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Moskau – Die russische Armee hat eine einseitige Waffenruhe mit der Ukraine für den 8. und 9. Mai verkündet. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte am Montag, dies geschehe „gemäß einer Entscheidung“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin (73), der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Am 9. Mai wird in Russland feierlich an den Sieg der Sowjetunion über Deutschland im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Was steckt dahinter?

Wie erklärt sich diese Überraschung? Barmherzigkeit dürfte nicht der Hintergrund der Waffenpause sein – schließlich lehnte Putin eine solche an Weihnachten seit 2023 immer wieder ab.

Russland könnte fürchten, an seinem wichtigen Feiertag („Tag des Sieges“) von ukrainischen Drohnen getroffen zu werden. Die Angst sorgt bereits dafür, dass die traditionellen Militärparaden am 9. Mai stark zusammengeschrumpft wurden – Panzer und sonstiges militärisches Schwergerät werden diesmal nicht öffentlich vorgeführt.

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In der Vergangenheit hatte Putin bereits kurze Waffenruhen im Ukraine-Krieg verkündet und sich dann nicht an sie gehalten. Ende Januar hatte US-Präsident Donald Trump der Welt mitgeteilt, Putin auf seine Bitte hin einer einwöchigen Waffenpause zugestimmt. Der Kreml versprach später (30. Januar), die Waffen zwei Tage lang ruhen zu lassen. Doch schon einen Tag später traf eine russische Drohne einen Bus in Terniwka, tötete 12 Menschen und verletzte 16.

Russland verlor zuletzt mehr Gebiete, als es einnahm

Derzeit hat Russland einfach keinen Rückenwind im Ukraine-Krieg: Erstmals seit fast drei Jahren hat Putins Armee im vergangenen Monat Netto-Gebietsverluste erlitten. Wie aus einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Daten des US-ansässigen Institute for the Study of War (ISW) hervorgeht, verlor die russische Armee im April unter dem Strich die Kontrolle über rund 120 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums.

Die Ukraine demnach die Kontrolle über rund 0,02 Prozent ihres Staatsgebiets zurück, und zwar in den drei ostukrainischen Regionen Saporischschja, Charkiw und Donezk. Russland rückte seinerseits in der Gegend um die Großstadt Kramatorsk in der Region Donezk vor. Insgesamt hält Russland den ISW-Daten zufolge etwas mehr als 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt.