Der April war trocken und heiß. Für Österreichs Wälder ist das eine toxische Mischung. Die Witterung ist nicht nur ideal für die Ausbreitung des Borkenkäfers. So hat im Kärntner Lesachtal mutmaßlich eine achtlos weggeworfene Zigarette ausgereicht, um in den vergangenen Tagen 110 Hektar Forst zu verbrennen. Es war nur einer von 75 dokumentierten Waldbränden im heurigen Jahr. Und das ist ein Problem.

Denn jeder Baum, der aus dem Wald verschwindet, schmälert seine Kraft, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden – und verstärkt den anhaltenden Druck auf die Forstwirte, doch weniger gesundes Holz zu ernten. Das fordern inzwischen längst nicht mehr nur Umweltschützer, auch die Industrie ist skeptisch und selbst im Finanzministerium beäugen Beamte den Trend mit Sorge.

Belastbare Daten über die tatsächliche Nutzung des Waldes liefert die jährliche Holzeinschlagsmeldung des Landwirtschaftsministeriums, die der „Presse am Sonntag“ vorliegt. Demnach fiel die Holzernte 2025 mit 19,56 Millionen Festmetern im Vorjahr etwas geringer aus als im Jahr zuvor. Hauptgrund dafür war der starke Rückgang an Schadholz. Mit 6,38 Millionen Festmetern mussten 2025 deutlich weniger Bäume aus dem Wald geholt werden, die von Borkenkäfer, Sturm oder Dürre geschädigt waren. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 betrug die Schadholzmenge noch 11,7 Millionen Festmeter. Im Gegenzug haben die Forstbetriebe 2025 den Anteil der Bäume, die aus rein wirtschaftlichen Gründen geerntet werden, ausgebaut. Der Großteil landete in der Sägeindustrie, ein gutes Viertel der geernteten Menge wurde in Hackschnitzelanlagen und Pelletöfen verbrannt.

Die intensive Nutzung der heimischen Wälder ruft inzwischen auch die Budgetverantwortlichen der Republik auf den Plan. Denn die Zeiten, in denen sich das Land darauf verlassen konnte, dass der Wald Jahr um Jahr mehr Treibhausgase bindet und Österreich damit hilft, seine EU-Klimaziele zu erreichen, sind vorbei. Das bestätigt auch die aktuelle Treibhausgasinventur 2026, die in Österreich zwar noch nicht offiziell präsentiert, aber vom Umweltbundesamt bereits an die EU geschickt wurde. Laut dem Dokument war der Wald nun auch in der letzten Berichtsperiode 2024 für zusätzliche Treibhausgasemissionen von rund 2,6 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Schon 2023 war das System in dieser Bilanz deutlich im Minus. Bis vor wenigen Jahren galt der Wald hingegen noch als eine stabile CO2-Senke, die Österreichs Klimabilanz im Schnitt um knapp fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr reduziert hat.

Die nunmehr verfestigte Trendumkehr könnte für das Land teuer werden. Denn laut EU-Vorgaben muss Österreich jedes Jahr zumindest 4,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid binden – oder entsprechende Ausgleichszahlungen leisten.

»Wo heute Fichten stehen, müssen morgen Eichen, Lärchen und Kiefern wachsen. «

Neben der intensiven kommerziellen Nutzung des Waldes sind es vor allem Klimaschäden, die für diese Entwicklung der jüngeren Vergangenheit verantwortlich waren. Ganz unschuldig ist die Branche daran aber nicht. Die besondere Anfälligkeit heimischer Wälder für bestimmte Klimafolgen liegt daran, dass die Forstwirte lange Zeit vor allem Fichten gepflanzt haben. Aus der damaligen Sicht war der schnell wachsende und genügsame „Brotbaum“ der Branche eine gute Wahl. Doch aufgrund seiner flachen Wurzeln kann er mit den immer intensiveren Phasen der Trockenheit nur schlecht umgehen und gilt als anfällig für den Borkenkäfer.

Darüber, dass sich der heimische Wald verändern muss, herrscht im Grunde Einigkeit. Heikel wird es bei der Frage, was genau passieren soll – und wer dafür bezahlen muss. Greenpeace fordert etwa mehr Schutzwälder, einen Stopp des Kahlschlags und ein Ende des Boykotts des Landwirtschaftsministeriums gegen die EU-Entwaldungsverordnung. Die Holzindustrie propagiert dagegen „eine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung, um die Bestände zu verjüngen und klimafit zu machen.“ Durch den starken Aufbau der Holzvorräte, der auch in der Waldinventur nachzulesen ist, seien Österreichs Wälder heute „vielfach überaltert, zu dicht und dadurch anfälliger für Klimaschäden wie Stürme, Trockenheit oder Borkenkäferbefall.“ Wo derzeit noch Fichten stehen, müssten morgen Ahorn, Eiche, Lärche und Kiefer wachsen. Aber wie viel müssen die Steuerzahler für diesen Umbau des Waldes hinlegen?

Das Landwirtschaftsministerium preist den Waldfonds als wichtigstes Vehikel für einen „vorausschauenden Waldumbau“, der die „Widerstandsfähigkeit gegenüber Schadereignissen“ langfristig erhöhe. Der Waldfonds wurde 2020 von der damaligen Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) ins Leben gerufen und mit 430 Millionen Euro bis 2027 dotiert. Ihr Nachfolger Norbert Totschnig (ÖVP) ringt im Budgetkampf gerade darum, den Fonds über 2027 hinaus zu verlängern. 91 Prozent der verfügbaren Fördermittel seien bereits durch Bewilligungen gebunden, heißt es auf Anfrage. Zum Teil lässt sich die positive Wirkung der eingesetzten Steuermittel gut nachvollziehen, etwa wenn 68 Millionen Euro für die Wiederaufforstung nach Schadereignissen oder 91 Millionen Euro für das Pflanzen neuer hitzeresistenter Baumarten ausgegeben werden.

Warum aber 68 Millionen an Steuergeldern in „Maßnahmen zur verstärkten Nutzung des Rohstoffes Holz“ investiert wurden oder Forstwirten 31,5 Millionen Euro für den Wertverlust durch den Borkenkäfer überwiesen wurden, sei angesichts der knappen Mittel im Bundesbudget schwer zu rechtfertigen, sagen Kritiker des Waldfonds hinter vorgehaltener Hand.

Auch der Rechnungshof bemängelte die Umsetzung des millionenschweren Förderinstruments vor einem guten Jahr als „intransparent“. Kritisiert wurden das hohe Budgetvolumen und das Fehlen einer nachvollziehbaren Bedarfsanalyse. Zudem sei unklar, wer die Empfänger von den Förderungen sind, so die staatlichen Prüfer damals. Ihr Fazit: „Überförderungen konnten nicht ausgeschlossen werden.“