Beim ersten Boulder-Weltcup der Saison im chinesischen Keqiao sichert sich die Französin Zélia Avezou überraschend Gold vor der Olympiasiegerin Janja Garnbret. Der Japaner Sorato Anraku verteidigt seinen Titel von 2025 gegen Dohyun Lee und Mejdi Schalck.
Sechstes Gold für Sorato Anraku
In Keqiao traf dieses Wochenende die globale Boulder-Elite zum ersten Mal in der Weltcup-Saison 2026 aufeinander. Bei den Herren sicherte sich der Favorit aus Japan, Sorato Anraku, wie schon im Vorjahr die Goldmedaille.
Seinen Titel verteidigte der 19-jährige Kletterstar in einem spannenden Finale gegen den Koreaner Dohyun Lee und den Franzosen Mejdi Schalck. Es ist Anrakus sechste Goldmedaille in einem Weltcup.

Podium: Sorato Anraku, Dohyun Lee & Mejdi Schalck (Bild:Kazushige Nakajima/World Climbing)
Ergebnisse Herrenfinale


Überraschung des Abends: Avezou schlägt Garnbret
Das erste Gold der Saison ging bei den Damen überraschend an Zélia Avezou. Die 22-Jährige aus Frankreich zog auf Rang 6 ins Finale ein, wo sie sich mit einer starken Performance ihren ersten Weltcup-Sieg sicherte.
Mit nur zwei Versuchen weniger verwies sie die klare Favoritin aus dem Halbfinale, Janja Garnbret, auf den zweiten Platz. Bronze ging an die Australierin Oceania Mackenzie.


Podium: Zélia Avezou, Janja Garnbret & Oceania Mackenzie (Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing)
Showdown mit Olympiasiegerin Garnbret
Garnbrets Auftritt war in Keqiao mit besonderer Spannung erwartet worden: Die Slowenin ist nicht nur Doppelolympiasiegerin und amtierende Lead- und Boulder-Weltmeisterin, sondern auch Medaillen-Rekordhalterin im Weltcup. 2025 hatte sie nur an ausgewählten Weltcup-Terminen teilgenommen – die sie ausnahmslos gewann.
Garnbret zog wie gewohnt als Erstplatzierte ins Halbfinale und Finale ein. Dort toppte sie zwar wie Zélia Avezou drei von vier Bouldern und erreichte eine Zone, benötigte aber insgesamt zwei Versuche mehr als die Französin. Die 0,2 Punkte Unterschied in der Gesamtwertung entschieden schließlich zwischen Silber und Gold.
»Am Ende war es einfach ein Fehler zu viel«, schreibt Garnbret auf Instagram – und gratuliert ihrer Konkurrentin zum ersten Weltcup-Gold. Zélia Avezou ist nach Oriane Bertone die einzige Person, die Janja Garnbret in den vergangenen drei Jahren beim Bouldern schlagen konnte.
Glückwunsch, Zélia, zu diesem sehr verdienten ersten Sieg!
Ergebnisse Damenfinale


Erste Goldmedaille für Zélia Avezou
Zélia Avezou gehört zu Frankreichs erfahrensten Athletinnen. Sie startet seit 2018 in internationalen Wettkämpfen. 2025 gewann die 22-Jährige Silber beim Boulder-Weltcup in Salt Lake City und wurde Vierte beim Boulder-Weltcup in Bern.
Auch im Lead startet Avezou regelmäßig im Finale. Bei den Europameisterschaften 2024 wurde sie Dritte im Combined-Format beider Disziplinen.

Erstes Weltcup-Gold für Zélia Avezou (Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing)
Alte und neue Gesichter im Finale
Das Starterfeld beim ersten Boulder-Weltcup in Keqiao war nicht nur hochrangig, sondern auch extrem dicht besetzt – darunter der Olympiasieger Toby Roberts und viele weitere bekannte Namen wie Jongwon Chon, Erin McNeice, Oriane Bertone, Brooke Raboutou, Dohyun Lee und Chaehyun Seo. Entsprechend hart waren die Boulderprobleme in der Qualifikation und im Halbfinale – beide Runden gaben bei den Damen und den Herren verhältnismäßig wenig Tops her.
Als beste acht Athletinnen und Athleten setzten sich jeweils nicht nur altbekannte Gesichter aus der Szene durch: Bei den Herren feierte der 19-jährige Chinese Xuanpu Bai vor Heimpublikum sein Debüt in einem Weltcup-Finale – neben Größen wie Tomoa Narasaki, Jongwon Chon und Hannes van Duysen, die seit vielen Jahren international erfolgreich sind. Auch Yufei Pan, der 2025 in Bern gewann, vertrat sein Heimatland China im Finale.
Bei den Damen kletterte sich außerdem die 21-jährige Emma Edwards aus Großbritannien in ihr erstes »richtiges« Weltcup-Finale, das sie gemeinsam mit erfahrenen Athletinnen wie Annie Sanders, Oriane Bertone oder Melody Sekikawa bestritt.
Edwards war bereits 2025 beim Boulder-Weltcup in Prag Fünfte geworden – per Wertung im Halbfinale, da das Finale wetterbedingt abgesagt worden war. Beide Newcomer, Bai und Edwards, erreichten Platz 6 in Keqiao.

Emma Edwards (GBR) in ihrem ersten Boulder-Finale (Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing)
Lucas Trandafir bester Deutscher auf Platz 9
Für Lucas Trandafir wäre in Keqiao beinahe der Traum vom Finale wahr geworden. Der 18-Jährige aus Regensburg erreichte zunächst auf Platz 21 das Halbfinale. Dort verbesserte er sich mit einem Top und zwei Zonen auf den ungeliebten neunten Platz. Seinem Saisonziel kam er damit schon bei seinem ersten Termin sehr nah.
Mein Ziel ist es, dieses Jahr in einem Weltcup-Finale zu klettern.
Trandafir erreichte als einziger Deutsche in Keqiao das Halbfinale. Es starteten außerdem Thorben Perry Bloem (Platz 37), Lasse von Freier (Platz 39), Finn Altemöller (Platz 47) und Elias Arriagada Krüger (Platz 51) sowie Lucia Dörffel (Platz 29), Anna Lechner (Platz 41) und Hannah Meul (Platz 49).
Ihre nächste Chance auf der Matte bekommen die Athletinnen und Athleten beim Boulder-Weltcup in Bern vom 22. bis 24. Mai. Zuvor dürfen kommendes Wochenende die Seilkletterinnen und -kletterer beim Lead-Weltcup in Wujiang vom 8. bis 10. Mai ran.
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Credits Titelbild: Kazushige Nakajima/World Climbing