Alexander Zverev möchte bei den French Open in Paris endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnen. Dafür braucht es sehr viel Fantasie und einen schwächelnden Jannik Sinner.
Jetzt ist schon wieder was passiert. Nichts wirklich Neues, aber etwas Außergewöhnliches. Denn Jannik Sinners 6:1, 6:2-Finalerfolg über Alexander Zverev in Madrid hat historische Dimensionen. Der Südtiroler ist damit der erste männliche Tennisprofi, der fünf Masters-1000-Turniere in Serie gewinnen konnte. Zuvor war Sinner schon in Monte Carlo, Miami und Indian Wells 2026 sowie im Herbst 2025 in Paris-Bercy nicht zu schlagen gewesen.
Die Konkurrenz rätselt und staunt. Dass der 24-Jährige aus Sexten über besondere Fähigkeiten verfügt, an einem sehr guten Tag vermutlich nur von einem sehr guten Carlos Alcaraz geschlagen werden kann, ist schon länger bekannt. In der Abwesenheit des verletzten Spaniers – er wird aufgrund von Handgelenksproblemen auch die French Open verpassen – erreicht die Dominanz des Weltranglistenersten aber regelrecht absurde Züge. Und es stellt sich die Frage: Wer, wenn nicht Sinner, soll denn bitte die French Open gewinnen?
Ein Mann, der eine starke Saison spielt und sich 2026 in Roland Garros auch aufgrund des Fehlens von Titelverteidiger Alcaraz eigentlich besonders gute Chancen ausrechnen dürfte, ist Alexander Zverev. Sand ist bei einer Siegquote von 73,5 Prozent der stärkste Belag des Deutschen. Am Bois de Boulogne fühlt sich der Hamburger so wohl wie bei keinem anderen Grand Slam. Er bezeichnete Paris in der Vergangenheit als „beste Option“ auf den ersehnten ersten Major-Titel.
Zverev wird bei den am 24. Mai beginnenden French Open gegen 126 der 127 Konkurrenten im Hauptbewerb zu favorisieren sein (spielen muss er bis inklusive Finale freilich nur gegen sieben davon) – und doch gibt es ein eklatantes Problem. Eine offensichtlich unüberwindbare Hürde: Jannik Sinner. Zverev verlor gegen den Italiener in Madrid zum neunten Mal in Folge, zum sechsten Mal in Folge blieb er ohne Satzgewinn.
Schon beim Halbfinale von Monte Carlo hatte Zverev in Richtung seiner Box einen fehlenden funktionierenden Matchplan beklagt: „Ich weiß nicht, was ich gegen ihn machen soll.“ Auch in den Wochen bis Madrid war dem 29-Jährigen nichts eingefallen. Im Gegenteil: Zverev, der nur 52 Prozent seiner Punkte über den ersten Aufschlag gewann, gelangen nur drei Spielgewinne. Noch nie war er auf Sand gegen Sinner derart chancenlos gewesen.
Die Kräfteverhältnisse zwischen der Nummer eins und der Nummer drei der Welt könnten derzeit klarer nicht sein. Und es gibt keinerlei Anzeichen, dass eine Trendwende bevorstehen könnte. Sinner weiß, wie er Zverev weh tun kann. Und Zverev weiß, dass er keinen funktionierenden Plan hat. Vielleicht liegt die einzige Chance des Deutschen in Paris in der befreienden Einsicht, dass er keine Chance hat.
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