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Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) – Ein geheimnisvoller Ort mitten in der Ostsee, Zutritt verboten: Die kleine künstliche Insel Ostervilm war zu DDR-Zeiten Sperrgebiet, nur ein paar Matrosen waren hier stationiert. Jetzt wird die Plattform mit dem verfallenen Wohnhaus und technischen Anlagen auf 600 Pfählen versteigert.
Der marode Lost Place mitten im Meer bei Rügen vor Putbus ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg: Zu DDR-Zeiten neutralisierten hier Marinesoldaten die Magnetfelder von Schiffen, um sie vor Minen und Torpedos zu schützen. Doch nachdem die Mauer fiel, wurde die „Entmagnetisierungsstation Lauterbach“ von der Bundeswehr nicht mehr gebraucht und verrottete – trotz großer Pläne von privaten Investoren.
So viel Geld soll die Insel kosten
Das ungewöhnliche Objekt im Biosphärenreservat steht bei der Sommerauktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG (NDGA) am 4. Juni 2026 in Hamburg auf der Liste. Mindestgebot: vergleichsweise günstige 39.000 Euro. Heute wird die Ex-Militärplattform „Insel Ostervilm“ genannt, sie liegt drei Kilometer östlich der Naturschutzinsel Vilm (94 Hektar) im Greifswalder Bodden.

Die alte Marine-Station aus der Nähe: Ein düsterer Lost Place mit gruseliger Aura (Archivfoto)
Foto: imago/Jens Koehler
Allerdings: Laut Katalog braucht es viel Fantasie und noch mehr Geld, um das Eiland in der Ostsee auf Vordermann zu bringen: „Die extravagante Insel ist auf einer Betonrahmenplattform mit Eisenplattenverschalung und Holzbohlenbeplankung erbaut. Der Zustand ist durch Natur, Vogelkot und Vandalismus marode. Setzungsrisse. Stahlteile verrostet. Zerstörte Fenster. Algen wachsen an den Mauern empor“, heißt es in der Objektbeschreibung.

Der Betonklotz im Meer war zu DDR-Zeiten streng bewachtes Sperrgebiet, hier eine Aufnahme von 2001
Foto: Jens Koehler/ddp
Was Sie über die Immobilie wissen müssen
Erreichbar ist Ostervilm nur auf dem Wasserweg, doch wegen des schlechten baulichen Zustandes können auch Interessenten vor der Auktion nicht vorbeikommen. Für die insgesamt 710 qm Land- und Wasserfläche gibt es einen Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund. Errichtet wurde die NVA-Entmagnetisierungsstation im Jahr 1954 auf 600 Pfählen in zehn Meter Wassertiefe.
Was ist eine Entmagnetisierungsstation?
Eine Entmagnetisierungsstation reduziert die magnetische Signatur von Schiffen. Das ist notwendig, weil ihre Stahlrümpfe im Erdmagnetfeld eine messbare Wirkung entwickeln und so von im Meeresboden verborgenen Magnetminen erkannt werden können. In der Station wird über im Wasser verlegte Kabel ein Gegenfeld erzeugt, das die Spur des Schiffes abschwächt. So sinkt das Risiko, dass Minen ausgelöst werden.
Die letzten bekannten Eigentümer der Immobilie sind ein norddeutscher Architekt und ein Planungsingenieur: Sie wollten hier einen einzigartigen Kunstraum schaffen, doch alle Ideen scheiterten an langen Transportwegen, rechtlichen Hürden und extremen Investitionskosten. Vor etwa 10 Jahren platzte ein Versuch, die Station zur Ferienanlage umzubauen. Seitdem haben Kormorane und andere Wasservögel den Platz für sich allein. So reizvoll die Lage also auch ist: Auf der Insel zu wohnen wäre schwierig – es fehlt an Süßwasser, die Abwasserentsorgung ist kompliziert, zudem sind Heizung und Wartung äußerst aufwendig.