Die Berlinale ist zwar vorbei, doch an cineastischem Nachschub fehlt es nicht. Diese Woche mit besonders hochkarätiger Besetzung: In „Marty Supreme“ sehen wir neben Timothée Chalamet, der am Ping-Pongtisch zu Hochleistungen aufläuft, eine von Gwyneth Paltrow wunderbar verkörperte Theaterdiva. Auch Tyler, The Creator hat seinen Autritt.
Jim Jarmusch zeichnet in „Father Mother Sister Brother“ nuancierte Familien-Portraits, ebenfalls mit Top-Besetzung. Zu sehen sind Adam Driver, Cate Blanchett und ein herrlich irrer Tom Waits.
1 Marty Supreme
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Gäbe es bei den 98. Academy Awards am 15. März einen Oscar für die „beste sportliche Leistung eines Schauspielers“, dann wäre Timothée Chalamet die begehrte Auszeichnung wohl nicht zu nehmen.
Für Josh Safdies überdrehte Tragikomödie „Marty Supreme“ hat er sich mit grenzenlosem Einsatz in die Rolle eines Weltklasse-Tischtennisspielers der Fünfzigerjahre hineingesteigert. Er liefert sich spektakuläre Ballwechsel mit Gegnern, die von heutigen Topspielern verkörpert werden – darunter die deutsche Tischtennis-Legende Timo Boll.
Obwohl die fiktive Hauptfigur ein reales Vorbild, den 2012 verstorbenen Marty Reisman, hat und das Thema Tischtennis in den Fünfzigern mit faszinierender Detailtreue auf die Leinwand gebracht wird, ist „Marty Supreme“ alles andere als ein weiteres dröges Biopic.
Chalamets Marty hat sich zwar mit Leib und Seele dem Tischtennis verschrieben, aber da ist noch viel mehr. Als Sohn einer alleinerziehenden Alkoholikerin in schwierigsten New Yorker Verhältnissen aufgewachsen, wird sein Streben nach sportlichen Triumphen zum existenziellen Kampf gegen universelle Widerstände – die er nicht selten durch Überheblichkeit und Rücksichtslosigkeit selbst verursacht.
Martys Jonglieren mit diversen hochtrabenden Plänen, seine kleinkriminellen, oft tölpelhaften Versuche, an Geld zu kommen, das er für Ausrüstung, Hotelsuiten oder Startgebühren braucht (aber nicht, um seine schwangere Geliebte zu unterstützen), seine Anbiederung bei den Reichen und Mächtigen, machen die Filmfigur zum Getriebenen, zum Hustler.
Weekender: Unsere Tipps für Ihr Wochenende

Zu viel Kultur, zu wenig Zeit? Unser „Weekender“-Newsletter sortiert Berlins Highlights für Ihr Wochenende – persönlich kuratiert, kostenlos im Postfach.
Josh Safdie verdichet einen Malstrom aus Drama, Spannung, Humor, Slapstick und sportlichen Kabinettstückchen zum Kinofeuerwerk, dessen Tempo zweieinhalb Stunden wie im Flug vergehen lässt.
Natürlich wird „Marty Supreme“ auch dank der fantastischen Besetzung zum Triumph. Doch der Star dieses Films heißt Timothée Chalamet. Wir müssen ihn nicht mögen. Aber was er – für sich, für uns – dabei leistet, ist jeden Oscar wert. (Jörg Wunder)
USA 2025, 149 Min., R: Josh Safdie, D: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion
2 EPiC: Elvis Presley in Concert
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Ein paar Sekunden verharrt der Sänger backstage, ein letzter Moment der Kontemplation. Er trägt ein groteskes Glitzerkostüm, sein rechter Fuß vibriert nervös. Dann weichen die dramatischen Bläsersätze von Richard Strauss’ Sonnenaufgangssinfonie „Also sprach Zarathustra“ einem zirkushaften Paukenwirbel. Und der König tritt durch den Vorhang, hinaus ins Scheinwerferlicht.
Schmachtend singt er den Erlösungsgospel „Glory, Glory, Hallelujah“. Welterschaffung und Gottesdienst: Darunter tut es Elvis Presley nicht bei dieser Greatest Show on Earth.
Queerspiegel: Der Newsletter für das queere Berlin
![]()
Die Queerspiegel-Redaktion informiert Euch über die wichtigsten LGBTI-Ereignisse, Menschen, Termine aus Politik, Kultur und Sport.
Baz Luhrmann konzentriert sich auf die mehr als 1100 Konzerte, die der einstige Rockabilly-Rebell von 1969 bis zu seinem Tod 1977 in Las Vegas gegeben hat. Grundlage dafür waren 68 Kisten voller Konzertmitschnitte, die der australische Regisseur bei Recherchen für sein Biopic „Elvis“ (2022) im Warner-Filmarchiv entdeckte.
Die Showbiz-Akkordarbeit ertrug der Superstar nur mithilfe von Alkohol, Tabletten und zu vielen Bananen-Erdnussbutter-Sandwiches. Die schwarzen Cadillacs, in denen er sich zum Bühneneingang fahren ließ, ähnelten Särgen. (Christian Schröder)
USA/AUS 2025, 97 Min., R: Baz Luhrmann
3 Father Mother Sister Brother
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Lakonisch sein, das kann er. Jim Jarmusch, seit den Achtzigern als coolster der US-Indie-Regisseure unterwegs, erzählt in drei Episoden von Familienbanden.
Bruder und Schwester besuchen ihren Vater im Waldhaus an der Ostküste der USA, zwei Schwestern ihre Mutter in Dublin, und ein Zwillingspaar nimmt Abschied von der Wohnung der verstorbenen Eltern in Paris.
Das All-Star-Ensemble, darunter Tom Waits, Adam Driver, Cate Blanchett, Vicky Krieps und Charlotte Rampling, zeichnet Miniaturen der Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. Alle Charaktere vollführen Verlegenheitsvolten, die zum Lachen oder Weinen sind.
Tagesspiegel Checkpoint: Berlins beliebtester Newsletter
![]()
Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.
Verschiedene Running Gags, etwa die in jeder Episode auftauchenden Skater, halten die inszenatorische Fingerübung genauso zusammen wie der zurückgenommen beobachtende Erzählfluss.
Formal trennt malträtiertes Filmmaterial, auf dem man nur meditatives Farbgeflacker erkennt, die mal schrägen, mal melancholischen Episoden. In Venedig bekam Jim Jarmusch den Goldenen Löwen dafür. (Gunda Bartels)
Eine ausführliche Rezension können Sie hier lesen.
USA/F/I/D/IR 2025, 111 Min., R: Jim Jarmusch, D: Cate Blanchett, Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Vicky Krieps
4 Ein fast perfekter Antrag
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Angesichts der demografischen Lage ist es eine ebenso rühmliche wie geschäftstüchtige Idee, das Genre der romantischen Komödie für die Generation 65plus zu öffnen.
Hierfür hat Regisseur Marc Rothemund zwei prominente, deutsche Boomer-Stars unter Vertrag genommen. Heiner Lauterbach spielt, wie schon so oft, den pedantischen Grantler. Iris Berben gibt – ebenfalls nicht zum ersten Mal – die junggebliebene, emanzipierte Frau.
Vor 40 Jahren hat Walter ihr einen misslungenen Heiratsantrag und Alice mit ihm Schluss gemacht. Als sie sich zufällig wieder treffen, entgleisen ihr die Gesichtszüge, während in ihm romantische Gefühle reaktiviert werden. Aber auch ihre sehr deutliche Ablehnung kann ihn nicht aufhalten.
Als Gasthörer sitzt Walter wenig später in ihrem Uni-Seminar, wo er nicht nur sein aufrichtiges Interesse an der Angebeteten beweisen, sondern sich auch mit den woken Ansprüchen der jungen Studierenden auseinandersetzen muss.
Äußerst einfallslos wird dieser Generationskonflikt für ein paar müde Lacher auf die gängigen Klischees reduziert, während die Late-Love-Story keinerlei Sehnsucht nach dem obligatorischen Happy End generieren kann. (Martin Schwickert)
D 2025, 105 Min., R: Marc Rothemund, D: Heiner Lauterbach, Iris Berben
5 Crocodile Tears
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Nicht mal sich in Ruhe einen runterholen kann Johan. Dann ruft schon wieder seine Mutter. Nachts schlafen sie im selben Bett. Wieder keine Privatsphäre.
Seit 20 Jahren besteht Johans Alltag darin, die Krokodilfarm in West-Java zu schrubben, die er mit seiner dominanten Mutter führt, und den Alligatoren Hühner zum Fraß vorzuwerfen. Viel ist hier nicht los, es heißt, es würde spuken. Und man munkelt, Johans Mutter hätte seinen Vater an die Krokodile verfüttert.
In der Stadt begegnet Johan der attraktiven Arumi, die als Waise aufwuchs. Sie und der vaterlose Johan sind auf ihrer Suche nach Familie und Normalität magisch voneinander angezogen. Als Arumi schwanger wird, begehrt Johan zum ersten Mal gegen seine Mutter auf.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Arumi zieht ein, und eine für die Zuschauer spannende Zeit des Belauerns, Zähnefletschens und der Attacken beginnt, bis Regisseur Tumpal Tampubolon eine Auflösung im Stil des magischen Realismus versucht. Schließlich gelten Krokodile in Indonesien als heilig und als Verkörperung der Ahnen. (Ingolf Patz)
IND/SIN/F/D 2024, 98 Min., R: Tumpal Tampubolon, D: Marissa Anita, Yusyf Mahardika, Zulfa Maharani
6 Night Stage
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Der Schauspieler Matias (Gabriel Faryas, links) und der Politiker Rafael (Cirillo Luna) lernen sich über eine App kennen und beginnen im brasilianischen Porto Alegre eine leidenschaftliche Affäre.
Das bedeutet allerdings ein Risiko für ihre Karrieren, denn Matias hat gerade eine Hauptrolle als Frauenschwarm in einer großen Serienproduktion übernommen, und Rafael stellt sich als Bürgermeisterkandidat zur Wahl.
Für offen gelebte Homosexualität scheint es in solchen Positionen noch keinen Platz zu geben. Die Vorliebe der beiden für versteckten Sex in der Öffentlichkeit macht die Situation zusätzlich brisant.
Mehr zum ThemaHitlers schlimmster Albtraum Timothée Chalamet als jüdischer Tischtennisstar Marty Mauser „Staatsschutz“ auf der Berlinale Der Film, den Deutschland gerade braucht Kulturkampf auf der Berlinale Wie junge TikToker das alte Kino verändern
Das inzwischen in Berlin lebende brasilianische Regieduo Marcio Reolon und Filipe Matzembacher setzt seinen dritten Spielfilm vor allem in den vielen Nachtsequenzen elegant-atmosphärisch in Szene.
Ihr Erotikthriller, in dem Matias’ Mitbewohner und Schauspielkollege Fabio (Henrique Barreira) eine prominente Nebenrolle spielt, wirkt mitunter wie eine schwule Brian-de-Palma-Vision. Dass sich Matias und Rafael in ihrer Lust letztlich nicht unterkriegen lassen, ist ein starkes Empowerment-Zeichen. (Nadine Lange)
BR 2025, 119 Min., R: Filipe Matzembacher, Marcio Reolon, D: Gabriel Faryas, Cirillo Luna, Henrique Barreira