Die Älteren erinnern sich: Wenn man zum Musikhören zusammenkam, hörte man Musik und sonst nichts. Unterbrochen wurde das, wenn nach rund 25 Minuten die Schallplatte umgedreht werden musste, um die B-Seite zu hören. An diese Zeit erinnert die Band „Phakt“ mit ihrem ersten Album. Es ist nicht nur musikalisch an die 1980er-Jahre angelehnt, sondern auch in der Liebe zum Detail. Das hat mit dem Digitalgeschäft à la Spotify so viel zu tun wie Mozart mit Techno.
Früher Krautrock, heute progressiver Rock
Was Philip Richter (Gesang, Gitarre), Hartmut „Hardy“ Richter (Leadgitarre), Achim Pohnke (Bassgitarre), Klaus Hoffmann (Drums) und Thomas Schmidt (Keyboard) jetzt auf CD veröffentlichen, ist so etwas wie ihr Lebenswerk, Ausdruck dessen, was in den 1970er-Jahren mit Krautrock unter dem Bandnamen Morgentau begann und bis heute zu einem progressiven Rock gereift ist, der an Bands wie Deep Purple, Uriah Heep, Marillion oder Genesis erinnert – ohne sie zu kopieren.
Die Band Phakt – der Name wurde aus den Vornamen der Bandmitglieder gebildet: P = Philip Richter (Gesang, Gitarre), H = Hartmut „Hardy“ Richter (Leadgitarre), A = Achim Pohnke (Bassgitarre), K = Klaus Hoffmann (Drums) und T = Thomas Schmidt (Keyboard).
Foto: Phakt
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„Alles eigene Songs, alles handgemacht“, sagt Hartmut Richter, für den „Phakt“ auch ein Stück Familiengeschichte ist. Es ist schon überraschend, dass Vater und Sohn für die gleiche Musik brennen, dass sie sie aber auch in einer Band verkörpern, ist ungewöhnlich. „Da bin ich natürlich väterlich beeinflusst“, schmunzelt Sänger Philip Richter (32), der mit Jethro Tull, Uriah Heep und anderen Rockgrößen der Vergangenheit aufgewachsen ist. Und nicht nur das: Mit seiner Band „Mustangs on Fire“ zelebrierte er diesen Rock auch schon, bevor er zu „Phakt“ stieß. Die ehemaligen Morgentau-Musiker hatten sich nach der Corona-Pandemie wieder zusammengefunden. Als der Sänger ging, stieß Richter junior dazu.
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CD entstand in einem Jahr in Preetzer Studio
Für ihre CD haben die Neumünsteraner Musiker etwa ein Jahr benötigt, davon etwa ein halbes Jahr reine Arbeitszeit in einem Preetzer Studio. „Wir sind im April 2025 etwas blauäugig in das Projekt hineingegangen, dachten, im Mai wären wir fertig“, sagt Drummer Klaus Hoffmann. Doch so perfekt eingespielt wie Iron Maiden oder Black Sabbath, die ihre Debütalben in 13 beziehungsweise zwei Tagen einspielten, waren sie dann doch nicht. Und so hatten sie viel Zeit, sich auch über die Gestaltung Gedanken zu machen.
24-seitiges Booklet mit Texten und Kunst aus Neumünster
Herausgekommen ist auch hier etwas Besonderes. Neben dem Cover wurde nämlich wie in grauer Rockvorzeit ein aufwendiges 24-seitiges Booklet mit den Songtexten und Bildern produziert. Alle zehn Songs sind in englischer Sprache selbst geschrieben und handeln von zeitkritischen Themen, persönlichen Krisen, aber auch Hoffnung. Zu jedem Song gibt es eine individuelle Optik.
Das Coverbild stammt von der Künstlerin Janine Altner.
Foto: Janine Altner/Phakt
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Diese wurden von fünf Neumünsteraner Künstlern gestaltet, zur Verfügung gestellt und den Liedern zugeordnet. Dabei hatten die Musiker durchaus unterschiedliche Vorstellungen, doch am Ende einigten sie sich auf ein stimmiges und einmaliges Booklet mit Bildern von Raheleh Karimi, Heidrun Reher, Sergej Zyrin, Hartmut Riske und Nadine Altner. „Ihre Bilder habe ich bei der Nord Art in den Holstenhallen gesehen“, sagt Philip Richter. Jetzt zieren sie das Cover der CD. Deren Titel ist an diese besondere Aktion angelehnt, es heißt „Ten Pictures“.
So viel Aufwand wird selten an der Kasse belohnt, aber darum geht es den Musikern auch nicht in erster Linie. Sie schielen mit der Erstauflage von 500 Exemplaren nicht auf den kommerziellen Erfolg, sondern auf das Bleibende für sich, ihre Familien und Freunde: ehrliche, handgemachte Musik, die die Jahrzehnte überdauert in einem individuellen Gewand.
Konzert am 9. Mai im KDW in Neumünster
Wer „Phakt“ und „Ten Pictures“ erleben möchte, hat dazu erstmals Gelegenheit, wenn die Band die CD mit einem Konzert am Samstag, 9. Mai, im KDW vorstellen wird. Beginn ist um 20 Uhr. Eintritt kostet 10 Euro.