Die aus Durban stammende Sängerin begeisterte bis in die 1970er-Jahre in lyrischen und Koloraturpartien an Staats- und Volksoper.
„Des gibt’s ned, Sie san doch goa ned schwoaz!“: So soll einst Karl Böhm im typischen Grantlerton auf Mimi Coertse reagiert haben, als sie sich als Sopranistin aus Südafrika vorstellte.
Ist die oft erzählte Anekdote wahr, müsste sie sich im Jänner 1955 ereignet haben, als die blutjunge Sängerin am Teatro San Carlo in Neapel unter Böhms Leitung als Blumenmädchen in Wagners „Parsifal“ debütierte. 1932 in Durban in der damaligen Südafrikanischen Union als Maria Sophia Coertse geboren, begann die Farmerstochter eine Gesangsausbildung in ihrer Heimat, bevor sie mit ihrem ersten Mann, dem Komponisten, Musikwissenschaftler und Radiomoderator Dawid Engela, den Plan fasste, zum gemeinsamen Studium nach Wien zu gehen. Im Jänner 1954 kamen sie an, die Ehe war bald zu Ende, aber Mimis Ausbildung bei Josef Witt an der damaligen Musikakademie trug Früchte. Noch bei einem Klassenabend war sie 1955 im Schönbrunner Schlosstheater die Zerbinetta neben der Ariadne der jungen Gwyneth Jones.
Als Königin der Nacht debütierte sie am 17. März 1956 in der wieder erbauten Wiener Staatsoper und wurde mit damals noch nicht 24 Jahren das jüngste Ensemblemitglied des Hauses am Ring. Trotz diverser internationaler Auftritte, etwa am Royal Opera House Covent Garden, in Glyndebourne und immer wieder auch in Südafrika, blieb sie Wien treu – und schlug nach eigener Aussage deshalb auch Angebote der Metropolitan Opera und der Scala aus. Auf lyrische und Koloraturpartien spezialisiert, sang sie an der Staatsoper nicht zuletzt 62-mal die Königin der Nacht, 33-mal Gilda, 31-mal Nedda, je 30-mal Traviata und Donna Anna sowie 25-mal Fiakermilli. Ovationen löste auch ihre Lucia aus, die sie 1965 mit Alfredo Kraus an der Volksoper gegeben hat. 1967 wurde sie zur österreichischen Kammersängerin ernannt.
1973 gab Coertse ihre letzte von 102 Staatsopern-Vorstellungen als Mozarts Konstanze, die sie auch an der Seite von Fritz Wunderlich gesungen hatte, und zog sich mit ihrem dritten Ehemann, dem südafrikanischen Geschäftsmann Werner Ackerman, und zwei gemeinsamen Adoptivkindern nach Pretoria zurück. In Südafrika unterrichtete sie, setzte sich noch zu Zeiten der Apartheid für ein faires Zusammenleben zwischen den Bevölkerungsgruppen ein und gründete ein inklusives Ensemble für Opernnachwuchs. 1978 kehrte sie für eine einzelne Abschiedsvorstellung als Elisabetta in „Don Carlos“ nach Wien zurück.
Am 27. April 2026, wenige Wochen vor ihrem 94. Geburtstag, ist Mimi Coertse in Pretoria gestorben.
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