Im Westen der Ukraine lebt eine kleine, ultrareligiöse Gemeinschaft am Dnister-Fluss. Ähnlich den Amish leben sie ohne Strom, ohne Maschinen und äußerst pazifistisch. Die Dokumentation Silent Flood fängt in atmosphärischen Bildern dieses fragile Leben ein, vor dem auch der Invasionskrieg keinen Halt macht.
Im Westen der Ukraine lebt eine kleine, ultrareligiöse Gemeinschaft am Dnister-Fluss. Ähnlich den Amish leben sie ohne Strom, ohne Maschinen und äußerst pazifistisch. Die Dokumentation Silent Flood fängt in atmosphärischen Bildern dieses fragile Leben ein, vor dem auch der Invasionskrieg keinen Halt macht.
Mit vernebelten langsamen Bildern hüllt einen dieser Film gleich zu Beginn ein. Diverse Stimmen kommen zu Wort und erzählen von der Vergangenheit, verschwundenen Brücken und der generellen Rolle des Flusses in dieser so vom Rest der Welt abgeschnittenen Gemeinschaft. Von außen werden sie belächelnd „hat-wearers“ (Hutträger) genannt, innerhalb ihrer Community zeigen sich jedoch tiefe Gottesliebe und Bescheidenheit.
Foto: crossingeurope.at
Gute-Nacht-Geschichte
Eines wird gleich in den ersten Minuten klar: Das hier ist kein schneller Film – und auch keine schnelle Doku. Die Bilder werden statisch oder mit ruhigen Schwenks eingefangen. Oft wird dafür die goldene Stunde gewählt. Trotz der mangelnden Kamerabewegung entsteht so eine Welt, die am besten auf einer Kinoleinwand zur Geltung kommt.
Man muss sich aber ohne Frage auf dieses Tempo einlassen können. So wirken die Erzählungen, die im Hintergrund auf der Tonspur laufen, oft wie eine Gute-Nacht-Geschichte. Das ist nicht im Sinne des Inhalts gemeint – dieser ist von viel Schwere geprägt – sondern eher in der Stimmung. Dieses langsame Pacing mindert leider auch die Dringlichkeit der Themen, seien es Krieg, Naturkatastrophen oder generell das abgeschottete Leben.
Von wem hier erzählt wird
Durch den Voice-over-Charakter fehlt dem Film leider auch viel an Persönlichkeit. In den Bildern wird zwar häufig von den Weitwinkeln abgesehen, wenn Personen gezeigt werden, doch niemand spricht wirklich. So ergibt sich eine äußerst objektive Erzählweise – eine, die selten einem roten Faden folgt oder klar macht, wem man gerade eigentlich zusieht. Teilweise muss man auch auf Raten zurückgreifen, um die verschiedenen Personen zuzuordnen.
Um etwas Struktur hinzuzufügen, wird eine Kapitelordnung versucht, die allerdings ebenfalls sehr vage bleibt. So mäandern die Bilder von Landarbeit mit Pferden und Brotherstellung hin zu Minensuchtrupps. Diese Atmosphäre kann eindringlich sein, man muss solche Filme jedoch bereits gewohnt sein. Der Wunsch nach einem genaueren Kennenlernen der Gemeinschaft – über lose Gespräche und freie Gedanken hinaus – bleibt jedoch unerfüllt. Hier müssen die Bilder für sich selbst sprechen.
Fazit
Silent Flood ist ein von Voice-over und Naturgeräuschen geprägter Film. Die Bilder sind es wert, auf großer Leinwand gesehen zu werden. Wer allerdings eine intime Aufarbeitung und ein erklärendes Porträt der gezeigten Gemeinschaft erwartet, wird hier wohl enttäuscht. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: der Film läuft am Crossing Europe nochmals am 02.05.26 um 19:00 Uhr.

Tykha PoviN / Silent Flood
Regie: Dmytro Sukholytkyy-Sobchuk
90 Minuten, Ukrainisch, OmeU
