Hanna Effen untermauert mit ihrer aktuellen Ausstellung „Babel“ ihren Ruf als einfühlsame Künstlerin, die persönliche, politische und neu zu Entdeckendes in ihren Bildern lebendig werden lässt. Zehn Werke, darunter eine Bleistiftzeichnung, präsentiert die 1995 geborene Kaarsterin, die ihr Studium der freien Kunst als Stipendiatin und Meisterschülerin an der Düsseldorfer Kunstakademie mit dem Akademiebrief abschloss. „Babel“ ist für Effen eine Jubiläumsausstellung: 2023 feierte sie die Eröffnung ihres Ateliers in der ehemaligen Metzgerei ihrer Großeltern auf der Neusser Straße.
Die inzwischen international erfolgreiche Künstlerin ließ sich vom niederländischen Maler Pieter Bruegel und seinem berühmten Gemälde „Der Turmbau zu Babel“ inspirieren. In dieser Geschichte aus dem Alten Testament bauen die Menschen einen Turm bis zum Himmel, um Gottes Größe zu erreichen. Der Plan schlug fehl, denn Gott sorgte dafür, dass sich die Menschen sprachlich nicht mehr verständigen konnten und sich so in alle Welt zerstreuten: „Das ist für mich ein aktuelles zeitloses Thema über menschlichen Hochmut. Wir haben offenbar nichts aus der Geschichte gelernt“, meint Effen in Hinblick auf die politische Weltlage. Sie kreiert das Innenleben des Turms, das noch nie jemand gemalt hat. So spiegelt ihr Turm gegenwärtiges Leben wider, wobei sich der Blick des Betrachters von unten nach oben bewegt: Reiche Investoren, die für den Bau des Turms verantwortlich sind, fahren mit ihrer mondänen Yacht wie durch eine Tiefgarage in das Innere hinein und feiern mit Champagner ihren Erfolg. Auch Elon Musk mit seiner „SpaceX“-Rakete ist zu finden sowie unzählige Kleinigkeiten: „gemalte Poesie“, so Effen.
Das trifft besonders auf das Bild „Deus ex Machina“ zu. Die Verlobung eines Paares beim Juwelier entpuppt sich beim genauen Hinsehen als profitables Geschäft, dem eigentlich jede Romantik abgeht. Die Braut besticht den Verkäufer, ihren Lieblingsring zu reduzieren, den der Bräutigam dann natürlich wählt: „Wie viel Gelassenheit braucht die Liebe?“, so der Hintergrundgedanke von Hanna Effen. Bei allen Bildern bediente sie sich einer neuen Maltechnik wie bei den „Alten Meistern“. Auf einen Keilrahmen wurde eine abgeschliffene Holzplatte befestigt und darauf mit einer entsprechenden Zeichnung das Bild vorbereitet. Gemalt hat sie dann mit Öl auf Kreidegrund.
Die Ausstellung endet am Pfingstmontag. Ein Happy End für das Babel-Thema, denn am Pfingstfest verstanden plötzlich alle Menschen die Frohe Botschaft in ihrer Sprache.
Info Ausstellung geöffnet am 17.5. und 25.5., jeweils 14 bis 18 Uhr, Neusser Straße 6, Kaarst. Gruppentermine auf Anfrage: mail@hannaeffen.de.