Der SCR Altach betrieb beim ÖFB-Cup-Finale gegen den favorisierten LASK (2:4 nach Verlängerung) nicht nur Eigenwerbung durch eine starke Leistung auf dem Rasen und großartigen Support der Altacher Anhänger auf den Rängen, sondern auch nach dem Match-Marathon bei den Interviews. Wo sich trotz der großen Enttäuschung über den möglichen historischen Erfolg sowohl Kapitän Lukas Jäger und Traumtorschütze Vesel Demaku – siehe hier – als auch Unterschieds-Spieler Patrick Greil und der deutsche Mittelfeldmotor Mike Bähre den Fragen der Medien stellten und auch zum Exklusiv-Interview mit Ligaportal bereit waren.

Patrick Greil (l.) dreht jubelnd ab nach seinem frühen Führungstor. Der 29-jährige Salzburger war der „Spieler der ersten Halbzeit“ und bewies bei seinem Comeback, dass er ein wahrer Unterschiedsspieler beim SCR Altach ist. So lange die Kräfte reichten, blieb der frühere Klagenfurter auf dem Feld in seinem ehemaligen „Wohnzimmer“, ehe den Rechtsfuß beim Stand von 2:2 in der Verlängerung Krämpfe plagten und er das Feld verließ. Danach brachen beim Zaric-Team alle Dämme. Auffallend: Fünf der sechs Tore im Cup-Finale fielen vor dem jeweiligen Fan-Sektor beider Teams. Ausnahme: Adenirans Ausgleich zum 2:2.

„Zeitpunkt wird kommen, an dem wir sicher stolz auf die Cup-Saison sein können“

Patrick Greil (1:0-Torschütze des SCR Altach) über…

…wie es in seinem ehemaligen „Wohnzimmer“ war:

„Ja, es war schön – bereits gestern, als wir nach Klagenfurt und hier ins Stadion zum Abschlusstraining kamen. Natürlich hätte ich mir einen besseren Spielausgang gewünscht, keine Frage. Die Anfangsminuten waren sehr aufregend: mein Tor, doch dann haben wir leider etwas zu schnell den Ausgleich kassiert. Jetzt nach dem Spiel tut es richtig weh, dass wir den großen Triumph verpasst haben. Aber Glückwunsch an den LASK.“

…dass er nach zwei Wochen Verletzungspause so lange gespielt hat, wie die Kräfte hielten – bis in die Verlängerung hinein:

„Ich war schon überrascht, dass es 90 Minuten ging. Ich muss mich da in erster Linie bei unserem Physioteam und den Ärzten bedanken, die in den letzten beiden Wochen wirklich alles gegeben haben. Sie haben viel dafür getan, dass ich im konditionellen Bereich trotzdem arbeiten konnte.

Ich bin meinem Körper und unserer medizinischen Abteilung sehr dankbar, dass das heute geklappt hat.“

…die historische Saison mit Cup-Erfolgen gegen Sturm Graz und Red Bull Salzburg sowie dem starken Auftritt gegen den LASK im Finale – und wie groß dennoch die Enttäuschung ist, wenn man so nah dran war:

„Die ist riesig. Aktuell kann ich der Cup-Saison noch nichts abgewinnen. Ich habe so ein Finale schon einmal gespielt und auch verloren (Anm.: mit dem SK Rapid am 30. April 2023 gegen den SK Sturm Graz, 0:2).

Das ist am Anfang immer richtig schwierig zu verarbeiten, aber es kommt dann der Zeitpunkt, an dem man auf die positiven Dinge zurückschauen und alles einordnen kann. Und dieser Zeitpunkt wird kommen, an dem wir sicher stolz auf die Cup-Saison sein können.“

„Wir wollen aus der Saison schon das Maximum herausholen“

…dass die Chance auf „Europa“ weiter lebt und was man aus dem Cup-Finale für die restlichen Liga-Spiele mitnimmt:

„Es lebt allerdings auch die Chance, dass wir absteigen. Daher müssen wir schon Gas geben. Ich glaube aber, dass ich mir mental keine Sorgen mache. Wir müssen das Spiel abhaken – dafür sind wir eine motivierte Truppe.

