Julia sitzt heute im Rollstuhl, kann nicht sprechen, verständigt sich mit einem Talker, einem kleinen Computer. „Ein Traum von New York“ heißt der Film. Dahinter vermutet man das flirrende Leben in der Stadt, die niemals schläft, von den Theatern am Broadway, den Leuchtreklamen am Times Square sowie der imposanten und unvergleichlichen Skyline.
Der Traum, den Schnürle in seinem Film thematisiert, beginnt mit einem Albtraum. Es ist der 12. Juni 2016. Julia Schnürle wird kurz vor ihrem 16. Geburtstag in Malcesine am Gardasee an einem Zebrastreifen von einem Auto überfahren. Es folgen Klinikaufenthalte von rund zwei Jahren. Zuerst in einem Krankenhaus im italienischen Trient, dann in der Universitätsklinik Tübingen, der Kinderklinik Schömberg, schließlich folgt die Reha in Gailingen.
In Lebensgefahr
Lange war unklar, ob Julia den Unfall überleben wird. „Als ich sie nach den ersten Besuchen das Krankenhaus verlassen habe, wusste ich nicht, ob ich sie lebend wiedersehen werde“, sagt Armin Schnürle. Eine Woche lag sie auf der Intensivstation in Trient im Koma. Danach begann ein extrem langer Weg.
Julia und Armin Schnürle in der New Yorker U-Bahn Foto: Schnürle
„Wir haben jeden Strohhalm ergriffen“, sagt Armin Schnürle bei der Präsentation des Films. Und dazu gehört „Ein Traum von New York“. Als noch gar nicht daran zu denken war, dass Julia mal wieder verreisen könnte, malte ihr Vater ein paar Skizzen von New York und hing sie 2019 über ihr Bett in der Kinderklinik. „In zwei Jahren fahren wir dort hin“, sagte er. Nun hat es ein paar Jahre länger gedauert, 2025 wurde dann die Reise tatsächlich Realität, erfüllt ein altes Versprechen. Schon vor Julias Unfall hatte Armin Schnürle ihr und ihrem Bruder versprochen: Wenn ihr das Abi habt, fliegen wir zusammen nach New York.
Einst unbeschwertes Leben
Mit der Reise in die amerikanische Metropole endet der Film. Zuvor wird Julias Lebensweg gezeigt, denn natürlich hat der Filmemacher Armin Schnürle das Heranwachsen seiner Kinder mit der Kamera festgehalten. Zu sehen ist ein unbeschwertes Leben. Julia ist ein lebendiges, aktives und, wie ihr Vater sagt, ein empathisches und humorvolles Mädchen. Sie musiziert, reitet und tanzt. Zur Zeit des Unfalls besucht sie die 10. Klasse des Hermann- Hesse-Gymnasiums, ist eine Einser-Schülerin.
„Wir hatten schon immer den gleichen Humor, der durchaus nicht jedermanns Sache ist“, erzählt Vater Armin. Und den hat sich Julia bewahrt, beteiligt sich lebhaft und schlagfertig mit ihrem Talker am Gespräch.
Julia schreibt Tagebuch
Mit dem Film wollen Vater und Tochter zeigen, dass Julia ein erfülltes Leben führen und Spaß haben kann. Sie schreibt akribisch Tagebuch und geht, bei dem Papa kein Wunder, gerne ins Kino. Und schwärmt für den Musiker Shawn Mendes. Seit einem Jahr arbeitet sie in den Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten (GWW).
„Wir wollen nicht auf die Tränendrüse drücken, aber auch nichts schönreden“, so Armin Schnürle. Der Film hilft Julia zudem, sich an ihr früheres Leben zu erinnern, wie sie sagt. Die Bilder betrachtet sie mit großer Neugier.
Auch wenn das Lachen in ihr Leben zurückgekehrt ist, geht es nicht ohne Tränen. „Als ich dein Tagebuch gelesen habe, habe ich Rotz und Wasser geheult“, sagt Julia zu ihrem Vater. Und als die Filmsequenzen laufen, die Julia auf der Intensivstation zeigen, schießen Armin Schnürle die Tränen in die Augen.
Filmpremiere
Der Film „Ein Traum von New York“
hat am Dienstag, 19. Mai, 19.30 Uhr, im Kurtheater Schömberg Premiere. Für die Vorstellung wird es nur wenige Karten im freien Verkauf geben. Ob der Film darüber hinaus zu sehen sein wird, soll Julia entscheiden. „Es ist dein Film“, sagt ihr Vater.