Wenn die Welt Kopf stehtMaler und Bildhauer Georg Baselitz ist tot

30.04.2026, 17:02 Uhr

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Der-Kuenstler-Georg-Baselitz-steht-am-18-09-2014-in-der-Ausstellung-Georg-Baselitz-Damals-dazwischen-und-heute-im-Haus-der-Kunst-in-Muenchen-Bayern-vor-seinem-Gemaelde-Schlafzimmer-Baselitz-nahm-an-einer-Pressekkonferenz-im-Rahmen-der-Ausstellungseroeffnung-teil-Die-Ausstellung-mit-Baselitz-Werken-aus-den-vergangenen-50-Jahren-geht-vom-19-09-2014-bis-zum-01-02-2015Georg Baselitz vor seinem Gemälde „Schlafzimmer“ bei einer Ausstellung im September 2014. (Foto: picture alliance / dpa)TeilenFolgen auf:whatsappwhatsapp

Sein Markenzeichen waren auf dem Kopf stehende Bilder. Damit wurde Georg Baselitz berühmt und einer der weltweit bedeutendsten Künstler. Nun trauert die Kunstwelt um einen der ganz Großen.

Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Dies berichten mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf sein Umfeld.

Der 1938 geborene Künstler kann auf ein beachtliches Werk zurückschauen. Seine Bilder werden weltweit geschätzt, locken jährlich Tausende in Museen und Galerien und erzielen Höchstpreise auf internationalen Auktionen. Baselitz selbst steht auf Platz sieben im „Capital“-Kunstkompass, der nicht unumstrittenen Liste der hundert international bedeutendsten Künstler.

Unverwechselbar ist die 180-Grad-Drehung seiner Bilder, die die Baselitz-Werke prägt. Sie ist mehr als eine bisweilen von der Fachwelt kritisierte Masche. „Ich wollte das Bild aus der fatalen Abhängigkeit zur Wirklichkeit wegbringen“, so der Maler, der 1961 in Anlehnung an seinen Geburtsort den Künstlernamen Georg Baselitz annahm.

Georg Baselitz wurde 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren und zählt seit den 60er Jahren zu den wichtigsten Künstlern Deutschlands. Er studierte zuerst in Ost-Berlin Kunst, zog aber dann in den Westteil der Stadt. 1963 machte Baselitz dort zum ersten Mal nachhaltig auf sich aufmerksam: Zwei mit sexueller Symbolik beladene Gemälde wurden aus einer Galerie beschlagnahmt und ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Die Bilder zeigten einen überdimensionalen Penis und einen Jungen beim Masturbieren. Seinen internationalen Durchbruch erlangte Baselitz dann Anfang der 80er Jahre. Zuletzt zählte er neben Gerhard Richter und Anselm Kiefer zu den höchstbezahlten deutschen Malern.

Baselitz malte zuletzt mit Rollstuhl

Sich selbst bescheinigte er vor einem Jahr einen starken Ehrgeiz. Um in der Kunst noch vorne mit dabei zu sein, setzte der gehbehinderte Baselitz als 87-Jähriger einen rollbaren Stuhl beim Malen ein. Trotz körperlicher Einschränkungen hatte Baselitz noch Ambitionen: „Ich selbst habe einen starken Ehrgeiz, ein ausgeprägtes Konkurrenzempfinden. Einen gewissen Neid gegenüber Kollegen. Ich will die besten Bilder machen – immer noch.“

Er habe sich immer dafür interessiert, wie Künstler mit dem Alter umgehen. „Nicht nur körperlich, auch geistig. Viele werden schwächer im Kopf, in den Gliedmaßen, überhaupt. Man sieht das auch: Bei vielen ist das Spätwerk deutlich schwächer als das Frühwerk. Bei manchen Künstlern wird es aber auch besser – zum Beispiel bei Otto Dix, Tizian oder Picasso.“

„Das Alter kommt unerwartet und ziemlich schnell“, sagte der Maler dem Kunstmagazin „Monopol“ vor einem Jahr. „Es ist einfach nicht günstig. Die Bedingungen werden schlechter. Das, was man macht, ist extrem eingeschränkt.“

„Irgendwann konnte ich nicht mehr laufen, saß im Rollstuhl. Ich musste eine Methode finden, wie ich auf der Leinwand zurechtkomme – etwas, das früher nie Thema war“, sagte Baselitz. „Jetzt sitze ich auf einem höhenverstellbaren Bürostuhl mit fünf Rollen, neben mir ein Wagen mit den Farben. Ich bewege mich damit selbstständig über die Leinwand und versuche, in einer Art Applikation jene Figur zu finden, die ich will.“ Baselitz lebte hauptsächlich in Salzburg.

Quelle: ntv.de, gut/dpa/AFP