Demnach sank Umkehr-Häufigkeit von vor 155 Millionen Jahren bis vor rund 120 Millionen Jahren stetig ab. Dann folgte eine 40 Millionen Jahre lange Phase fast ohne Umpolungen, das sogenannte Kreidezeit-Superchron. Seit rund 83 Millionen Jahren scheint die Häufigkeit von Polsprüngen dann wieder allmählich zuzunehmen. Doch neben solchen größeren Schwankungen konnten Geophysiker bisher kein klares Muster in diesen Umpolungen und Magnetfeld-Exkursionen erkennen. Sie scheinen statistisch zufällig.

Das Problem jedoch: Gerade kürzere Polsprünge sind schwer zu identifizieren, denn oft fehlen geologische „Zeitzeugen“ aus diesen Epochen. In der geomagnetischen Polaritäts-Zeitreihe könnten daher erhebliche Lücken klaffen.
geomagnetische ZeitreiheDie geomagnetische Zeitreihe zeigt einige bekannte Ruhephasen, wie in der Kreidezeit. Aber ob es darüber hinaus ein festes zeitliches Muster gibt, ist noch ungeklärt. © Anomie/ gemeinfrei

Vier verdächtige Senken in der Kurve

Ob das der Fall ist, haben nun Yutaka Yoshimura von der Universität Tokio und seine Kollegen mithilfe einer speziellen statistischen Methode untersucht, der sogenannten Adaptive-Bandwidth Kernel Density Estimation (AKDE). Diese kann auch in unregelmäßigen Datenreihen Muster in der Dichte-Verteilung identifizieren.
AKDE-KurveDie AKDE-Analyse zeigt mehrere Senken in der Häufigkeitsverteilung der Umpolungen. Die rote Kurve zeigt den Verlauf nach Einfügen der jüngst entdeckten Polwechsel vor rund 32 Millionen Jahren. © Yoshimura et al./ Geophysical Research Letters, CC-by 4.0

Tatsächlich wurde das Team fündig: Yoshimura und seine Kollegen entdeckten vier Zeitperioden, in denen die Kurve der Umpolungs-Häufigkeit auffallende Senken zeigt. Sie liegen alle in der Zeit nach Ende des Kreidezeit-Superchrons vor rund 83 Millionen Jahren. „Die vier Phasen liegen rund 21 bis 15,5 Millionen Jahre auseinander und umfassen Perioden ungewöhnlich langer, konstant gebliebener Polarität“, berichten die Forschenden.

Interessant auch: Kürzlich haben Geologen in Äthiopien Indizien für mehrere zuvor unerkannte Magnetfeld-Exkursionen vor rund 32 Millionen Jahren entdeckt. Diese Lima-Limo-Umkehrungen liegen genau in einer der vier von Yoshimura und seinem Team identifizierten Senken. Fügt man sie in die geomagnetische Polaritäts-Zeitreihe ein, glättet sich diese Senke.

Es gibt noch unentdeckte Umpolungen

Nach Ansicht der Geophysiker bestätigen ihre Ergebnisse den Verdacht: In der geomagnetischen Zeitreihe gibt es noch einige Lücken. Dort, wo die Umpolungen in den letzten 83 Millionen Jahren vermeintlich seltener wurden, fehlen vermutlich schlicht Daten. „Die Senken in unserer AKDE-basierten Häufigkeitsanalyse deuten darauf hin, dass es in diesen Zeiten noch nicht entdeckte Umpolungen gab“, schreibt das Team.

Diese Erkenntnis eröffnet nun die Möglichkeit, nach Belegen für diese fehlenden Polsprüngen zu suchen. Weil nun klar ist, in welchen Zeitabschnitten die Lücken liegen, können Geologen Bohrkerne, Lavaschichten oder Meeressedimente aus diesen Zeiten gezielt nach Hinweisen auf solche Magnetfeld-Anomalien untersuchen. Vielleicht kann dies auch helfen, doch noch Muster in der Abfolge der Polwechsel zu finden. (Geophysical Research Letters, 2026; doi: 10.1029/2025GL120557)

Quelle: Research Organization of Information and Systems







26. Februar 2026

– Nadja Podbregar