Es war einiges los im Clemens-Sels-Museum: Am Donnerstagmittag warteten die ersten Besucher bereits auf die Eröffnung der neuen Studioausstellung. Unter dem Titel „Garten der Erinnerung“ zeigt dort die Neusser Künstlerin Angelika March-Rintelen ihre Werke. Doch noch war etwas Geduld gefragt – zeitgleich gab es im Gartensaal des Hauses nämlich etwas zu feiern. Das Museum hat nämlich zwei Werke des Künstlers Simon Schubert, der bis vor Kurzem noch im Feld-Haus unter dem Titel „Untiefen des Raums“ ausstellte, angekauft. Dazu gehört unter anderem der Entwurf zu seiner monumentalen Arbeit, die nicht nur wegen ihrer Größe – 7,80 mal 3,40 Meter – beeindruckend war. „Im Wechselspiel von Licht und Schatten entfalten die Arbeiten des Kölners eine stille, fast flirrende Präsenz“, erklärte die Museumsleiterin Uta Husmeier-Schirlitz. Über den Ankauf der beiden Arbeiten freut sich auch die Kuratorin Anita Hachmann. Der Betrachter sieht, je nach Lichteinfall, so gut wie nichts oder Räume, die wie mit einem Bleistift gezeichnet wirken, aber in Wahrheit aus Licht und Schatten bestehen.
Das zweite Werk, das das Museum erworben hat, ist eine Miniatur des begehbaren, schwarzen Kubus“. Simon Schubert hat die Miniatur des Raumkörpers aus Papier geschaffen und ihm optische Schwere verliehen, indem er ihn mit Graphit beschichtete. Diese Skulptur ist in einer Auflage von 50 Exemplaren entstanden. Wer sich in sie „verliebt“, hat Glück: „Die gesamte Auflage ist noch nicht verkauft“, erklärte Schubert. Überhaupt freut sich der Künstler, Jahrgang 1976, dass seine Arbeiten erhalten bleiben. „Das Schönste, was einem Künstler passieren kann, ist der Ankauf seiner Arbeiten durch ein Museum.“
Nach der Übergabe konnte auch die Eröffnung der Ausstellung beginnen. Schnell wird klar: Was wie Natur aussieht, kann auch Papier sein. Angelika March-Rintelen, 1952 in Neuss geboren, ist in einem eher seltenen Genre zu Hause: Die Pflanzenpräparation und die Papierschneiderei sind ihre Techniken, die neugierig machen und bei den Betrachtenden ein Staunen auslösen. „Es geht um viele Aspekte und Symbole der Vergänglichkeit“, sagte Uta Husmeier-Schirlitz. In einem der Objektkästen hat March-Rintelen einen Fränkischen Knochen als eine Art Beigabe dazugelegt. Der menschliche Unterschenkelknochen erinnert daran, dass der Mensch Teil der Natur ist. Die Künstlerin, die etliche Jahre in der Eifel gelebt hatte und die an der Abteilung Münster der Kunstakademie Düsseldorf bei Timm Ulrichs studiert und später Biologie studiert hatte, setzt Projekte um, die ihr am Herzen liegen, und zwar als Künstlerin und Mahnerin für den Umweltschutz. Schon während des Kunststudiums hat sie die Pflanzenpräparation als künstlerische Ausdrucksform für sich entdeckt. In der Ausstellung sind jetzt Exponate von Präparationen zu sehen ebenso wie pflanzlich Anmutendes, das aber aus Papier besteht sowie Kombinationen dieser beiden Formen. Da Angelika March-Rintelen auch Schnittkonstruktion und Modellgestaltung an Modefachschulen in Düsseldorf und München erlernt hat, sind das Schneiden und das Schneidern ebenfalls genau ihr Ding. Im Rahmen der Ausstellung wird es ein interessantes Begleitprogramm geben. Interessierte können zum Beispiel lernen, wie man die Dior-Rose faltet.
Die Ausstellung ist bis zum 11. Oktober geöffnet. Uta Husmeier-Schirlitz hofft, dass so mancher Besuchende der Landesgartenschau den Weg in ihr Museum findet. Immerhin stehen durch die Laga Themen wie „Umwelt, Natur und Garten“ im Fokus der Stadtgesellschaft. Auch das Clemens Sels Museum Neuss leistet dazu seine Beiträge.