Mozart-Librettist Da Ponte ist in Santa Fe gelandet und muss der Oper ade sagen: Mit einer charismatischen Hauptrolle in einem Turrini-Stück verabschiedet sich Direktor Herbert Föttinger abermals von seinem Theater in der Josefstadt. Lustig, berührend, gelungen.
Mit der Rolle des nach Utzbach heruntergekommenen Theatermachers in Thomas Bernhards Stück hat sich Herbert Föttinger, Intendant des Theaters in der Josefstadt von 2006 bis 2026, schon standesgemäß auf der Bühne verabschiedet. Doch im Showbusiness und schon gar im Theater ist genug nicht genug, und so lässt er noch einen würdigen Abschied folgen: in „Was für ein schönes Ende“. Es ist das neunte Stück von Peter Turrini, das in Föttingers Ära in der Josefstadt uraufgeführt wird – ein seltener Fall von produktiver Treue zwischen einem Direktor und einem Autor – und es ist eines seiner besten: tragisch und komisch und wunderbar sentimental.
Im Zentrum steht ein Absteiger, Hochstapler und Träumer, ein dichterisches Gemüt, das in seiner Vergangenheit regiert und die Gegenwart durch Fantasie bewältigt: der alte Lorenzo Da Ponte, der Opernwelt bekannt durch seine Libretti für drei große Mozart-Opern, einst Dichter am Hof Josephs II, nunmehr als Branntweinhändler an der Oper in Santa Fe tätig. Letzteres entspricht nicht ganz der historischen Wahrheit, aber Da Ponte war tatsächlich in den USA, wenn auch nicht in Santa Fe, doch er handelte mit Tabak und Brandy, bevor er in New York „Don Giovanni“ zur Aufführung brachte.
Es ist auch nicht ganz die Wahrheit, dass „Was für ein schönes Ende“ nun uraufgeführt wurde, eine frühere Fassung namens „Da Ponte in Santa Fe“ wurde 2002 bei den Salzburger Festspielen von Claus Peymann inszeniert, und zwar wenig erfolgreich, sogar mit Buhrufen. Das kann man sich nach dieser Josefstadt-Premiere kaum vorstellen. Liegt es daran, dass Turrini – oder die Regie? – einige Derbheiten durch Altersweisheiten ersetzt hat? Liegt es an der gediegenen, aufkommendes Geblödel bald wieder bremsenden Inszenierung von Janusz Kica, dem Karin Fritz einen sehr josefstädterischen Western Saloon auf die Bühne gestellt hat?
Gewiss liegt es am Schauspiel, vor allem Föttingers. Gravitätisch hatschend, bei heftigeren Bewegungen staubend, mit sehnsüchtig verquollener Miene, schleudert er große Gesten in die ihm zu klein gewordene Welt: „Weißt du nicht, dass ich unsterblich bin?“, ruft er, hadert mit Mozart und der notorischen Unterschätzung der Sprache in der Oper, verzeiht in so majestätischer wie lächerlicher Großmut allen seinen Feinden und beschwört seine Glorie: „Ich war ein Gott in Wien!“ Natürlich, dieses Spiel lebt davon, dass Föttinger seine eigene Rolle als Theatermacher in stolzer Selbstironie reflektiert, aber es wird nie plumpe Parodie. Nicht einmal, wenn er – was ja oft peinlichste Momente im Theater beschert – inmitten des Publikums auftritt und Kritiker zaust.
Maria Köstlinger spielt Da Pontes Frau – deren Mission es wird, das Sauerkraut nach Amerika zu bringen – hübsch resolut und geschäftig, in einer alten Ehe, die noch nicht erkaltet ist. Félix Kama ist ein Garderobier von wortkarger Tiefe; Alexander Strömer als Tenor trägt dick auf; Raphael von Bargen verleiht dem ehemaligen Saloonbetreiber und nunmehrigem Operndirektor eitle Eleganz. Juliette Larat bezaubert als Dorka Dušková vulgo Dolly Delors, eine „junge Naive“, wie man diesen Rollencharakter in patriarchalischen Theatertagen nannte, aber die Naivität selbst klug in Frage stellend. Ein Jammer, dass sie das Ensemble verlässt.
Noch mehr Abschiedsstimmung im Publikum – und Szenenapplaus gleich zu Beginn – weckte die ebenfalls scheidende Doyenne Marianne Nentwich als alte Dušková/Delors, der auch die letzten Worte gehören. Einmal im Kritikerleben darf man den Schlusssatz und Titel des zu rezensierenden Stücks so schlicht wie taxfrei als Resümee übernehmen: Was für ein schönes Ende (für eine Josefstadt-Ära).
Lesen Sie mehr zu diesen Themen: