Wegen Staatsbesuch
China beleidigt anderen Präsidenten als „Ratte“
03.05.2026 – 13:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Taiwans Präsident Lai Ching-te: Aktuell befindet er sich auf Staatsbesuch in Eswatini. (Quelle: IMAGO/Cheng-Chia Huang)
Ein Staatsbesuch provoziert in China wütende Reaktionen. Sogar ein ausländischer Staatschef wird beleidigt.
China hat Taiwans Präsidenten Lai Ching-te wegen einer Auslandsreise nach Afrika scharf angegriffen und ihn persönlich beleidigt. Ein Sprecher der chinesischen Taiwan-Behörde verglich Lais Verhalten mit „einer Ratte, die über die Straße huscht“. Die Äußerung fiel im Zusammenhang mit einem nicht angekündigten Besuch Lais im südafrikanischen Königreich Eswatini.
Lai war am Samstag in dem früher als Swasiland bekannten Land eingetroffen. Die Reise war zuvor weder von Taiwan noch von Eswatini öffentlich angekündigt worden. Nach Angaben aus Taipeh nutzte Lai ein Regierungsflugzeug Eswatinis. Der Besuch steht im Zusammenhang mit dem 40. Jahrestag der Thronbesteigung von König Mswati III.
Bei seinem Treffen mit dem König betonte Lai, Taiwan habe das Recht, internationale Kontakte zu pflegen. „Die Republik China, Taiwan, ist eine souveräne Nation und ein Taiwan, das zur Welt gehört“, sagte Lai laut Mitteilung seines Präsidialamts. Die 23 Millionen Menschen Taiwans hätten das Recht, sich mit der Welt auszutauschen. Kein Land habe das Recht, Taiwan daran zu hindern, einen Beitrag zur Welt zu leisten.
China reagierte empört. Die Taiwan-Behörde in Peking warf Lai vor, sich nach Eswatini „geschlichen“ zu haben. Sein Verhalten sei „verachtenswert“ und werde in der internationalen Gemeinschaft auf Spott stoßen, erklärte ein Sprecher. Die drastische Wortwahl zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Peking und Taipeh weiterhin ist.
China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als Teil seines Staatsgebiets. Offizielle diplomatische Beziehungen anderer Staaten zu Taiwan lehnt Peking ab. Die Regierung in Taipeh weist diesen Anspruch zurück und betont, Taiwan sei faktisch unabhängig und habe eigene demokratisch gewählte Institutionen.
Eswatini ist eines von nur noch zwölf Ländern weltweit, die formelle diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhalten. Für Taipeh hat der Besuch deshalb besondere symbolische Bedeutung. Zugleich steht das Königreich damit im Zentrum eines seit Jahren andauernden diplomatischen Ringens zwischen China und Taiwan.
Taiwan hatte bereits im vergangenen Monat erklärt, China habe versucht, Lais Reise zu verhindern. Demnach sollen drei Staaten im Indischen Ozean auf Druck Pekings Überflugrechte für Lais Maschine zurückgezogen haben. Die Reisepläne mussten deshalb zunächst geändert werden. Die USA kritisierten China daraufhin, auch die EU, Großbritannien, Frankreich und Deutschland äußerten Sorge.
Taiwans Festlandrat, der für die China-Politik zuständig ist, wies die Angriffe aus Peking zurück. Lai brauche keine Genehmigung Chinas, um ins Ausland zu reisen, hieß es. Die Behörde bezeichnete die Wortwahl der chinesischen Taiwan-Behörde als unangemessen.
