Bundeskanzler Friedrich Merz dementiert ein schlechtes Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. Merz hatte den USA vorgeworfen, sich vom Iran demütigen zu lassen und kassierte dafür eine persönliche Attacke vom US-Präsidenten. »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«, schrieb Trump in einem Online-Post über den Kanzler.

Gemessen an Trumps Äußerungen scheint das persönliche Verhältnis der beiden auf einem neuen Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck am Morgen bei einer Pressekonferenz in Berlin allerdings entgegen. »Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut«, sagte er. »Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.«

Stark angefangen, stark nachgelassen

Die Beziehung zwischen Trump und Merz hat sich nach einem »Traumstart« beim Antrittsbesuch im vergangenen Juni im Zuge des Irankriegs dramatisch verschlechtert. Trump bezeichnete den CDU-Politiker damals als »respektierten« und »guten Mann« und versprach: »Wir werden eine großartige Beziehung zu Ihrem Land haben.«

Ähnlich war es auch noch Anfang März. Bei Merz’ Besuch in Washington, D. C. lobte Trump ihn als »sehr erfolgreichen Mann« und »ausgezeichneten Anführer«. Merz ließ damals sogar die Kritik des US-Präsidenten an mangelnder Unterstützung Spaniens und Großbritanniens im Irankrieg unwidersprochen.

Für die Kehrtwende des Kanzlers kurze Zeit später gibt es eine Reihe von Gründen: Deutschland war in die Entscheidung nicht eingebunden. Es bleibt unklar, was das Ziel des Kriegs ist. Die Lage eskaliert in der Nahostregion. Die Energiekrise spitzt sich durch die Blockade der Straße von Hormus zu.

Merz ist »mittlerweile desillusioniert«

Der Frust des Kanzlers über den festgefahrenen Konflikt ist in den letzten Tagen immer deutlicher geworden. »Ich bin da mittlerweile desillusioniert«, teilte er am Rande der Unionsklausur in Berlin mit.

© Lea Dohle

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Zuvor hatte er bei einer Diskussion mit Schülern gesagt: »Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.« Die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden, »weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben«.

Die Äußerungen sorgten international für Aufsehen. Möglicherweise lösten sie die persönliche Attacke Trumps gegen Merz aus. Die Beziehung der beiden weckt Erinnerungen an das Zerwürfnis zwischen dem früheren US-Präsidenten George W. Bush und dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder wegen des deutschen Nein zum Irakkrieg.

Merz ist nur einer von vielen europäischen Spitzenpolitikern, die Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Nach der Kritik des US-Präsidenten am Papst kam es sogar zum Streit zwischen Trump und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die als eine seiner europäischen Vertrauten gilt.

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