Die US-Regierung soll laut übereinstimmenden Medienberichten Ermittlungsakten im Fall Jeffrey Epstein im Zusammenhang mit Präsident Donald Trump bewusst zurückgehalten haben. Die Demokratische Partei wirft der Regierung einen Vertuschungsskandal vor. Das Justizministerium bestreitet, Dokumente gezielt zu verbergen.

Der Rundfunksender NPR und die New York Times berichteten, dass in den bisher veröffentlichten Dokumenten wichtige Memos der Bundespolizei FBI fehlten. Darin sollen den Berichten zufolge Befragungen einer Frau zusammengefasst sein, die 2019 nach der Verhaftung des Multimillionärs angegeben haben soll, als Minderjährige sowohl von Epstein als auch von Trump sexuell missbraucht worden zu sein.

CNN berichtete unter Berufung auf eigene Auswertungen, zahlreiche Vernehmungsprotokolle seien nicht auffindbar. Mehrere mutmaßliche Opfer hätten zudem vergeblich nach Unterlagen zu ihren eigenen Vernehmungen gesucht. Zugleich wies der Sender darauf hin, dass sich einige Dokumente möglicherweise an anderer Stelle in den Akten befinden könnten – etwa ohne aufgeführte Seriennummern oder mit geschwärzten Nummern.

Millionen Seiten wurden als unwichtig eingestuft

Das Justizministerium hatte Ende Januar auf Druck des Kongresses mehr als drei Millionen Dokumentenseiten zum Epstein-Skandal veröffentlicht. Darin tauchen neben dem Ex-Prinzen Andrew einige prominente Namen auf, unter anderem Microsoft-Gründer Bill Gates und der britische Milliardär Richard Branson. Zahlreiche Stellen sind geschwärzt. Weitere drei Millionen Seiten wurden zudem als unwichtig für den Fall eingestuft und sind daher nicht zugänglich.

© Lea Dohle

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Die Existenz der Memos wurde den Berichten zufolge bekannt, weil das Justizministerium ein Register veröffentlichte, in dem die Unterlagen aufgelistet sind. Auf Anfrage teilte das Ministerium mit, das Register sei vorübergehend zur Schwärzung von Opfer- oder personenbezogenen Daten entfernt und später wieder online gestellt worden. Man habe „nichts gelöscht“, hieß es. Alle relevanten Dokumente seien veröffentlicht worden, soweit sie nicht als Duplikate oder vertraulich eingestuft seien oder Teil laufender Ermittlungen seien.

US-Regierung spricht von Kampagne

Die Demokraten im Kontroll- und Regierungsausschuss des US-Repräsentantenhauses teilten mit, sie hätten den Umgang des FBI mit den Vorwürfen aus dem Jahr 2019 seit einigen Wochen untersucht. Ihrer Ansicht nach soll das Justizministerium die FBI-Befragungen der betroffenen Person illegal zurückgehalten haben. „Wir brauchen Antworten und müssen dies untersuchen“, schrieb der demokratische Abgeordnete Robert Garcia und sprach von mutmaßlicher Vertuschung. Das Justizministerium warf den Demokraten indes vor, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen.

Trump wehrte sich im vergangenen Jahr monatelang gegen die Freigabe der Akten, bis der Kongress die Freigabe im Herbst erzwang. Er taucht mehrfach in den Akten auf, ein Fehlverhalten konnte dem Präsidenten bisher nicht nachgewiesen werden. Er streitet alle Vorwürfe ab. Seine Regierungssprecherin sprach wiederholt von einer Kampagne gegen den Präsidenten.

Die Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein

Jeffrey Epstein war ein US-Investor und Multimillionär, der ein Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger und zum Menschenhandel betrieben haben soll. 2007 erreichten seine Anwälte in Florida nach ersten Ermittlungen einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft, Epstein erhielt im Jahr darauf eine überraschend milde Strafe. 2019 wurde er jedoch erneut verhaftet und auf Bundesebene angeklagt. Wenige Wochen später starb Epstein in Untersuchungshaft, nach offiziellen Angaben durch Suizid.

Aufgrund des Ausmaßes der Taten ist das öffentliche Interesse an dem Fall sehr groß. Insbesondere die Kontakte zahlreicher Prominenter zu Epstein sowie dessen Tod sorgen für unzählige Spekulationen. US-Präsident Donald Trump, der selbst in den Unterlagen auftaucht und Kontakt zu Epstein hatte, versprach im Wahlkampf Aufklärung sowie die Veröffentlichung der Ermittlungsakten. Nach seinem Amtsantritt gab das US-Justizministerium allerdings nur sehr unsystematisch und in kleinen Schritten Informationen zum Fall Epstein heraus. Trump wurde dafür auch von seiner eigenen Anhängerschaft kritisiert.

Ein im November 2025 vom Kongress verabschiedetes Gesetz verpflichtete die Behörden schließlich zur Herausgabe aller unklassifizierten Ermittlungsakten. In der Folge gab das Justizministerium die Akten in mehreren Schüben frei – deutlich langsamer als im Gesetz vorgesehen. Das Ministerium begründete die Verzögerungen mit dem Schutz der Opfer; zahlreiche Stellen in den Akten hätten zunächst geschwärzt werden müssen. Dabei gingen die Behörden jedoch ungenau vor, viele Betroffene konnten in den Unterlagen identifiziert werden.

Die gesetzliche Frist zur Herausgabe der Unterlagen endete am 19. Dezember 2025. An diesem Tag sowie in den Tagen danach gab das Justizministerium zahlreiche – teils nahezu vollständig geschwärzte – Dokumente heraus. Doch erst am 30. Januar erfolgte die umfangreichste Veröffentlichung: Mehr als drei Millionen Seiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilddateien wurden freigegeben. Laut dem Justizministerium ist es die wohl letzte Veröffentlichung von Ermittlungsakten; man habe die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, teilte das Ministerium mit.

Verfolgen Sie die wichtigsten Entwicklungen zu dem Fall in unserer Chronik.

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