten auch vom vermeintlich übermächtigen FC Tirol (Bruno Pezzey, Peter Pacult, Hansi Müller Trainer Ernst Happel) nicht gestoppt werden. Coach Ernst Weber orchestrierte einen 2:0-Heimsieg und ein 1:3 in Innsbruck und jubelte dank der Auswärtstorregel. Krems gelang kurz darauf der Aufstieg in die Bundesliga, holte Mario Kempes, konnte sich dort aber nur drei Jahre lang halten.
Wigan feiert seine FA-Cup-Sieger. Reuters
In der Zwischenzeit schlug SV Stockerau (17.000) im Cup zu (1991). Das Team von Trainer Willy Kreuz schaffte im Finale gegen Rapid (Starspieler Andreas Herzog, Jan-Age Fjörtoft) im Praterstadion die Wende (2:1). „Das Unglaubliche ist geschehen, unsere Niederlage war gerecht“, sollte Rapid-Trainer Hans Krankl nach dem Finale sagen.
Auch der von der Landespolitik protegierte FC Kärnten aus Klagenfurt schaffte als Zweitligist 2001 den Cupsieg. Nach der Gründung des von Jörg Haider unterstützten SK Austria Kärnten gingen beim FC Kärnten aber die Lichter aus, 2008 folgte der Konkurs, 2009 die Einstellung des Spielbetriebs.
Als nachhaltiger sollten sich die Erfolge der Cup-Spezialisten der SV Ried (12.500 Einwohner) herausstellen. Nach 1998 waren die Innviertler 2011 ein zweites Mal Cupsieger – die Krönung der Erfolgsära von Paul Gludovatz. 2012 und 2022 stand man erneut im Endspiel.
Der Triumphzug der Peripherie erreichte hierzulande mit dem Cupfinale 2025 zwischen WAC und Hartberg (6700 Einwohner) schließlich seinen Höhepunkt.

Cupsieger FC Pasching. APA
In Europas Topligen liegen die großen Sensationen meist Jahrzehnte zurück. Zu sehr ging die Schere zwischen Arm und Reich in den großen Fußballnationen auf, zu dominant sind einige wenige Klubs geworden. In Deutschland gewann mit Hannover zuletzt im Jahr 1992 ein Zweitligist den DFB-Pokal. Es war auch das erste Mal, dass ein Klub abseits der obersten Spielklasse triumphierte (der Pokalsieger 1970, Kickers Offenbach, war zum Zeitpunkt des erst spät im Sommer ausgetragenen Finales schon in die Bundesliga aufgestiegen). Aber: Mit Arminia Bielefeld schaffte es im Vorjahr ein Viertligist ins Finale. Auch die Überraschungs-Pokalsieger Bayer Uerdingen (1985, aus Krefeld) und Kaiserslautern (1996) gehen kaum als Peripherie-Champions durch.
Größte Sensation der jüngeren Vergangenheit ist Wigan Athletic. Der Klub aus der 85.000-Einwohner-Stadt nahe Manchester düpierte 2013 alle englischen Topklubs und gewann den FA-Cup. Mit von der Partie war ÖFB-Legionär Paul Scharner. Allerdings: In der selben Saison stieg Wigan aus der Premier League ab. Zwar mitten aus London, aber doch englische Fußballprovinz: Der FC Wimbledon gewann 1988 den FA Cup. Der bisher letzte Triumph eines Zweitligisten war jener von West Ham 1980, ebenfalls ein Londoner Klub. Der FC Millwall (Südostlondon) schaffte es 2004 als Drittligist ins Finale. Im Vorjahr gab es noch eine Londoner Sensation: Crystal Palace gewann unter Trainer Oliver Glasner den FA-Cup.
In Frankreich datiert die größte Provinz-Sensation aus dem Jahr 2009, als EA Guingamp aus dem bretonischen 7000-Einwohner-Städtchen die Coupe de France gewann. Drittligist Les Herbiers (16.500) schaffte es 2018 ins Finale, die Viertliga-Kicker des Calais RUFC (67.500) vom Ärmelkanal scheiterten 2000 ebenfalls erst im Endspiel.
In Italien und Spanien sind Cupsensationen noch seltener. In der Coppa Italia gilt der Triumph des FC Bologna im Vorjahr als einer der größten Außenseiter-Siege gegen die Großklubs aus den Metropolen von Mailand, Rom, Neapel oder Turin. Auch in Spanien ist der Copa-del-Rey-Erfolg von Real Sociedad vor eineinhalb Wochen (Finalsieg über Atlético Madrid) ein historischer, vergleicht man San Sebastián (190.000 Einwohner) mit den Seriensiegern aus Madrid und Barcelona. Der Copa-Sieg des damals groß aufspielenden Mallorca im Jahr 2003, als erstmals eine große spanische Trophäe das Festland verließ, war nicht wirklich überraschend. Ebenso wenig jener von Deportivo La Coruña 2002.
Lohnender ist da der Blick etwa nach Griechenland: AE Larisa holte den griechischen Pokal 1985 und 2007 und ist damit eine der wenigen Ausnahmen, in denen Trophäen an Teams außerhalb der Metropolregionen Athen und Thessaloniki gingen. Die anderen sind FC Kastoria (1980; 15.000 Einwohner) und OFI Kreta (1987 und 2006). In der Schweiz war die größte Pokalsensation der Triumph von Zweitligist FC Lausanne-Sport im Jahr 1999.
Mit dem Cupsieg einher geht in der Regel auch ein Europacup-Startplatz. International aber war für die Champions aus der Provinz meist sehr wenig zu holen. Stockerau sticht heraus, hielt im Cup der Cupsieger gegen Tottenham bei zwei 0:1-Niederlagen gut mit. Meist war schon in der Qualifikation Endstation. Krems war chancenlos gegen Carl Zeiss Jena, Ried kassierte empfindliche Niederlagen gegen Maccabi Haifa und PSV Eindhoven, Pasching gegen Estoril Praia. Im Vorjahr unterlag der WAC erst PAOK Thessaloniki, dann Omonia Nikosia. Sollte 2026-Finalist Altach tatsächlich triumphieren, dürften sich die Vorarlberger in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League versuchen.