Mit neuen Zöllen und US-Truppenabzug führt Donald Trump den Bundeskanzler vor und bestraft Deutschland. Was der US-Präsident als Strategie verkauft, ist mehr als eine persönliche Abrechnung. Es hat geopolitische Folgen.
Trumps Ausbrüche, flankiert von zahlreichen Äußerungen anderer Regierungsmitglieder wie seinem „Kriegsminister“ Pete Hegseth, mündeten schließlich in einer Drohung des Präsidenten nicht nur gegen Spanien und Italien, sondern vor allem wieder gegen Deutschland. Das langjährige Schreckgespenst des Truppenabzugs war plötzlich zurück. Man werde prüfen, ob man US-Soldaten aus Deutschland abziehen werde, so Trump. Und in Kürze entscheiden.
Trumps bekanntes Vorgehen gegen von ihm auserkorene Gegner ließ sich sichtbar nachvollziehen: Erst die persönlichen Attacken gegen Merz. Dann die Drohungen. Dann der wirtschaftliche Druck. 25 Prozent neue Strafzölle auf europäische Autos verkündete Trump am Freitag ebenfalls. Schon das war ein ganz konkreter Frontalangriff auf das industrielle Herz Deutschlands. Kurz darauf nun das sicherheitspolitische Druckmittel: US-Truppen raus aus Deutschland.
Die Lektion, die erteilt werden soll: Wer es wagt, Trump öffentlich so harsch wie Merz zu kritisieren, der wird vorgeführt. Der Kanzler hatte gesagt, die USA würden sich als „ganze Nation“ im Iran-Krieg „demütigen“ lassen. „Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie“, so Merz. Für Trump, der da gerade Besuch vom britischen König Charles III. hatte, ist so etwas Majestätsbeleidigung. Im Pentagon heißt es nicht ohne Grund: Die jüngste deutsche Rhetorik sei „unangemessen und nicht hilfreich“ gewesen.
Für Trumps Innen- und Außenpolitik gilt ein einfaches Prinzip: Loyalität oder Repressalien. Dass Deutschland sich nicht militärisch am Iran-Krieg beteiligt, reichte schon aus, um in seinen Fokus zu geraten. Dass Merz dann auch noch gegen ihn austeilte, brachte das Fass zum Überlaufen. Jetzt statuiert der US-Präsident sein Exempel am Kanzler. Trump mobbt Merz. Deutschland soll das Opfer sein.