Wir müssen bis Montag in einen guten körperlichen Zustand kommen und danach auch in den letzten zwei Runden alles rauslassen. Es ist in beide Richtungen alles möglich. Wir wollen aus der Saison schon das Maximum herausholen.“

„Wir hatten Phasen, in denen wir spielerisch die bessere Mannschaft waren und ihnen immer wieder wehgetan haben“

Mike-Steven Bähre (Mittelfeldmotor des SCR Altach) über…

…was man aus dem Cup-Finale mit in die restlichen Meisterschaftsspiele nimmt:

„Dass wir mit dem LASK auf Augenhöhe waren, können wir mitnehmen. Unmittelbar nach dem Spiel überwiegt gerade die Enttäuschung. Wir haben gegen den LASK gespielt, der nun neuer Cupsieger ist. Ich glaube auch, dass der LASK Meister werden wird. Wir waren auf Augenhöhe und hatten im Spiel Phasen, in denen wir spielerisch die bessere Mannschaft waren und ihnen immer wieder wehgetan haben.

Hinten standen wir richtig gut. Wenn wir in den nächsten Wochen auch in der Meisterschaft so auftreten, dann brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken. Wir müssen einfach unsere Leistung auf den Platz bringen. Das können wir mitnehmen. Die Enttäuschung ist natürlich gerade brutal. Doch ich denke, mit ein paar Tagen oder ein paar Wochen Abstand werden wir mit Stolz erkennen, was wir geleistet haben.“

„Wir haben aktiven Fußball gespielt“

…dass die Mannschaft auch mutig und spielstark nach vorne agiert hat und was die Marschroute war:

„Dass wir den LASK so früh wie möglich unter Druck setzen und den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen. Wir wissen, dass sie vorne zwei bullige Stürmer haben, und es gilt, sie möglichst weit aus dem Spiel zu nehmen. Dass das über 90 Minuten nicht möglich ist, war uns klar. Es hat auch ganz gut geklappt, dass wir sie lange nicht zum Zug kommen ließen.

Dass dann immer mal einer durchrutscht, ist normal. Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir aktiven Fußball gespielt haben. Wir waren mit und gegen den Ball sehr präsent. So haben wir es ihnen schwer gemacht. So ist dieses Spiel dann entstanden – letzten Endes leider ohne gutes Ende für uns.“

Dass das UNIQA-ÖFB-Cup-Finale am 1. Mai 2026 ein Fußballfest und eine packende Partie wurde, lag auch an der starken Leistung der Elf von Taktik-Fuchs Ognjen Zarić und dem Support der Fans aus Vorarlberg.

„Wir leben an der Grenze zur Schweiz, das ist alles gefühlt 740.000 Kilometer entfernt“

…den Vergleich zwischen ÖFB-Cup- und DFB-Pokal-Finale:

„Das DFB-Pokalfinale ist natürlich schon größer. Aber was hier heute auf die Beine gestellt wurde – auch von beiden Fanlagern – lässt sich nicht hoch genug anerkennen. Wenn man bedenkt, was unsere Fans auf sich genommen haben: Das ist nicht selbstverständlich.

Wir leben an der Grenze zur Schweiz, das ist alles gefühlt 740.000 Kilometer entfernt. Dass dann so viele Menschen hierher kommen, so eine Stimmung machen und eine Choreo auf die Beine stellen – das ist unfassbar. Darauf sind wir stolz. Auch darauf, dass sie uns nach dem Spiel und der Niederlage gute Worte entgegengebracht haben. Das macht einen dann schon stolz.“

…die Chancen auf „Europa“, allerdings auch die noch bestehende Abstiegsgefahr:

„Ja, im Liga-Alltag liegt das alles eng beieinander. Jetzt geht es erst einmal darum, gut zu regenerieren. Am Montag (Anm: gegen WAC, 18:30 Uhr im Ligaportal-LIVETICKER) haben wir dann wieder ein Spiel vor der Brust, in dem es um den Nicht-Abstieg geht. Der Klassenerhalt ist unser großes Ziel.

Wir wissen selbst, dass wir es in der eigenen Hand haben. Am Montag können wir den Nicht-Abstieg klarmachen. Alles, was folgt, darauf schauen wir danach. Jetzt sind erst einmal alle Augen auf Montag und den Klassenerhalt gerichtet. Alles Weitere ist Zugabe.“

Die Gespräche führte Ligaportal-Chefredakteur Herbert Pumann live vor Ort im Wörthersee-Stadion in Klagenfurt.

Siehe auch:

Bundesliga-Vorschau Runde 30: Samstag bis Montag mit jeweiligem Doppel

Baumis Bundesliga-Expertentipp für Runde 30: Torfestival bei LASK gegen SK Rapid

Ligaportal-Interview: LASK-Kapitän Sascha Horvath nach dem ÖFB-Cup-Gewinn

SCR Altach über „unglaublichen Fight“ im ÖFB-Cup-Finale vs. LASK

Nach 61 Jahren: LASK gewinnt ÖFB-Cup gegen starken SCR Altach

SPIELFILM im Ligaportal-LIVETICKER

Fotocredit: Chrstian und Daniel Fauland