Folge der Sparpolitik

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Mit dem FC Sevilla verbinden die meisten Fans europäische Nächte und Titel in der Europa League – doch dem Traditionsverein aus Andalusien droht der Abstieg in die zweite spanische Liga. Finanzielle Probleme, der Verkauf von Leistungsträgern und Inkonstanz auf der Trainerposition sorgten für einen stetigen Niedergangs Sevillas. Ein Blick auf das Restprogramm dürften die Sorgen wachsen lassen.
In der vergangenen Woche verschärften sich die Abstiegssorgen des FC Sevilla. Auf ein 0:2 beim Vorletzten UD Levante folgte ein 1:2 bei CA Osasuna – damit belegt der Klub Platz 18 in LaLiga. Zwar ist der RCD Mallorca auf Rang 17 nur einen Punkt entfernt, doch das Restprogramm hat es in sich. In den fünf noch anstehenden Partien geht es gegen Pokalsieger Real Sociedad (8.), Espanyol Barcelona (13.), FC Villarreal (3.), Real Madrid (2.) und Celta Vigo (6.). Mit einer Durchschnittsplatzierung von 6,4 das auf dem Papier härteste in LaLiga. Die Konkurrenz FC Girona (10,8), Deportivo Alavés (11,2), Mallorca (12,8) und Levante (8,0) hat es deutlich einfacher. Von den letzten acht Partien gewann Sevilla nur eine – gegen Atlético Madrid gab es vor heimischem Publikum ein 2:1.
„Der Klub befindet sich in großer Abstiegsgefahr. Entscheidend werden die drei Heimspiele im Saisonendspurt“, sagt Iván Fuente, Area Manager Spanien bei Transfermarkt. Zuletzt abgestiegen ist Sevilla im Jahr 2000, schaffte jedoch den direkten Wiederaufstieg. Zwischen 2003/04 und 2021/22 landeten die Rojiblancos immer auf einem einstelligen Tabellenplatz und waren Dauergast im europäischen Wettbewerb. Mit zwei Titel im UEFA-Cup und fünf in der Europa League ist man Rekordsieger des Wettbewerbs, den letzten Erfolg feierte man 2023. Seitdem ging es stetig bergab, schon in der vergangenen Saison entkam der Klub dem Abstieg mit Platz 17 nur knapp.
Sevillas Probleme: Schwache Transferpolitik & der Trainerposten
Eines der größten Probleme Sevillas ist laut Fuente die Transferpolitik. „Seit mehreren Spielzeiten wird die Mannschaft immer schwächer. Die besten Spieler haben den Verein verlassen, und es ist dem Verein nicht gelungen, gleichwertigen Ersatz zu verpflichten. Zudem sind die Ausgaben für Transfers in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen“, erklärt er. „Seit mehreren Spielzeiten hat der Verein mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, sowohl bei der Verpflichtung von Spielern als auch bei der Einhaltung der Financial-Fair-Play-Regeln der LaLiga.“
Vor wenigen Jahren war der Klub in der Lage, hohe Ablösen für Spieler zu zahlen. Dies gipfelte in der Saison 2019/20, als Neuzugänge für 189 Mio. Euro wie Jules Koundé (35 Mio., Bordeaux) und Rony Lopes (25 Mio., Monaco) nach Sevilla kamen. Nach der Covid-Pandemie war der Verein zum Sparen gezwungen, verringerte seine Ausgaben sukzessive und setzte auf Verkäufe. Für die acht Neuzugänge in dieser Saison wurden nur 250.000 Euro gezahlt, die meisten von ihnen wie Alexis Sánchez oder César Azpilicueta wurden ablösefrei verpflichte, Odysseas Vlachodimos oder Neal Maupay kamen per Leihe. Dem gegenüber stehen 54,8 Mio. Euro an Einnahmen für die Abgänge von Leistungsträgern wie Loïc Badé (25 Mio., Leverkusen) oder Dodi Lukébakio (20 Mio., Benfica). Nur das Transferplus von Real Sociedad war noch höher.
Diese Sparpolitik macht sich auch beim Kaderwert bemerkbar. In den letzten fünf Spielzeiten fiel dieser von 366 Mio. auf 140 Mio. Euro. Die Liga-Platzierungen seitdem: 4., 11., 13., 17. und jetzt Rang 18. Diese Inkonstanz zeigt sich auch auf dem Trainerposten. Der letzte Übungsleiter, der mehr als 300 Tage im Amt war, war Julen Lopetegui zwischen 2019 und 2022. In die Saison war Sevilla mit Matías Almeyda gestartet, der seinen Posten nach 32 Spielen mit 1,16 Punkten im Schnitt Ende März niederlegen musste. Unter seinem Nachfolger Luis García wird es nicht wirklich besser: In vier Partien holte er drei Zähler. Seit Lopeteguis Entlassung im Oktober 2022 hatte Sevilla acht Trainer.
FC Sevilla: Letzte Hoffnung ein Verkauf?
Damit der FC Sevilla wieder an die glorreichen Zeiten anknüpfen kann, soll der Klub verkauft werden. Eine Gruppe um Ex-Profi Sergio Ramos, der in der Jugend ausgebildet wurde und 87 Partien für die Profis bestritt, soll kurz vor einem Erwerb der Andalusier stehen. Für Fuente ist die Zukunft Sevillas dennoch besorgniserregend: „Auch wenn der Verkauf des Vereins im Falle eines Abstiegs nicht in Gefahr zu sein scheint, würde sich Sevilla in einer sehr besorgniserregenden Lage wiederfinden. Finanziell würde die Abstiegshilfe der LaLiga einen Teil des Problems abfedern, doch es käme zu einem erheblichen Rückgang der Einnahmen, insbesondere aus den TV-Rechten. Der Kader müsste neu aufgebaut und an die untere Spielklasse angepasst werden, wobei der zusätzliche Druck bestünde, so schnell wie möglich in die höchste Spielklasse zurückzukehren.“