Die Hilfsflotte „Global Sumud Flotilla“ wollte Israels Seeblockade gegen den Gazastreifen durchbrechen. Die Aktivisten sprechen von einem „gewaltsamen Einsatz“ Israels.

Die israelische Marine hat im Mittelmeer mehr als 20 Schiffe der Gaza-Hilfsflotte „Global Sumud Flotilla“ abgefangen. Zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten wurden festgenommen. Nach Angaben des Außenministeriums in Jerusalem werden rund 175 Aktivisten „friedlich“ nach Israel gebracht. Die „Global Sumud Flotilla“ sprach dagegen von einem „gewaltsamen Einsatz in internationalen Gewässern“. Marinesoldaten hätten mehrere Boote geentert und „systematisch außer Gefecht gesetzt“.

Die Schiffe waren vom spanischen Hafen Barcelona ausgelaufen. Israels UNO-Botschafter Danny Danon bestätigte am Donnerstag auf der Plattform X, die Schiffe seien gestoppt worden, bevor sie israelisches Gebiet erreicht hätten. Ziel der Hilfsflotte war es, die seit 2007 bestehende Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Zugleich sollten Hilfsgüter in das Gebiet gebracht werden, das in mehr als zwei Jahren Krieg weitgehend verwüstet worden ist. Außerdem fordert die Initiative einen dauerhaften humanitären Korridor.

Die Organisatoren der Hilfsflotte teilten auf X mit, dass israelische Armeeboote „die Hilfsflotte in internationalen Gewässern illegal umzingelt und mit Entführung und Gewalt gedroht“ hätten. Die Menschen auf den militärischen Booten „richteten Laser und halbautomatische Sturmgewehre auf uns und befahlen den Teilnehmern, nach vorne an die Boote zu kommen und sich auf Hände und Knie zu begeben“, hieß es.

Die Organisatoren warfen Israel zudem vor, Motoren und Navigationssysteme zerstört zu haben. Zudem seien Zivilisten auf beschädigten, manövrierunfähigen Schiffen zurückgelassen worden. Dies sei trotz eines herannahenden Sturms geschehen. Auch Kommunikationsverbindungen seien gestört worden. Laut dem Live-Tracker auf der Internetseite der Organisation erfolgte der Zugriff westlich der griechischen Insel Kreta.

Die israelische Armee äußerte sich dazu nur knapp. Sie verwies auf die Durchsetzung der Seeblockade des Gazastreifens, die Israel mit Sicherheitserwägungen begründet. Man handle gemäß den Anweisungen der politischen Führung.

Die mehr als 50 Boote waren in den vergangenen Wochen von Marseille in Frankreich, Barcelona in Spanien und Syrakus in Italien ausgelaufen. Ende 2025 hatte schon einmal eine Hilfsflotte versucht, in den Gazastreifen zu gelangen. An Bord der Schiffe waren mehrere prominente Persönlichkeiten, darunter die schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Die Schiffe wurden damals von der israelischen Marine aufgebracht, die Besatzungsmitglieder festgenommen und anschließend aus Israel ausgewiesen.

Der Gaza-Krieg begann mit dem Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und rund 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seitdem wurden im Gazastreifen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und Anschlägen 1.073 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet.

Im Oktober 2025 war eine Waffenruhe in dem Palästinensergebiet in Kraft getreten, trotzdem gibt es immer wieder Angriffe und Gewalt. Israel und die Hamas werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor. Die humanitäre Lage in dem Küstengebiet ist Hilfsorganisationen zufolge weiterhin äußerst prekär. (APA/Reuters)

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