Mit Adam’s Sake gelingt der belgischen Regisseurin Laura Wandel ein zutiefst berührendes Sozialdrama, das einen von Beginn an mitten ins Geschehen wirft. Der Film entfaltet seine Wirkung vor allem durch seine unmittelbare Inszenierung durch die Kameraführung und zeigt den Arbeitsalltag aus Sicht einer Kinderkrankenschwester.

Im Zentrum steht die Kinderkrankenschwester Lucy, eindrucksvoll verkörpert von Léa Drucker, die sich um den vierjährigen Adam kümmert. Schnell wird klar, dass nicht seine Verletzung das eigentliche Problem ist, sondern die problematische Fürsorge seiner Mutter.

Der Film entfaltet seine Wirkung vor allem durch seine unmittelbare Inszenierung: Die Kamera bleibt konsequent an Lucys Seite, wodurch man ihre wachsende Verzweiflung und ihren Kampf gegen ein überfordertes System hautnah miterlebt. Dabei zeigt Wandel schonungslos die Grenzen institutioneller Hilfe auf – zwischen bürokratischen Hürden, fehlender Einsicht und akutem Zeitdruck.


Foto: Crossing Europe

Moralischer Konflikt

Besonders hervorzuheben ist die nuancierte Darstellung moralischer Konflikte: Lucy muss Entscheidungen treffen, die weder einfach noch eindeutig richtig sind. Genau darin liegt die Stärke des Films – er verzichtet auf einfache Antworten und zwingt das Publikum, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Lucy hetzt von einem Gang zum anderen im Krankenhaus. Wird ständig angesprochen: von Patient*innen, Mitarbeiter*innen oder das Telefon klingelt wieder. Man kann den Stress und Zeitdruck, den sie hat, fast am eigenen Leib spüren. Dazwischen schaut sie immer wieder zu Adam und seiner Mutter. Man merkt, wie sehr es ihr am Herzen liegt, dass sie für den Vierjährigen und seine Mutter eine Lösung findet.

Als Zuschauer*in fragt man sich 75 Minuten lang, wie man diesen Beruf nur durchstehen kann und ob jeder Tag im Krankenhaus so aussieht. Dargestellt wird ziemlich genau ein Tag bzw. eine Schicht im Krankenhaus und es wirkt, als würde dieser nie enden.

REALITÄT

Zeitweise habe ich mir die Frage gestellt, ob man als eine im Sozialbereich arbeitende Person wie Lucy nicht lernen muss, sich mehr abzugrenzen. Ob der Film somit wirklich der Realität einer Krankenschwester entspricht. Meiner Meinung nach übertritt die Protagonistin in ein paar Szenen deutlich eine Grenze, die zwischen Patient*in und Krankenhauspersonal nicht überschritten werden soll.

Fazit

Adam’s Sake ist kein leichter Film, aber ein wichtiger. Er stellt die Frage nach Verantwortung, Menschlichkeit und Zivilcourage an einem Ort, an dem diese Werte überlebenswichtig sind. Ein eindringliches, realistisches Drama, das noch lange nachwirkt.


L’intérêt d’Adam / Adam’s Sake

Regie: Laura Wandel

Belgien/Frankreich, 2025
75 Minuten, Französisch, OmEu

Mit Léa Drucker, Anamaria Vartolomei, Jules Delsart, Alex Descas, Laurent Capelluto

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