Wie im Vorjahr mit dem WAC und TSV Hartberg hätten wohl auch am 1. Mai 2026 vor der Saison wohl selbst kühnste Optimisten nicht mit einem ÖFB-Cup-Finale zwischen dem SCR Altach und dem LASK gerechnet. Zumal nach dem inferioren BL-Start der Linzer. Doch als die ersten Blätter fielen, kam Didi, hauchte Kühbauer in seiner zweiten Amtszeit den Athletikern neues Leben ein. Um nun auch für ihn persönlich zum zweiten Mal in Folge den Cup gewinnen zu wollen. Der Bundesliga-Spitzenreiter ging als klarer Favorit in das Duell mit Außenseiter Altach, doch brauchte die Verlängerung, um am Ende mit 4:2 (2:2, 1:2) zu jubeln. 

LASK zum siebenten Mal im ÖFB-Cup-Finale, Premiere für SCR Altach

Es war der 24. Juni 1965. Als erster Nicht-Wiener Klub gewann der LASK vor 7.000 Zuschauern im Stadion Wiener Neustadt gegen den 1. Wiener Neustädter SC den ÖFB-Cup. Mit 1:0. Das „Goldene Tor“ fiel in der 89. Minute durch den damals 30-jährigen Portugiesen (geboren in Brasilien) Chico, der nur 58 Jahre wurde. 

Während der SCR Altach, der im Viertel- bzw. Halbfinale den amtierenden Meister SK Sturm Graz und den ehemaligen Cup-Seriensieger FC Red Bull Salzburg bezwang, heute erstmals im österreichischen Cup-Finale stand, war es für die Linzer Athletiker bereits das siebente Mal (nach 1963, 1965, 1967, 1970, 1999 und 2021). Ein Triumph und fünf Niederlagen gab es, 1967 auf dramatische Art. Im damals noch in zwei Spiele ausgetragenen Finale gab es gegen die Wiener Austria ein 1:0 und 0:1, ehe zum ersten und einzigen Mal das Los entschied. Zugunsten der Violetten.

Die Toptorjäger beider Teams gleich präsent und treffsicher

Heute in Klagenfurt war es kein Lotteriespiel, wollte der LASK von Beginn an seiner Favoritenrolle gerecht werden und schaltete sogleich in den Offensivmodus. Jørgensen mit der Schusschance von halbrechts im 16-er, doch SCRA-Schlussmann Stojanovic auf dem Posten und im kurzen Eck, auch beim Nachschuss des Dänen (2.). Doch dann die prompte Altacher Antwort. Eine Einwurfschleuder von Ouedraogo von links bekamen die Linzer nicht geklärt, der Ball landete bei Patrick Greil, der bei seinem Comeback nicht lang fackelte und mit dem ersten Torschuss der Rheindörfler an zwei Linzern vorbei vollendete zur vielumjubelten Führung vor dem SCRA-Fansektor (5.).

Der BL-Spitzenreiter schüttelte sich und lieferte schnell die Antwort zum Ausgleich. Maßflanke von links durch Kapitän Sascha Horvath auf den Toptorjäger der Linzer, Moses Usor, der per Direktabnahme volley mit links in die Maschen traf – 1:1 ((11.), alles auf Anfang. Muntere Anfangsviertelstunde. Jetzt war wieder Patrick Greil dran, dessen Flachschuss knapp an der linken Stange vorbei ging (14.). Der Außenseiter versteckte sich hier keineswegs und war auf Augenhöhe.

Aberkannter Athletiker Treffer, erneute SCRA-Führung durch Demakus Traumtor

Apropos Höhe. Nach einer Luftaktion jubelte wieder das Kühbauer-Kollektiv und schien die Partie gedreht zu haben. Bello brachte mit höchstem Einsatz links an der Grundlinie den Ball noch an die zweite Stange auf Kalajdžić und Cissé, der per Kopfball Adeniran bediente, der ebenfalls per Kopfball vollendete (21.). Vor dem LASK-Fansektor, doch dann jubelten die Altacher hinter dem anderen Tor, weil sich der VAR einschaltete und eine Abseitsstellung vom Vorlagengeber ahndete. 

Und dann schon wieder Jubel der Altacher Anhänger. Nach einer Rechtsflanke bekamen die Oberösterreicher keinen Zugriff, Patrick Greil legte ab für Vesel Demaku und der traf mit einem Traumtor aus 16 Metern in die Maschen zur erneuten Führung für den Underdog aus dem Ländle (30.). Effizienz pur bei der Zarić-Elf, die sichtlich beflügelt vom 2:1 dem Favoriten große Gegenwehr bot.

Patrick Greil drehte in seinem ehemaligen „Wohnzimmer Wörthersee Stadion“ auf

Und Vesel Demaku? Der hatte in 23 Saison-Pflichtpartien keinen Treffer erzielt und dann sowas! Marke „Tor des Monats“. Kapitän Lukas Jäger und Co. pushten sich nach jeder gelungenen Abwehraktion, warfen sich in jeden Ball, traten kompakt auf und wirkten auch nach vorne kombinationssicher.

Ständiger Gefahrenhers Greil! In seinem ehemaligen „Wohnzimmer Wörthersee-Stadion“ stürmte der 29-jährige Salzburger über links in den 16-er, gegen zwei Gegner, Drehschuss. Keeper Jungwirth parierte den verdeckten Flachschuss mit Mühe (45.). Durchaus verdiente 2:1-Pausenführung für den SCRA.

