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Hamburg – Kemal Üres (48) ist mit über einer Million Followern einer der größten Gastronomie-Influencer Deutschlands. In seinen Videos nimmt er Lokale aus aller Welt unter die Lupe. Besonders gern checkt er Döner-Imbisse, rettet außerdem Wirte in finanziell schwierigen Situationen. Doch hinter der glänzenden Fassade steckt eine bewegte Geschichte voller Schicksalsschläge und Klinikaufenthalte. Im Gespräch mit BILD erzählt Kemal von seiner turbulenten Vergangenheit und wie er mit mentalen Problemen heute umgeht.

Kemals Vater überlebte einen Mordversuch

„Angefangen hat es, als ich sieben Jahre alt war. Da gab es einen Mordanschlag auf meinen Papa“, erzählt der Internet-Star. Sein Vater sei eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit abgefangen und mit einem Baseballschläger verprügelt worden. „Der Kopf war an zwei Stellen offen“, erinnert er sich. Hinter der hinterlistigen Attacke steckte der Ex-Verlobte von Kemals Schwester, der sich zuvor mit seinem angehenden Schwiegervater gezofft hatte.

Kemal Üres wurde 1977 in Konstanz geboren und lebt seit seinem 18. Lebensjahr in Hamburg. Mit 19 eröffnete er sein erstes Restaurant, heute berät er mit einer eigenen digitalen „Schule“  Gastronomen

Kemal Üres wurde 1977 in Konstanz geboren, lebt seit seinem 18. Lebensjahr in Hamburg. Mit 19 eröffnete er hier sein erstes Restaurant

Foto: Sybill Schneider

Sein Papa überlebte den Anschlag, doch bei Kemal Üres hinterließ der Vorfall bereits in jungem Alter tiefe Spuren: „Danach wurde ich schon so zwanghaft. Ich hab angefangen, Sachen zu zählen.“ Obwohl er versuchte, das Erlebte zu verdrängen, holte ihn das Trauma ein: „Mit Mitte 20 bin ich erstmals in eine Klinik gekommen und da wurde mir zum ersten Mal ein Antidepressivum verabreicht.“

Döner-Influencer kämpft gegen Depressionen

Als die Medikamente wirkten, ging es zurück ins Geschäft. Doch die psychischen Probleme kamen immer wieder zurück. Nachdem er zwischenzeitlich auch in einer Psychiatrie behandelt worden war, habe er vor zehn Jahren dann eine „langfristige Therapie“ begonnen und sich so aus den Depressionen „herausgekämpft“.

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Und heute? „Ich passe sehr auf mich auf, versuche mich abends zurückzuziehen, gehe nicht raus in Clubs. Aber ich merke schon, dass ein Schub kommt, wenn es vom Herbst auf den Winter zugeht, und dann mache ich langsamer. Im Frühjahr habe ich das auch. Also ich glaube, ganz geheilt bist du davon leider nie.“

In einer seelischen Krise? Hier bekommen Sie Hilfe!

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222. Die Beraterinnen und Berater helfen Ihnen, Auswege aus schwierigen Situationen aufzuzeigen. Im Notfall wenden Sie sich bitte an die Feuerwehr (112) oder den Polizei-Notruf (110).