„Plant keinerlei Truppenabzug“
Pentagon wohl von Trump-Ankündigung überrascht
Aktualisiert am 01.05.2026 – 14:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Donald Trump: Die Drohung des Truppenabzugs aus Deutschland reiht sich in seine zunehmend anti-europäische Rhetorik ein. (Quelle: IMAGO/Alex Brandon)
Nach einer jüngsten Untersuchung des Pentagon ist eigentlich kein Truppenabzug aus Europa vorgesehen. Der Oberbefehlshaber Donald Trump hat offenbar nun andere Pläne.
Mit seiner Ankündigung, US-Truppen aus Deutschland abziehen zu wollen, hat US-Präsident Donald Trump wohl auch das Pentagon überrascht. Das berichtet „Politico“ unter Berufung auf mehrere Verteidigungsbeamte. Demnach war Trumps Beitrag bei Truth Social für sie die erste Information über einen solchen Vorstoß. Sie sollen eilig versucht haben, herauszufinden, ob der Präsident die Abzugsdrohung ernst meint.
Das Pentagon „hatte damit nicht gerechnet und plant keinerlei Truppenabzug“, sagte ein mit der Situation vertrauter Mitarbeiter des Kongresses. Erst kürzlich schloss das Pentagon eine mehrere Monate andauernde Überprüfung der weltweiten Truppenpräsenz ab. Das Ergebnis: Eine größere Truppenreduzierung in Europa ist nicht vorgesehen.
Pentagon-Sprecher Sean Parnell sagte „Politico“, das Verteidigungsministerium plane für jedes Szenario und sei vollumfänglich darauf vorbereitet, die Befehle des Oberbefehlshabers zum von ihm gewählten Zeitpunkt und Ort auszuführen.
Ein deutscher, mit dem Geschehen vertrauter Beamter erklärte „Politico“: „Trumps Politik der plumpen Drohungen hat ihre Grenzen erreicht.“ Seine Rhetorik sei unglaubwürdig geworden. „Ein Abzug der US-Truppen aus Deutschland würde die USA selbst schwer schwächen, und wir fragen uns, wann die Verantwortlichen in Washington wieder Verantwortung übernehmen werden.“
Nach Angaben des US-Militärs waren Ende 2025 gut 36.400 US-Soldaten in der Bundesrepublik stationiert. Damit ist Deutschland nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der USA. Die USA verfügen über mehrere Stützpunkte, viele davon im Südwesten und Süden. Zu den militärisch bedeutsamsten gehört die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz. Für die USA ist sie die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten.
Auch für Deutschland sind die US-Truppen wichtig. Gerade angesichts eines aggressiv auftretenden Russlands ist die Bundesrepublik auf Abschreckung durch die USA angewiesen – die Bundeswehr selbst hat dazu bislang nicht die nötigen Kapazitäten. Ein Abzug der US-Truppen würde eine Lücke reißen, die die Bundeswehr nicht füllen könnte.
Für die regionale Wirtschaft um die US-Stützpunkte in Bayern und Rheinland-Pfalz ist die Truppenpräsenz wichtig: Sie beschäftigt etwa 12.000 deutsche Zivilangestellte und ist für die oft eher strukturschwachen Regionen eine bedeutsame Einnahmequelle, da die US-Armee dort Waren und Dienstleistungen nachfragt.
