Seit über 40 Jahren unterstützt der Hausnotruf des Roten Kreuzes Innsbruck Menschen in Tirol in ihrem Alltag – von der schnellen Hilfe im Notfall bis zur sozialen Absicherung im eigenen Zuhause.

Sicherheit per Knopfdruck. Der Hausnotruf des Roten Kreuzes Innsbruck ist ein etabliertes Notfallsystem, das vor allem älteren Menschen, die alleine leben oder ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben, zusätzliche Sicherheit bietet. Ziel ist es, im Ernstfall rasch Hilfe zu organisieren und damit auch ein längeres Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Wie Stefan Biebel, Leiter der Abteilung Gesundheit und Soziale Dienste beim Roten Kreuz Innsbruck, erklärt:

„Der Hausnotruf ist ein Notfallsystem für Menschen, vorwiegend Seniorinnen und Senioren, die alleine leben und ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben. Er bietet eine Absicherung für Angehörige und stellt sicher, dass schnell passende Hilfe zur jeweiligen Person geschickt wird.“

Das System umfasst sowohl stationäre Geräte für den Wohnbereich als auch mobile Lösungen für unterwegs.

Ablauf eines Notrufs

Ein eingehender Notruf wird in der Zentrale über ein Computersystem erfasst. Disponentinnen und Disponenten – allesamt ausgebildete Rettungssanitäter – nehmen zunächst über eine Gegensprechanlage Kontakt zur betroffenen Person auf.

Im nächsten Schritt wird abgeklärt, ob tatsächlich ein Notfall vorliegt. Bei Bedarf wird umgehend die Leitstelle Tirol informiert und ein entsprechendes Rettungsmittel entsandt.

Auch Fehlalarme kommen vor, etwa wenn der Notrufknopf versehentlich ausgelöst wird. Diese müssen im Vorfeld sorgfältig abgeklärt werden, erkläter Tobias Gössler, Teamleiter Hausnotruf Tirol.

Im Rahmen des Besuchs erhielt die Redaktion von MeinBezirk zudem die Möglichkeit, den Einsatzalltag in der Zentrale mitzuerleben. Eine ältere Dame klagte über seit mehreren Stunden anhaltende Übelkeit. Während die Abfrage durch das Personal durchgeführt wurde, wurden alle zu der Person verfügbaren Daten angezeigt. Dies ermöglicht eine schnelle Reaktion sowie gegebenenfalls auch die Kontaktaufnahme mit Angehörigen. Auch dramatischere Einsätze, die den Einsatz eines Notarztes oder eines Hubschraubers erfordern, werden von der Zentrale aus alarmiert und in enger Kooperation mit der Leitstelle abgearbeitet.

Eine Bandbreite an Geräten

Das Angebot des Hausnotrufs hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Neben klassischen stationären Geräten stehen mobile Varianten zur Verfügung, die auch außerhalb der Wohnung funktionieren.

Neu im Sortiment ist eine Notrufuhr im Stil einer Smartwatch, die besonders für aktive Nutzerinnen und Nutzer konzipiert ist.

Die Entwicklung der Technik hat das System in den vergangenen Jahrzehnten deutlich flexibler und alltagstauglicher gemacht.

Einsatzaufkommen und Entwicklung

Der Hausnotruf ist in Tirol breit verankert. Aktuell nutzen rund 8.000 Menschen das System.

Die Zahlen zeigen die Bedeutung des Angebots deutlich:

rund 70.000 Notrufe pro Jahr (Stand 2025)
etwa 200 Notrufe pro Tag
rund 15 % der Fälle werden an die Leitstelle Tirol weitergeleitet
davon etwa 50 % mit anschließendem Abtransport ins Krankenhaus

Biebel betont, dass sich sowohl die Nutzerstruktur als auch der Altersdurchschnitt in den vergangenen Jahren verändert haben. Dies führe auch zu einer höheren Einsatzintensität.

Mehr als nur medizinische Hilfe

Neben klassischen medizinischen Notfällen wie Stürzen oder akuten Schmerzen spielt zunehmend auch der soziale Aspekt eine Rolle. Einsamkeit und Unsicherheiten im Alltag führen dazu, dass Menschen den Hausnotruf auch außerhalb akuter Notlagen kontaktieren.

Dabei geht es nicht immer um medizinische Hilfe – manchmal auch um alltägliche Probleme oder schlicht um Kontakt.

Die Mitarbeitenden versuchen, auch in solchen Situationen bestmöglich zu unterstützen, etwa durch die Einbindung von Angehörigen oder Pflegediensten. Für Biebel und Gössler ist klar, dass auch diese Aufgaben zur sozialen Verantwortung vom Hausnotruf gehören.

“ [ … ] und das ist, glaube ich, der ganz große Benefit, der den Hausnotruf auch noch mitbringt. Also es ist nicht nur medizinisch, sondern auch sozial wertvoll.“, betonen die Beiden.

Organisation und Ausbildung

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Notrufzentrale durchlaufen eine umfassende Ausbildung und werden regelmäßig geschult. Ziel ist es, auch unter Zeitdruck fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Die Arbeit erfolgt in einem eng abgestimmten System aus Disposition, Technik und Servicepersonal, um eine durchgehend hohe Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

Blick in die Zukunft

Auch in den kommenden Jahren soll sich der Hausnotruf technisch weiterentwickeln. Themen wie Künstliche Intelligenz, Sprachsteuerung und neue Assistenzsysteme spielen dabei eine Rolle. Aktuell werden bereits Systeme getestet, bei denen ein Notruf per Sprachbefehl ausgelöst werden kann.

Trotz aller technologischen Entwicklungen bleibt für das Team eines zentral:

Der Mensch steht im Mittelpunkt – persönliche Betreuung und individuelle Entscheidungen sollen auch künftig Vorrang vor automatisierten Systemen haben.

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