Wenn Führungskräfte eines Unternehmens eigene Aktien kaufen, kann das ein wichtiges Marktsignal sein. Wir haben fünf europäische Aktien herausgefiltert, wo dies soeben der Fall war. Drei davon sind an der Wiener Börse notiert.
Nur wenige Tage nach dem Zwischenbericht zum ersten Quartal haben zwei zentrale Führungspersonen bei Nokia ( ISIN: FI0009000681) Aktienpakete im sechs- bis siebenstelligen Euro-Bereich erworben. Justin Hotard (Präsident & CEO) kaufte am 28. April 84.404 Aktien an der Nasdaq Helsinki bei einem Durchschnittspreis von 9,15 Euro, was einer Investition von rund 772.000 Euro entspricht. Dieser Kauf wurde im Rahmen eines Co-Investment-Programms getätigt, was eine langfristige Bindung des CEO an die Kursentwicklung signalisiert. Aufsichtsrat Timo Ihamuotila erwarb insgesamt 50.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 9,10 Euro (Gesamtwert ca. 455.000 Euro).
Die Aktie, die sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt hat, kostet aktuell 10,57 Euro. Die Analysten sind gegenüber dem Papier ziemlich uneins. Von den 30 bei der Nachrichtenagentur Bloomberg gelisteten Experten raten 14 zum Kauf, acht zum Halten und acht zum Verkauf der Aktie. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 9,38 Euro, was einem Abwärtspotenzial von 11,6 Prozent entspricht.
Beim deutschen Motorenbauer Deutz (ISIN: DE0006305006) hat Aufsichtsrat Helmut Ernst zugegriffen. Die Summe ist nicht unbedingt hoch, aber 42.000 Euro waren es doch, die er zum Stückpreis von 10,49 Euro investierte.
Die Aktie kostet nun 9,93 Euro. Just diesen Mittwoch hat die Privatbank Berenberg das Kursziel für Deutz von 11 auf 11,50 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Eine Roadshow auf skandinavischem Boden habe das Vertrauen in den Wandel beim Motorenbauer gestärkt, schrieb Lasse Stueben. Dieser Wandel sei geprägt von Kostensenkungen im Kerngeschäft und verstärkter Präsenz in Produktbereichen wie etwa Stromaggregaten und dem Verteidigungssektor. Die Aktien blieben attraktiv bewertet.
Das sehen eigentlich alle sechs bei Bloomberg gelisteten Analysten so. Alle raten zum Kauf, ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 11,82 Euro, was ein Aufwärtspotenzial von 18,6 Prozent bedeutet.
Groß eingekauft wurde am 29. April ein weiteres Mal bei der BAWAG (ISIN: AT0000BAWAG2). Bankchef Anas Abuzaakouk kaufte 8.089 Stück zu 147,50 Euro, was einer Gesamtinvestitionssumme von 1,19 Millionen Euro entspricht. Eine Woche zuvor hatte er bereits für 750.000 Euro eingekauft, Stückpreis war damals 150,90 Euro.
Die Aktie, die sich auf Ein-Jahres-Sicht verdoppelt hat, kostet aktuell 145,70 Euro. Von den zwölf Analysten, die bei Bloomberg gelistet sind, raten zehn zum Kauf und zwei zum Halten der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 174,84 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 20 Prozent entspricht. Die Deutsche Bank hat diesen Mittwoch das Kursziel für die Aktie von 151,0 auf 175,0 Euro nach oben gesetzt und die Kaufempfehlung bekräftigt – und zwar gestützt durch das erhebliche Wertsteigerungspotenzial, das sich aus der jüngsten Ankündigung einer Transaktion ergibt.
Die BAWAG will bekanntlich für 1,62 Mrd. die irische Bank PTSB übernehmen. Die Deutsche Bank-Experten gehen derzeit davon aus, dass die geplante Übernahme das Ergebnis der BAWAG bereits im Jahr 2027 um 14 Prozent steigern wird, wobei dieser Anstieg im Jahr 2028 auf 23 Prozent anwachsen dürfte.
Laut BAWAG soll die Übernahme sich vom ersten Tag an rechnen und bis 2028 einen zusätzlichen Nettogewinn von mehr als 250 Millionen Euro abwerfen sowie nach drei Jahren zu einem Plus beim Gewinn je Aktie von über 20 Prozent führen.
Die BAWAG hatte am 21. April die Zahlen für das erste Quartal gelegt und eine Gewinnsteigerung um 16 Prozent auf 232 Millionen Euro vermeldet. Zur Finanzierung ihrer milliardenschweren Expansion in Irland wird die Dividende für das erste Halbjahr gestrichen. Das Ausschüttungspotenzial für das laufende Jahr wird auf den Gewinn des zweiten Halbjahres von voraussichtlich etwa 500 Millionen Euro beschränkt.
Bemerkenswerte Insiderkäufe gab es auch beim Wasserkraftunternehmen Verbund (ISIN: AT0000746409). Am 28. April schlugen gleich vier Vorstände zu, darunter Vorstandsvorsitzender Michael Strugl mit knapp 134.000 Euro zum Stückpreis von 63 Euro. Die anderen drei investierten zusammengerechnet etwa 245.000 Euro ins eigene Unternehmen.
Die Aktie kostet nun 64,15 Euro. Just einen Tag nach den Insiderkäufen bestätigte die Deutsche Bank ihre Verkaufsempfehlung „Sell“ für die Aktie und bestätigte das Kursziel von 55,0 Euro, was 14 Prozent Abwärtspotenzial bedeuten würde. Analyst Olly Jeffery erwartet, dass die Ergebnisse des Wasserkraftunternehmens durch eine niedrige Wassermenge beeinflusst werden. „Im ersten Quartal lag der Wasserkraftkoeffizient bei 0,78. Obwohl die Strompreise hoch waren, konnte Verbund aufgrund des niedrigen Koeffizienten nicht davon profitieren. Wir erwarten, dass Verbund im ersten Quartal rund 50 Mio. Euro für Stromrückkäufe aufwenden wird“, heißt es in dem Bericht. Beim Geschäftsbereich Netz wird davon ausgegangen, dass die Jahresprognose erfüllt wird.
Die Aktie, zwischen 2016 und 2022 ein Highflyer, lässt seither zu wünschen übrig. Von den 15 bei Bloomberg gelisteten Analysten rät keiner zum Kauf, nur drei zum Halten, dafür zwölf zum Verkauf des Papiers. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 58,23 Euro.
Am 22. April wurde ein Vorstand des österreichischen Versicherungsunternehmens Uniqa (ISIN: AT0000821103), nämlich René Knapp, aktiv und kaufte 5.000 Uniqa-Aktien zum Preis von 15,88 Euro. Gesamtinvestitionssumme also knapp 80.000 Euro.
Die Aktie kostet nun 16,30 Euro. Von den fünf bei Bloomberg gelisteten Analysten raten drei zum Kauf und zwei zum Halten der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 17,47 Euro, was einem Auswärtspotenzial von 7,2 Prozent entspricht.
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