„Die vergangenen Jahre haben viele Menschen finanziell stark unter Druck gesetzt und diese Belastung hält an. Das zeigt sich auch täglich in unserer Arbeit“, bestätigt Tamara Majnek, Armutsexpertin der Caritas St. Pölten, die aktuelle Situation. Vor allem die laufend hohen Ausgaben für Wohnen, Energie und den grundlegenden Lebensbedarf verschärfen die Situation spürbar, weiß die Expertin. „Zugleich wächst die Sorge, dass die weiterhin notwendigen Budgetsanierungen ausgerechnet jene treffen, die ohnehin kaum Spielraum haben, insbesondere Frauen und Familien mit Kindern“, sagt Majnek.

19 Prozent der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher geben an, sich keine unerwarteten Ausgaben leisten zu können. Außerdem nehmen 35 Prozent der Landsleute ihre Wohnkosten dauerhaft als starke Belastung wahr. Drei Prozent der Menschen in Niederösterreich geben an, ihre Wohnung nicht warm halten zu können. Insgesamt gelten auch 15 Prozent aller Kinder, Jugendlichen und abhängige junge Erwachsene zwischen 0 und 24 Jahren in NÖ als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

Der Begriff „armutsgefährdet“ beschreibt jene Menschen, die weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens in Österreich monatlich beziehen. In Österreich war im Jahr 2025 eine alleinlebende Person armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1.806 Euro 12-mal monatlich (netto) zur Verfügung hatte.

Caritas bezeichnet Sozialhilfe als „letztes tragfähiges Netz“

Positiv bewertet die Caritas St. Pölten die Verlängerung des Wohnschirms und der Schulstarthilfe bis 2029. Beide Sozialmaßnahmen wären mit Ende 2026 ausgelaufen und sollen nun bis Ende 2029 gelten. Der Wohnschirm ziele auf armutsbetroffene Menschen ab und soll Wohnungslosigkeit verhindern bzw. beenden, informiert die Caritas St. Pölten. Seit 2023 wurden im Rahmen des Wohnschirms 3.500 Personen mit geringen Einkommen bei der Zahlung von Rückständen von Energiekosten unterstützt.

Aktuell werden neben der Budgetsanierung auch über eine Reform der Sozialhilfe diskutiert. „Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Sozialhilfe das letzte tragfähige Netz und die Absicherung für kranke, behinderte und langzeitarbeitslose Menschen, viele Familien und Alleinerziehende mit Kindern ist – immerhin sind mehr als ein Drittel der Bezieherinnen und Bezieher jünger als 18 Jahre“, betont Caritas St. Pölten Generalsekretär Christoph Riedl. Für die Caritas sei klar, dass kein Wettbewerb nach unten stattfinden dürfe. „Das würde die Armutsspirale noch schneller vorantreiben und Armutsbetroffene noch stärker stigmatisieren. Schließlich geht es darum, Armut zu bekämpfen, und nicht die Armen“, sagt Riedl.