Nach vier Wochen Pause starte die Formel 1 in Miami den vierten Grand Prix der Saison, der WM-Führende Kimi Antonelli ist guter Dinge.
Die Reise nach Miami trat der jüngste Formel-1-Spitzenreiter mit der ganzen Familie an: Mama, Papa und die Schwester kamen mit. Gemeinsame Fotos wie aus einem Urlaubs-Flieger inklusive. „Alle zusammen“, schrieb Vater Marco Antonelli dazu, versehen mit drei roten Herzen. So sind sie, die Antonellis, die diese Rennserie im Sturm erobern. Als Mama Veronica im TV den mittlerweile schon weltberühmten Sohn Kimi Antonelli nach dessen ersten Rennsieg weinen sah, kamen auch ihr die Tränen. Schwester Maggie begleitet den italienischen Mercedes-Piloten, der im vergangenen Jahr in Florida zur Sprint-Pole raste, ohnehin immer wieder mal im Fahrerlager. Und Vater Marco, selbst einst Rennfahrer sowie Rennstallbesitzer, ist die Vertrauensperson, der Ratgeber schlechthin, und wie der Filius mit einem Grinsen betont: „Jemand, der mich bei jeder Gelegenheit auf dem Boden hält.“
So ein bisschen erinnert Kimi Antonelli auch an Sebastian Vettel. Es ist diese Unbekümmertheit, das Lausbubenhafte. So wie Vettel, als dieser 2007 seine ersten Schritte in der Formel 1 machte, wirkt auch Antonelli manchmal wie ein Schüler, der bei einem Preisausschreiben einen Tag im Fahrerlager gewonnen hat. Aber das haben beide gemeinsam: Hinterm Steuer sind sie eiskalt, Antonelli für sein junges Alter gnadenlos die Grenzen auslotend.
Toto Wolff und Kimi Antonelli nach dem Sieg in China. Reuters / Jakub Porzycki
„Ich fahre, um zu gewinnen. Ich will Rennen gewinnen und Meisterschaften. Das ist mein Ziel“, sagt Antonelli. Als jüngster Polesetter hat der Teenager aus Bologna den ehemaligen Serienweltmeister aus Deutschland längst abgelöst. Vor der Wiederaufnahme des Rennbetriebs nach der wochenlangen Zwangspause durch den Iran-Krieg und der Absage der Grand Prix in Bahrain und Saudi-Arabien führt Antonelli die WM-Wertung an. Mit 19 Jahren. Jünger war keiner in mittlerweile über 75 Jahren Formel 1. Kein Wunder, dass Italien schwärmt und träumt. „Kimi Antonelli und der Club der acht Legenden: von Senna bis Schumacher – Das frühreife Talent der Auserwählten“, titelte jüngst erst der „Corriere della Sera“: „Ascari, Vettel, Verstappen und viele mehr: Kimi scheint genau aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein – dem der Spitzenfahrer.“
Vor Antonelli hatte die Formel 1 zwei Siege eines italienischen Piloten nacheinander durch Alberto Ascari erlebt. Lange her! Es war 1953, als Ascari auf seinem Weg zum zweiten WM-Titel war. Mit seinem Sieg zuletzt in Japan hatte Antonelli die Führung von seinem britischen Mercedes-Teamkollegen George Russell erobert. Bis dahin war Lewis Hamilton, dessen Cockpit Antonelli bei den Silberpfeilen bekommen hatte, der jüngste WM-Spitzenreiter gewesen. 2007 hatte der mittlerweile 41 Jahre alte Ferrari-Pilot den Rekord im Alter von 22 Jahren und 126 Tagen aufgestellt.
„Natürlich will in Italien jeder über die Weltmeisterschaften sprechen, und es kommen Vergleiche mit Senna auf, was ich nicht gerne lese“, betont der Wiener Toto Wolff. Der Mercedes-Teamchef, 54, schenkte Antonelli damals das Vertrauen und gab ihm das Cockpit von Hamilton. Eine Bürde, die allein schon schwer genug wog.
Toto Wolff mag den Miami-GP. GEPA pictures / Xpb Images/ Charniaux
Antonelli durchlief die Kaderschmiede der Silberpfeile. 2018 ging es los, er war gerade mal 12 Jahre alt. Zur Ausbildung gehört ein Rundumpaket, darunter auch Ernährung, körperliches und mentales Training. Alles in Absprache auch mit den Eltern. Dann kam 2024 dieser ominöse Video-Anruf: Der Chef war dran, Antonelli bei seiner Familie. „Es geht um dich, Kimi“, sagte Wolff: „Du bist Mercedes-Formel-1-Fahrer im kommenden Jahr. Du fährst gegen die besten Fahrer der Welt.“
Allerdings ist Wolff der, der genau weiß, wie er mit dem jungen Italiener umgehen muss. Als Antonelli, beim Auftakt in Melbourne einen Crash verursachte, nahm er ihn geradezu väterlich in den Arm. „Ich war so zuversichtlich“, gluckste der Fahrer. Und Wolff antwortete: „Bewahre dir diese Zuversicht.“ Jetzt ist er WM-Leader und für den GP von Miami (Sonntag, 22 Uhr, live ORF1) der Favorit. FIN
Lesen Sie mehr zu diesen Themen: