Der Ausbruch des Iran-Krieges machte das Zwei-Prozent-Ziel zunichte. Für die KV-Lohnrunden kündigten die Gewerkschaften bereits an, keine Lohnzurückhaltung mehr zeigen zu wollen.
Laut Schnellschätzung der Statistik Austria liegt die Inflation im April bei 3,3 Prozent in Österreich. Im März lag der Wert bei 3,2 Prozent. „Dabei beeinflusst die geopolitische Lage die Teuerung weiterhin merklich. Das zeigt sich vor allem bei Treibstoffen und Heizöl“, sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.
Insgesamt lagen die Energiepreise um 10,7 Prozent über dem Niveau vom April 2025, im März hatten sie sich im Vorjahresvergleich um 6,2 Prozent erhöht. Preisdämpfend wirkte die im April 2026 eingeführte Spritpreisbremse. Sie senkte die Preise für Benzin und Diesel um bis zu 10 Cent pro Liter. „Dadurch fiel die Inflation um bis zu 0,2 Prozentpunkte niedriger aus. Der im Vergleich zum Vorjahr um zwei Wochen frühere Ostertermin wirkte in ähnlichem Ausmaß preisdämpfend auf Pauschalreisen“, sagt Lenk.
Auch aus diesem Grund stiegen die Dienstleistungspreise als wichtigster Inflationstreiber mit 3,9 Prozent deutlich schwächer als im März, als noch ein Plus von 4,5 Prozent verzeichnet worden war. Die Preise für Lebensmittel, Tabak und Alkohol wurden um 2,7 Prozent angehoben, etwas kräftiger als im März mit einem Plus von 2,4 Prozent, heißt es.
Die Inflation war Anfang des Jahres auf das Ziel von zwei Prozent zurückgekehrt. Der Iran-Krieg machte dieses Zwei-Prozent-Ziel aber wieder zunichte und wirft die Frage auf: Wie stark wird die Teuerung steigen? So erwartet das IHS nach dem Ausbruch des Krieges für das heurige Jahr einen Anstieg auf 2,9 Prozent, das Wifo 2,7 Prozent. In einem pessimistischeren Szenario könnte die Teuerung wieder um bis zu 4,1 Prozent zulegen.
Wenige Tage nach dem Ausbruch des Konflikts schnellten die Treibstoffpreise in Österreich und dem Rest von Europa nach oben. Den derzeitigen Spitzenwert, laut Zahlen der E-Control, erreichten Diesel und Benzin Anfang April. So lag der Preis am Anfang des Monats für einen Liter Benzin bei 1,787 Euro und für einen Liter Diesel bei 2,084 Euro. Zwar ist der Preis laut dem IHS-Preismonitor in den vergangenen Tagen wieder gesunken, liegt aber noch immer 20 bis 40 Cent über dem Niveau vor dem Ausbruch des Krieges.
Im Jänner und Februar wirkten die Energiepreise auf die Gesamtinflation dämpfend. Das änderte sich im März.
Die Wirtschaftsforscher betonen, dass nicht nur die Treibstoffpreise Einfluss auf die Inflation haben, sondern sich die Preise auch über die Produktionskette nachgelagert in Waren niederschlagen. „Somit werden sich z. B. Düngemittel (und damit auch Nahrungsmittel), Chemikalien und Pharmazeutika verteuern“, heißt es.
Was also tun? Wifo-Chef Gabriel Felbermayr hält es für wichtig, das System der Indexierungen mit dem Verbraucherpreisindex zu überdenken. Stattdessen könnte auch der BIP-Deflator (der aber revisionsanfällig ist) oder die Kerninflation (ohne volatile Bestandteile wie Energie und Lebensmittel) als Basis herangezogen werden. Dies müsse aber alle Bereiche betreffen, die indexiert werden – also neben Löhnen, Pensionen und Sozialleistungen auch Mieten, Versicherungsverträge oder öffentliche Gebühren.
Die höhere Inflation führt auch dazu, dass die realen Nettolöhne laut Wifo neuerlich um 0,5 Prozent sinken werden, nachdem sie sich auch 2025 bereits um 0,4 Prozent verringert haben.
Auf die bevorstehenden Lohnrunden wird das einen Effekt haben. Die Gewerkschaften kündigten bereits an, keine Lohnzurückhaltung mehr praktizieren zu wollen. Gleichzeitig sind die starken Lohnerhöhungen der Jahre 2022 und 2023 ein wichtiger Grund, dass sich die Inflation bei den Energiepreisen durch den Ukrainekrieg in Österreich so dauerhaft verfestigt hat und heute noch spürbar ist.
Die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs haben die deutsche Inflation im April weiter nach oben getrieben. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt um 2,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Teuerungsrate im März noch bei 2,7 Prozent gelegen hatte und im Februar bei 1,9 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mit. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. Auf Monatsbasis zogen die Preise um 0,6 Prozent an.
„Der Iran-Krieg und die damit einhergehenden Energiepreise lassen die Inflation in Deutschland steigen“, sagte Ökonom Felix Schmidt von der Berenberg Bank. Diesel verteuerte sich etwa in Nordrhein-Westfalen um 36,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Benzin um 18,8 Prozent. Für Heizöl mussten 27,3 Prozent mehr bezahlt werden, für Fernwärme 2,0 Prozent mehr. „Bisher scheint sich der Preisdruck kaum über die Energiepreise hinweg ausgeweitet zu haben“, sagte Schmidt. (klug/ag.)
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