Die USA prüfen laut Präsident Donald Trump eine Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung werde in Kürze getroffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die Ankündigung folgt auf Trumps scharfe Kritik am deutschen Kanzler Friedrich Merz, weil dieser sich zuvor kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte.
„Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, hatte Trump am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden geschrieben. Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“. Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.
Am Donnerstag bekräftigte Merz die Bedeutung des transatlantischen Militärbündnisses. Aus Brüssel erhielt Merz Rückendeckung. Es sei „Fakt, dass die Stationierung amerikanischer Truppen in Europa auch im Interesse der USA liegt“, hieß es seitens der EU-Kommission. Die USA seien zugleich ein „unverzichtbarer Partner für die Sicherheit und Verteidigung Europas“. Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Noch im März hatte Trump Merz nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten.
Nimmt man Trumps jüngste Äußerungen zum Maßstab, scheint das persönliche Verhältnis zu Merz an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck entgegen. „Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander“, erklärte er. Über Monate pflegten der deutsche Kanzler und der US-Präsident ein gutes Verhältnis zueinander. Zuletzt kritisierte Merz die US-Regierung öffentlich. So warf er ihr vor, keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg zu haben. „Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“, sagte er bei einer Diskussion mit Schülern.
Merz ist nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premier Keir Starmer, Spaniens Premier Pedro Sánchez, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und sogar Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die lange als eine der engsten Vertrauten Trumps in Europa galt, in Ungnade gefallen. (TT, dpa, Reuters)