TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes steht die Bauchspeicheldrüse permanent unter Stress, weil sie ständig Insulin produzieren muss. Das Problem: Dieser Stress gilt als direkter Wegbereiter für das Fortschreiten der Erkrankung. Wie lässt er sich reduzieren? Forscherinnen der University of Alabama haben zwei Ernährungsformen unter die Lupe genommen: ketogen und fettarm.
Keto reduzierte Stress für Zellen der Bauchspeicheldrüse
Ein Team um Ernährungswissenschaftlerin Marian L. Yurchishin stellte 51 Diabetikern zwölf Wochen lang Lebensmittel für eine von zwei Diäten zur Verfügung. Entweder ernährten sich die Studienteilnehmer konsequent ketogen (also extrem kohlenhydratarm und fettreich) oder fettarm. Den Zellstress maßen die Forscher anhand bestimmter Blutwerte (Proinsulin zu C-Peptid). FITBOOK berichtete.
Ergebnis: Indem sie den Insulinbedarf drastisch senkt, reduzierte die Keto-Diät (Kohlenhydratanteil neun Prozent) den Stress der insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse bei den Typ-2-Diabetikern deutlich effektiver als eine fettarme Ernährung.
Ein Indikator für Stress dieser Zellen ist das Verhältnis von Proinsulin zu C-Peptid (PICP). Stehen die Zellen unter Druck, schütten sie mehr „unfertiges“ Proinsulin aus. Sinkt das PICP, arbeitet die Zelle effizienter. Bei der ketogenen Diät verbesserten sich die Werte um 56 Prozent mehr als bei der fettarmen Diät. Das bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse bei ketogener Ernährung offenbar leistungsfähiger ist.
Ergebnis unabhängig von Gewichtsverlust
Ein entscheidender Aspekt: Diese Verbesserung zeigte sich auch ohne nennenswerten Gewichtsverlust! Das „Journal of the Endocrine Society“ berichtete über die Studie.
Einschränkungen
Die Studie gilt wissenschaftlich als solide durchgeführt. Trotzdem bleibt sie klein. Die Dauer betrug nur drei Monate, langfristige Effekte sind offen. Die Resultate gelten vor allem für frühe Krankheitsstadien. Bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes könnten die Effekte geringer sein. Die Autorinnen sehen Keto deshalb als mögliche Option, nicht als allgemeine Lösung.
Generell wird die ketogene Diät von Experten maximal als zeitlich begrenzte Maßnahme empfohlen. Sie kann den Verdauungstrakt stark belasten (Stichwort Verstopfung).