Nach der Insolvenz von Nacon traf es auch eines der bekanntesten Studios des Publishers: Spiders wurde dichtgemacht. Ehemalige Mitarbeiter*innen äußern nun deutliche Kritik und erheben schwere Vorwürfe.

Aus für ein etabliertes Rollenspiel-Studio

Die finanziellen Probleme von Nacon ziehen immer weitere Kreise. Nachdem der Publisher in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war und Insolvenz anmelden musste, wurde schnell klar, dass auch interne Studios betroffen sind.

Besonders hart trifft es nun Spiders, bekannt durch Titel wie The Technomancer und die GreedFall-Reihe. Zunächst versuchte man noch, einen Käufer für das Studio zu finden, um den Betrieb zu sichern. Nachdem diese Bemühungen scheiterten, bestätigte das Team schließlich offiziell die Schließung und verabschiedete sich von Partnern sowie der Community.

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Wirtschaftliche Gründe als Auslöser

In einer gemeinsamen Stellungnahme mit einer französischen Gewerkschaft nannten Mitarbeiter*innen die Hintergründe für das Ende des Studios. Demnach sei vor allem die fehlende Rentabilität ausschlaggebend gewesen.

Da sich kein Investor fand, der das Studio übernehmen wollte, blieb letztlich keine Alternative zur Schließung. Für viele kam diese Entwicklung dennoch überraschend – vor allem angesichts der bekannten Marken, die unter dem Dach von Spiders entstanden sind.

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Massive Kritik an der Unternehmensführung

Wie TheGamer berichtet, erheben die Entwickler*innen gleichzeitig schwere Vorwürfe gegen Nacon selbst. Seit der Übernahme im Jahr 2019 habe sich das Studio zunehmend in eine vollständige Abhängigkeit begeben.

„Das Studio erhielt keine Tantiemen für die von ihm entwickelten Spiele und alle seine Einnahmen sowie liquiden Mittel wurden de facto von der Gruppe beschlagnahmt.“

„Tatsächlich war Spiders nur noch eine leere Hülle. Seine Rolle war darauf reduziert, eine Abteilung innerhalb von Nacon zu sein, jedoch so organisiert, dass es nach dem Gutdünken der Nacon-Geschäftsführung ausgegliedert werden konnte.“

Laut den Aussagen habe diese Struktur langfristig erheblich zur aktuellen Situation beigetragen.

Boykottaufruf sorgt für Diskussionen

Besonders drastisch fällt der abschließende Appell der Entwickler*innen aus. Da sie finanziell nicht von den Verkäufen profitiert hätten und nun auch keine Beteiligung mehr erwarten können, fordern sie die Spieler*innen zu einem Boykott auf:

„Die Beschäftigten des Studios erhielten ohnehin nichts außer ihren Gehältern, die für viele von ihnen armselig waren.“

„Nun wird es für sie unmöglich sein, auch nur einen Cent aus den Verkäufen der Spiele des Studios zu erhalten.“

„Obwohl wir hoffen, dass unsere Spiele weiterhin genossen werden, möchten wir die Spieler bitten, Nacon kein Geld zu geben, da dies die Gruppe für ihre Taten belohnen würde.“

Die Aussagen dürften die Diskussion rund um Arbeitsbedingungen und Publisher-Strukturen in der Branche weiter anheizen.

Zuletzt veröffentlichte Spiders das Rollenspiel GreedFall 2: The Dying World für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC.

Wie steht ihr zu solchen Boykottaufrufen, würdet ihr aus Solidarität auf zukünftige Käufe verzichten?