Christian Guenter (SC Freiburg) und Torwart Noah Atubolu (SC Freiburg) applaudieren nach dem Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Club Freiburg.

Stand: 29.04.2026 • 20:33 Uhr

Der SC Freiburg spielt eine bemerkenswerte Saison. Ein Titeltraum lebt noch – doch wie frisch sind die Badener für das Europa-League-Halbfinale in Braga?

Die Kulisse des berühmten Felsenstadions passt zu dem Kraftakt, der dem SC Freiburg bevorsteht. Die Badener treten im Estádio Municipal zwar nicht zum Steineklopfen an, sondern zum Fußballspielen. Schweißtreibend wird das Halbfinal-Hinspiel der Europa League bei Sporting Braga am Donnerstag (ab 21 Uhr im Audiolivestream) aber allemal. Der Sport-Club bekommt sein Mammutprogramm dieser Tage deutlich zu spüren. Jetzt, in der alles entscheidenden Phase dieser bemerkenswerten Saison geht es darum, bloß nicht nachzulassen.

DFB-Pokal-Drama in Stuttgart hinterließ Spuren

Die Partie in Portugal ist für die Freiburger das nächste „Highlight-Spiel“, wie es Maximilian Eggestein formulierte. „Da sollten alle Körner wieder da sein“, sagte der Mittelfeldmann. Eggestein ist einer der Dauerbrenner beim SC. Das Achtelfinal-Hinspiel beim belgischen Vertreter KRC Genk hatte er wegen einer Rotsperre verpasst. Ansonsten stand er in allen bisherigen 47 Pflichtpartien der Freiburger in dieser Saison auf dem Rasen – und immer in der Startelf.

Audio-Tipp

SWR Sport überträgt die Spiele der Fußball Europa und Conference League live im Audiostream.
Am Donnerstag, 30.04.2026, ab 21 Uhr das Halbfinal-Hinspiel in der Europa League Sporting Braga – SC Freiburg live im Audiostream auf swr.de/sport, auf sportschau.de und in ARD Sounds.

Auch im Liga-Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (0:4), wo sich der SC am vergangenen Sonntag seine fast schon traditionelle Klatsche abholte. Beim BVB sahen die Freiburger selten gut aus. Diesmal, gezeichnet vom dramatischen Halbfinal-Aus im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart, aber besonders schlecht. Natürlich habe er noch gemerkt, dass es bei der bitteren 1:2-Niederlage nach Verlängerung drei Tage zuvor über 120 Minuten gegangen war, so Eggestein.

Schusters unverzichtbare Achse kehrt zurück

Neben der hohen Belastung der Freiburger in dieser Saison veranschaulichte die Partie in Dortmund auch, wie wichtig die Topspieler Matthias Ginter, Johan Manzambi und Yuito Suzuki für den SC sind. Das Trio hatte angeschlagen gefehlt. Eine Achse, die für Trainer Julian Schuster kaum zu ersetzen ist. Ginter, der Abwehrchef, überzeugt seit Wochen mit starken Leistungen und kämpft mit aller Macht um einen Platz im deutschen WM-Kader. Manzambi, das Schweizer Mittelfeld-Juwel, ist Dreh- und Angelpunkt im Freiburger Spiel. Suzuki, der quirlige Japaner, sorgt offensiv für besondere Momente. Alle drei haben sie enormen Anteil am bisherigen Triumphzug des SC.

Für die Partie in Portugal kehren die geschonten Leistungsträger zurück und seien „wieder voll einsatzbereit“, bestätigte Trainer Julian Schuster am Mittwochabend in Braga. „Es hat allen sicherlich gut getan, diese Tage zu haben, um sich entsprechend zu erholen“, sagte Schuster, „wir können mit ihnen voll planen.“

SC-Trainer Julian Schuster spürt „Kribbeln“

Die Belastungssteuerung ist in der vierten Englischen Woche hintereinander ein großes Thema für den Coach, dessen Vorfreude auf die Partie in Braga von dem straffen Programm jedoch keinesfalls getrübt ist: „Wenn man das Stadion zum ersten Mal sieht, fängt es direkt an zu kribbeln“, sagte der 41-Jährige, „wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir dieses Spiel bestreiten dürfen.“ Leicht werde es der Gegner aus Braga dem Sport-Club nicht machen, ist Schuster überzeugt: „Sie haben unglaublich viele Facetten, vor allem mit dem Ball.“

Nervosität spüre er bei seinen Profis trotz der historischen Chance für den Sport-Club, erstmals in ein Finale in einem europäischen Wettbewerb einzuziehen, jedoch nicht. Vielmehr nehme er einen „klaren Fokus auf die Aufgabe“ wahr: „Es ist unser Anspruch, an unsere Leistungen der letzten Wochen anzuknüpfen“, sagte Schuster.

Jetzt, wo der nationale Finaltraum geplatzt ist, gilt es, noch den internationalen am Leben zu halten. So weit sind die Freiburger auf der Road to Istanbul, wo am 20. Mai das Europa-League-Endspiel stattfindet, schon gekommen. Nun wollen sie auch noch die letzten Meter gehen und die knifflige Hürde Braga nehmen.

Freiburgs Vincenzo Grifo: „Wer keine Kraft hat, ist fehl am Platz“

„Es ist unfassbar intensiv, was für ein Tempo wir gehen Woche für Woche“, sagte Stürmer Igor Matanovic vor dem Hinspiel beim Tabellenvierten der portugiesischen Liga. Umso wichtiger sei es, dass jeder Spieler im Kader immer bereit sei, „120 Prozent zu geben“, meinte er. „Wir brauchen jeden Einzelnen.“

Dass die Körner auch nach der Belastung der letzten Wochen vorhanden seien, daran hat SC-Kapitän Christian Günter keine Zweifel: „Wenn der Schiri anpfeift, dann wird allein schon das Adrenalin ausreichen, um marschieren zu können. Da brauchen wir keine Ausreden zu suchen.“ Vincenzo Grifo ging sogar noch einen Schritt weiter: „Wer morgen keine Kraft hat, der ist sicherlich auch fehl am Platz“, stellte der Mittelfeldspieler im Anschluss an das letzte Training vor der Partie klar.

Folgt der SC Freiburg auf Europapokalsieger Frankfurt?

Erst ein deutsches Team hat den Nachfolgewettbewerb des UEFA-Cups bisher gewonnen: Eintracht Frankfurt vor vier Jahren. Können die Breisgauer den Hessen, mit denen sie in der Bundesliga noch um den siebten Platz kämpfen, folgen? Erst mal erwartet sie der Kraftakt in Bragas bekanntem Felsenstadion.

Südwestrundfunk