Der Staatsanwalt sprach zu Beginn der Geschworenenverhandlung von einem „geplanten, skrupellosen Gewaltverbrechen“ der beiden Kosovaren im Alter von 50 und 59 Jahren und des 55-jährigen Albaners. Der seit 2007 in Österreich lebende 50-Jährige gab in seiner Befragung zu, mutmaßlich vermögende Opfer vorgeschlagen zu haben. Die zwei Älteren waren laut Anklage im Sommer 2025 aus dem Ausland eingereist, um das Haus auszukundschaften. Gerechnet worden sein dürfte mit 1,5 Millionen Euro Beute.

Spediteur klingelte, Trio machte sich aus dem Staub

Als der Mann der 74-Jährigen am 5. September 2025 in der Früh mit dem Hund das Haus verlassen hatte, betrat das maskierte Trio das Gebäude und durchsuchte den Wohnbereich nach Wertgegenständen. Als sie von der Toilette gekommen sei, habe sie einer der Täter am Arm gepackt und niederdrücken wollen, wogegen sie sich gewehrt habe, berichtete die Frau. Ein Mann habe Kabelbinder bei sich gehabt, ein anderer ein Brecheisen erhoben in der Hand gehalten. Eine Pistole habe sie nicht gesehen. Das Klingeln eines Spediteurs habe die drei Männer gestört und „Schlimmeres verhindert“, sagte der Staatsanwalt. Das Trio flüchtete mit 50 Euro an Bargeld, das sie aus einer Geldbörse genommen hatten, über die Terrassentür.

Als Polizisten im Zuge der Fahndung zwei Verdächtige kurz nach 8.00 Uhr auf einer Wiese bzw. einem Acker bemerkten, liefen der 55-und der 59-Jährige davon. Der Ältere soll den Uniformierten nahe einer Böschung knieend aufgelauert und aus zwölf Metern Distanz dreimal gezielt auf zwei Beamte gefeuert haben. Ein Polizist gab daraufhin einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Verletzt wurde niemand. Die beiden Männer wurden festgenommen, das Tatfahrzeug wurde in einem Waldstück sichergestellt. Für den 50-Jährigen klickten drei Tage nach der Tat in Aschbach-Markt die Handschellen. „Ich will es einfach vergessen, ich will es abgehakt haben“, sagte die 74-Jährige: „Unser Leben ist nun anders.“

Einbruchsdiebstahl geplant

Geplant gewesen sei ursprünglich ein Einbruchsdiebstahl, hieß es vonseiten der Verteidigung. Der 59-Jährige habe durch Schüsse die Polizisten ablenken und eine Festnahme verhindern, aber weder verletzen noch töten wollen, erklärte sein Rechtsvertreter. Der 50-Jährige habe „nichts von einer Waffe gewusst“, sagte sein Verteidiger Rudolf Mayer.

Der 59-Jährige verweigerte vor Gericht die Aussage. In einer früheren Einvernahme hatte er von „Schüssen in die Luft“ gesprochen. Der Staatsanwalt entgegnete jedoch, dass der Schusswinkel laut einem Gutachten 24 Grad betrug und ein Projektil in Kopfhöhe eines Beamten in einem Baum eingeschlagen sei. Der 55-Jährige, der bei der Home Invasion ein Brecheisen dabei hatte, erklärte: „Ich wollte weder jemanden festbinden noch Gewalt anwenden.“

Männer auch in anderen Einbruchsfällen verdächtig

Dem Trio wird schwerer Raub vorgeworfen, dem 59-Jährigen werden auch Mordversuch, versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt und unbefugter Besitz einer Schusswaffe angelastet. Die Frau hat sich mit 7.050 Euro als Privatbeteiligte an dem Verfahren angeschlossen, die beiden Polizisten mit jeweils 5.000 Euro. Die Angeklagten sollen laut Exekutive auch für Wohnhauseinbrüche in den Bezirken Melk und Amstetten im Juli und August 2025 verantwortlich sein, hier sind die Ermittlungen allerdings noch nicht abgeschlossen.

Der 59-Jährige hatte nach Angaben der Exekutive 1999 in einem Spielsalon im Kanton Bern in der Schweiz einen Raubmord verübt, bei dem er einen Sicherheitsmann erschoss. Nach seiner Festnahme in Italien wurde er vom Obergericht Bern zu 18 Jahren Haft verurteilt. 2022 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und in den Kosovo abgeschoben, hieß es im Prozess.

Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt

Ein Urteil gab es am Mittwoch nicht. Die Verhandlung wurde nach dem Beweisverfahren zur Einholung eines weiteren Gutachtens auf unbestimmte Zeit vertagt. Mit einer Fortsetzung des Prozesses ist wohl frühestens im Mai zu rechnen.

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