Stand: 04.05.2026 19:00 Uhr
Der Mecklenburger Dokumentarfilmer Dieter Schumann hat die Menschen im und um den „Garten der Hoffnung“ im Schweriner Plattenbaugebiet Großer Dreesch begleitet. Sein Film feiert beim am Dienstag beginnenden Filmkunstfest in Schwerin seine Uraufführung.
„Wir haben hier eine zusammengewürfelte Truppe aus Leuten, die im Prinzip überhaupt nicht zusammenpassen“, sagt Gerhard, „weder von ihrer Herkunft noch von ihrer Bildung noch … egal. Da kannst du nehmen, was du willst, wir passen nicht zusammen.“
Ein Garten, in dem sich Nachbarn kennenlernen
Er ist einer, der hier umgräbt, anpflanzt und mit seinen Nachbarn ins Gespräch kommt. Sie alle, ob Deutsche, Syrer, Ukrainer oder Afghanen, wohnen rund um diesen Garten. „Wir saßen da im Schatten der Kastanie und plötzlich waren wir sechs Leute“, erinnert sich eine Frau, die sich in den Garten einbringt. „Dann haben die Alten erzählt, die waren so offen und so empathisch. Das hat motiviert, sich gegenseitig kennenzulernen. Das kannst du nicht planen. Das ist einfach ein ganz großes Geschenk.“ Dieses und andere Geschenke hat Dieter Schumann in seinem neuesten Dokumentarfilm festgehalten.

Eröffnet wird das Festival in Schwerin am 5. Mai mit dem Dokumentarfilm „Garten der Hoffnung“ von Dieter Schumann.
„Ich war zunächst total verblüfft über diese einfache Idee, dass man über einen Nachbarschaftsgarten solche Probleme wie Einsamkeit, Altersarmut und Integration bewältigen kann“, erzählt der Filmemacher. Im Herbst 2024 begann der Mecklenburger damit, die Menschen rund um den Garten kennenzulernen. „Für mich war entscheidend, dass ich das Projekt überhaupt angefangen habe, dass mir da so viel Aufgeschlossenheit und Ehrlichkeit entgegengekommen ist. Das hat man heutzutage selten. Es gibt mittlerweile so eine Skepsis gegenüber den Medien.“
Fünf Nationen, viele soziale Probleme
Wiebke und Ronny wohnen in der Plattenbausiedlung auf dem Großen Dreesch genauso wie Abdul aus Afghanistan, Omar aus Syrien und Kateryna, die Malerin aus der Ukraine. „Ich denke immer: Was kann ich für mein Land machen? Wie kann ich helfen? Ich bin Künstlerin. Vielleicht kann ich mit meiner Kunst etwas für andere Leute über mein Leben erzählen, über meine Erfahrung.“
Mehr als ein Jahr lang haben Kameramann Michael Kockot und der Regisseur die Menschen im Garten, aber auch in ihren Wohnungen besucht. „Grundsätzlich fand ich faszinierend, dass wir an so einem verdichteten Ort so viele Schicksale treffen, sodass man wie in einem Mikrokosmos die Welt gespiegelt sieht – fünf Nationen, viele soziale Probleme“, sagte Schumann.
„Garten der Hoffnung“: Warmherzige Reise an den Rand von Schwerin
Menschen interessieren den Filmemacher seit rund vier Jahrzehnten. Seien es Rockmusiker und ihre Fans wie in „Flüstern & Schreien“ (1988), Werftarbeiter in „Wadans Welt“ (2010) oder Theaterleute in seinem bislang letzten Dokumentarfilm „Dann gehste eben nach Parchim“ (2023). „Garten der Hoffnung“ heißt nun die neueste Arbeit des inzwischen 72-Jährigen. „Ich gehe da nicht hin und sage, ich habe hier einen Plan und mache einen Film“, so Schumann. „Sondern ich gehe erstmal, wie in diesem Fall, in ein Quartier. Dort treffe ich Menschen, die für mich auch neu sind und fange an, mich mit ihnen zu beschäftigen.“
Innerhalb von zwei Stunden kommen Menschen zu Wort mit ihren persönlichen Schicksalen, Alltagserlebnissen und Fluchtgeschichten. „Garten der Hoffnung“ ist eine warmherzige Reise an den Rand von Schwerin, bei weitem aber nicht an den Rand der Gesellschaft. Und wie sagt Kateryna aus der Ukraine: „Für mich ist dieser Garten eine kleine Rettung“.
Video:
Filmkunstfest Schwerin: Rund 120 Filme werden gezeigt (1 Min)

Der Kinojahrgang bietet tolle Filme – etwa einen Thriller von Steven Spielberg, die Komödie „Der Teufel trägt Prada 2“, und „Die Odyssee“ von Christopher Nolan.