Dieser Irokese lässt sich an die Wand hängen. Und genau dort zieht er in der Ausstellung „Zweitfrisuren und Sahnehäubchen“ mit seinen leuchtend bunten Farben die Blicke auf sich. Für Eva Küppers, die in Neuss vor allen Dingen als Jazzsängerin bekannt ist, hat dieser Haarschnitt eine besondere Bedeutung. Immerhin hat sie selbst einmal einen getragen. Und als ihr infolge einer Chemotherapie gegen Brustkrebs die Haare ausfielen, kam ihr diese Frisur wieder in den Sinn.

Mit einem Drahtgestell und bunten Stoffzacken schuf sie einen Irokesen, den man problemlos tragen kann. Auch sie selbst setzte ihn sich auf und ließ sich damit fotografieren: „Er ist noch viel schöner als der, den ich damals hatte“, erzählt sie und lacht. Doch der Irokese hatte für sie noch eine andere, größere Bedeutung. „Ich habe die Krankheit damit auf die Schippe genommen.“ Es sei ein Akt der Selbstermächtigung gewesen, ein Zeichen dafür, dass die Krankheit nicht alles beherrscht. Überhaupt war Eva Küppers in jener Zeit künstlerisch sehr produktiv.

Weil sie nach den Behandlungen ihre Finger nicht mehr richtig spüren konnte, begann sie mit Draht zu experimentieren und schuf verschiedene Plastiken. Als die Neusser Künstlerin Claudia Ehrentraut ihre Werke sah, stand für sie fest, dass diese nicht ungesehen bleiben sollten. Sie schlug ihr vor, sie in dem Raum „Hinter der goldenen Tür“ zu zeigen, den ihr Mann Axel Naß vor rund fünf Jahren neben seinem Atelier an der Eppinghovener Straße eröffnet hat. „Wir freuen uns, dass der Raum dadurch wieder belebt wird“, sagt Ehrentraut. Denn zuletzt öffnete die goldene Tür sich vor anderthalb Jahren, damals lud das Künstlerpaar mit den Töchtern Nina und Claudia zu einer Familienausstellung ein.

Die Vorbereitung für „Sahnehäubchen und Zweitfrisuren“ sei für Eva Küppers ein großer Ansporn gewesen. Es ist das erste Mal, dass sie sich als Tochter der Neusser Künstlerin Ursula Küppers, genannt Knöt, mit ihren Werken der Öffentlichkeit präsentiert. Denn in Neuss ist Küppers in erster Linie für ihre Musik bekannt – als Musiklehrerin und Gesangspädagogin sowie als Jazzsängerin im Duo Vogical, zu dem auch Beate Thiele-Hecker gehört. Mit der Schau möchte Eva Küppers auch ein Tabu aufbrechen und anderen, die von einer Krankheit betroffen sind, Mut machen.

Dabei bringt sie ihren ganz eigenen, intelligent-humorvollen Blick mit. Da sie so viele Werke erarbeitet hat, sei die Wahl, welche von ihnen gezeigt werden, nicht leicht gefallen. „Wir haben uns schließlich für die Objekte entschieden, die eine Geschichte erzählen“, sagt Claudia Ehrentraut. Und da gehört der Irokese genauso dazu wie andere Zweitfrisuren, die Küppers geschaffen hat. „Der letzte Dinosaurier“ hat sie eine gezackte Kopfbedeckung genannt, eine andere „Goldlöckchen“. Als Beatles-Fan darf auch ein Pilzkopf nicht fehlen. Der hat aber nichts mit dem markanten Haarschnitt der Band zu tun – sondern besteht aus mehreren kleinen Fliegenpilzen.

Gleich neben den Frisuren verdeckt ein goldener Vorhang, analog zur goldenen Türe, ein weiteres Objekt. Dahinter befindet sich ein Kompressions-BH, wie ihn die Patientinnen nach der Therapie tragen müssen. Küppers habe sich bewusst für diese Form der Präsentation entschieden, weil sie verdeutlicht, wie generell mit Menschen, die eine Erkrankung haben, umgegangen wird. Einerseits gäbe es ein großes Tabu, darüber zu sprechen, andererseits sei auch eine gewisse Neugierde da, hinter den „Vorhang“ zu blicken.

Beeindruckend sind auch die Drahtarbeiten, die Küppers geschaffen hat und die einen großen Schwerpunkt der Ausstellung ausmachen. Große Ameisen lässt Küppers aus einem Lüftungsschacht krabbeln, daneben schweben Drahtgebilde, die Wirbelsäulen und Lymphbahnen darstellen sollen, im Raum. „Es ist eine beeindruckende und intime Ausstellung“, sagt Claudia Ehrentraut.