Nach dem Seitenwechsel war es – wie zu Spielbeginn – wieder Jørgensen, der die erste Schusschance hatte und in Dejan Stojanović seinen Meister fand. Der 32-Jährige ließ den Ball allerdings nach vorne prallen, sodass Saša Kalajdžić die Top-Nachschussmöglichkeit hatte, doch direkt auf den SCRA-Schlussmann zielte (48.). 

Erneuter Athletiker-Ausgleich: Adeniran artistisch und cool

Doch dann war auch Stojanvoic machtlos. Nach einem weiten Abschlag von Lukas Jungwirth verlängerte Saša Kalajdžić mit dem Fuß hinter die Altacher Abwehrkette auf Sturmpartner Samuel Adeniran, der ebenso artistisch wie cool zum 2:2-Ausgleich traf (66.). Die heiße Schlussphase war eröffnet. Vier Tore… „give me five“ dachte sich wohl Kasper Jørgensen, der seinen fünften Schussball im Match abgabe, doch wieder das Visier nicht optimal eingestellt hatte – knapp vorbei (71.).

Auch wenn der LASK gesamt bis dato mehr Abschlüsse hatte, sorgten die Vorarlberger immer wieder für Gefahr bei ihren schnellen Umschaltmomenten und besonders den Standards. Wie nach dem Cornerball von Greil, als Jungwirth beim Kopfball von Jäger sein ganzes Können aufzubieten hatte (78.). Es war ein Abnützungskampf, voller Spannung udn Dramatik in der Schlussviertelstunde.

Zweites aberkanntes Kopfballtor von Adeniran nach VAR-Check / Verlängerung

Ein echter Fight! Der Ländle-Klub glaubte an den Cup-Coup, der LASK an den schoft oft in dieser Saison praktizierten Lucky-Punch. Adeniran allein vor Stojanović – vorbei (87.). Dann wirbelte Horvath über halblinks, doch auch sein Drehschuss flog am rechten Kreuzeck vorbei (89.). Dann Daněks Schuss – auch vorbei (90.+2).

Dann war der Ball im Netz, zum dritten Mal in diesem Spiel durch Adeniran, doch auch bei seinem zweiten vermeintlichen Kopfballtor verhindete eine Abseitsstellung den Treffer (90.+5) nach VAR-Check. Durchatmen bei Altach, Luft holen für beide und die 22.000 Zuschauer für die Verlängerung.

Doppelschlag in Verlängerung brachte Entscheidung

In der nach zwei Minuten wieder Adeniran vor Stojanovic auftauchte, doch der SCRA-Goalie parierte prächtig. Die Linzer kamen, und bei den Vorarlbergern die Krämpfe. Erst bei Greil, der das Feld verließ, dann bei Massambo. Während die Athletiker nun ihre Physis und vor allem individuelle Klasse in die Waagschale warfen. 

Jørgensen Zentimeter vor der rechten Grundlinie mit der Maßflanke auf George Bello, der an der zweiten Stange völlig blank volley vollendete zum 3:2 für das Kühbauer-Kollektiv (101.). Das nachlegte, nach Traumpass von Kalajdžić steuerte Adeniran mit „viel Wiese“ auf Stojanovic zu und traf souverän zum 4:2 (103.).

Doppelschlag und Doppelpack für den US-Amerikaner. Vor dem LASK-Fansektor, wo nun Ekstase pur herrschte, auch in der Coachingzone um Cheftrainer Dietmar Kühbauer, der zum zweiten Mal in Folge den ÖFB-Cup gewinnt. Diesmal mit dem LASK, dem somit nach 61 Jahren wieder im Bewerb der Titelgewinn gelingt.

UNIQA-ÖFB-Cup-Finale

Freitag, 1. Mai 2026, 16 Uhr, Wörthersee Stadion in Klagenfurt, Z: 22.000; SR: Julian Weinberger/Wien

SCR Altach vs. LASK 2:4 n.V. (2:2, 2:1)

SCR Altach (3-4-3): Stojanović; Milojevic, Zech, L. Jäger (K); S. Ingolitsch, Demaku (115., L. Gugganig), Bähre, Ouédraogo; Massombo (85. Gorgon), Hrstić (76. Diawara), Greil (95., Mustapha). Trainer: Ognjen Zarić.

LASK (3-4-1-2): Jungwirth; Cissé, Tornich (91. Mbuyamba), Andrade; Jørgensen (113. Flecker), Bogarde, Horvath (K, 113. C. Lang), Bello; Kalajdžić; Usor (83. Daněk), Adeniran (113. Coulibaly). Trainer: Dietmar Kühbauer. 

Torfolge: 1:0 Greil (5., Einwurf Ouédraogo), 1:1 Usor (11., Horvath), 2:1 Demaku (30., Greil), 2:2 Adeniran (66., Kalajdžić), 2:3 Bello (101., Jørgensen). 2:4 Adeniran (103., Kalajdžić).

Gelbe Karten: Hrstić (75., Foulspiel), L. Jäger (108., SR-Kritik) / Tornich (62., Foulspiel), Bogarde (70., Foulspiel).

Rote Karte: Mustapha (108.)

SPIELFILM im Ligaportal-LIVETICKER

Fotocredit: lb-photo.com / Luka Kolanovic und Daniel Fauland