Unter den bösartigen Gehirntumoren ist das sogenannte Astrozytom besonders häufig und ebenso gefährlich: Die aggressiv wachsende Geschwulst operativ zu entfernen, kann schwierig sein, da die Zellen invasiv in die gesunde Umgebung einwachsen. Zudem kehrt die Krebserkrankung nach der Therapie in sieben von zehn Fällen zurück, und die Prognose ist dementsprechend ungünstig. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt denn auch lediglich bei fünf Prozent.

Nun will ein Team der Empa und dem Spitalverbund «HOCH Health Ostschweiz» in St. Gallen unter Leitung der Neurochirurgin Isabel Hostettler die Heilungschancen der Tumorerkrankung mit einem neuartigen und sanfteren Therapieansatz auf der Basis von sogenannten Nanozymen verbessern. Das Projekt kann dank der grosszügigen Unterstützung der Hedy Glor-Meyer Stiftung, der «Swiss Cancer Foundation» sowie vier weiterer Stiftungen durchgeführt werden.

Die Blut-Hirn-Schranke umgehen

Derzeit werden Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie kombiniert, um Astrozytome zu behandeln. Gerade für die Therapie mit Medikamenten stellt der Ort des Tumors – das Gehirn – aber ein Problem dar. Denn der körpereigene Schutz, die Blut-Hirn-Schranke, die das Organ vor schädlichen Einflüssen aus dem Blutkreislauf schützt, verhindert gleichzeitig das Eindringen bestimmter Medikamente.

Empa-Forscher Giacomo Reina und sein Team vom «Nanomaterials in Health» Labor in St. Gallen wollen diese Barriere nun mit einem trickreichen Ansatz umgehen: Sie entwickeln bioverträgliche Nanomaterialien, die als Nanomedikamente wirken und direkt vor Ort während einer Tumoroperation im Gehirn eingesetzt werden sollen. «Da Krebszellen einen besonders aktiven Stoffwechsel haben, reichern sich die Wirkstoffe spezifisch im Tumorgewebe an», so Reina. Ein weiterer Vorteil: Für eine besonders präzise Wirkung können die Nanozyme mit Nah-Infrarotlicht aktiviert werden.