Etwas verwildert und mit reichlich Farbe bedeckt, befindet sich im Parkhaus Süd der Universität Konstanz ein Porsche 911. Wer genauer hinsieht, stellt fest: Das Gefährt ist nicht echt. Der Sportwagen ist aus Beton – und Kunst am Bau. Die Installation von Gottfried Bechtold erlebte seit seiner Aufstellung 1974 viel. Restauratorin Denise Madsack kann diese Geschichten erzählen. Seit 2018 beschäftigte sich Madsack im Zuge ihrer Promotion an der Universität Konstanz mit Kunst am Bau. Am Ende entstand ein Buch, das sich mit zwölf Fallbeispielen aus ganz Baden-Württemberg auseinandersetzt.
Betonporsche sorgt seit den 70ern für Kritik und Diskussionen in Konstanz
Aus über 200 Objekten wählte die Restauratorin auch Bechtolds Betonporsche aus. „Er vereint für mich ziemlich viel, was Kunst ausmacht. Das hätte man fast nicht besser machen können“, erklärt sie. Damit meint sie vor allem die Reaktionen, die das Gefährt seit den 70ern hervorruft. Der Porsche, der im Parkhaus einen Stellplatz belegt, sorgte nämlich nicht nur für Begeisterung. Die Kritik äußerte sich neben zahlreichen Diskussionen durch Vandalismus: Das ursprünglich graue Objekt wurde mit Farbe besprüht, eingefärbt oder durch Schläge beschädigt.
1981 wurde ein Schild mit der Aufschrift „zu verkaufen … 911,- DM“ und der Telefonnummer des Rektorats angebracht. Für Madsack zeigt sich daran, dass es dem Künstler gelang, „Salz in die Wunde zu streuen“. Dem Werk gelang und gelingt es, zu irritieren und zu provozieren. Gleichzeitig wurde ein Material gewählt, welches die Reaktionen aushält. Das Statussymbol wurde auf seine ikonische Figur reduziert – Scheibenwischer und Spiegel fehlen. Der Beton verneine die Leichtigkeit und Geschwindigkeit des Sportwagens. Für die Restauratorin entsteht so „ziemlich genau das Gegenteil eines Porsches“.
Verwitterung prägt das Aussehen des Konstanzer Kunstwerks aus Beton
Trotz der Robustheit sieht das Fahrzeug heute ganz anders aus als zur Zeit seiner Entstehung. Sein heutiges Erscheinungsbild wurde entscheidend von der Umgebung bestimmt. Hinzu kommt die Verwitterung, der er im Freien ausgesetzt ist. Den Schöpfer Bechtold selbst störe das wenig. Er setzte sich viel mehr gegen eine Rückführung zum Ursprungszustand ein. Die Veränderungen seien Teil der Geschichte des Porsches.
Madsack beschäftigt sich in ihrem Buch auch mit der Frage, was das heute für den Umgang mit dem Kunstobjekt bedeutet. Zunächst ist für sie klar, dass der Betonporsche bleiben muss: „Er kann nirgendwo anders stehen. Ein Stück seines Werdegangs würde verloren gehen.“ Weiter plädiert sie dafür, die Veränderungen durch den Vandalismus der letzten 50 Jahre bei einer möglichen Restauration zu bewahren: „Erhaltung muss nicht immer bedeuten, dass alles so bleiben muss, wie es war.“

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Restauratorin Denise Madsack möchte die Veränderungen am Kunstwerk erhalten.
Foto: Alex Buresch
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Restauratorin Denise Madsack möchte die Veränderungen am Kunstwerk erhalten.
Foto: Alex Buresch