Nach drei Spielen ohne Niederlage (1S, 2U) erlebte die WSG Tirol in der 30. Runde der Bundesliga-Saison 2025/25 leer aus und kassierte beim GAK 1902 eine empfindliche 0:4-Niederlage. Nach dem 1:5 im Qualigruppen-Hinspiel in Innsbruck erwischte es die Wattener wieder arg. Dabei hatte es in der ersten halben Stunde noch ganz anders ausgesehen. Doch während die Grazer im Abschluss effizienter waren, präsentierten sich die Tiroler äußerst abwehranfällig. Beide Teams somit punktgleich. Nach dem Spiel äußerten sich Cheftrainer Philipp Semlic und Kapitän Valentino Müller gegenüber Ligaportal.

„Wir waren nicht kaltschnäuzig genug“

Ligaportal: Herr Semlic, in der ersten halben Stunde hätte wohl kaum einer gedacht, dass ihr heute noch so untergeht mit 0:4. Was war los ab der 30. Minute? 

Philipp Semlic: Ich sehe es nicht als Untergang, weil man muss das Spiel an sich analysieren. Wir waren sehr gut im Spiel und müssen dann eins machen, und zwar eine dieser drei Großchancen zu Beginn nutzen. Man hat schon gemerkt, dass der Gegner verunsichert war mit dem Stadion. Da waren wir nicht kaltschnäuzig genug. Der GAK ist dann mit der ersten Aktion in Führung gegangen. Wir hatten dann postwendend die Chance durch Lukas Hinterseer zum Ausgleich zu kommen. Mit der zweiten Aktion ist der GAK dann mit 2:0 in Führung. Das ist dann schon ein Brett, wenn du eigentlich ein gutes Spiel machst, aber nicht effizient genug bist und mit einem 0:2-Rückstand in die Pause gehst.

In der zweiten Halbzeit nehmen wir uns dann schon vor den Anschlusstreffer zu machen. Weil wir schon das Gespür gehabt haben, wenn dieses Tor fällt, dann kann es nochmal in eine andere Richtung gehen. Wir haben dann wieder die Chance durch Lukas Hinterseer, der vorbeigeschossen hat. Und dann bekommst du postwendend das dritte Gegentor. Da musst du dann akzeptieren wie es ist. Deswegen waren dann auch die Wechsel. Dass wir die Spieler, die gefährdet waren, herunternehmen. Nach dem dritten Tor bewerte ich das sicher nicht über, weil wir strategisch gedacht haben für die nächste Woche.

Ligaportal: Ihr kennt ja bereits das Auf und Ab in dieser Saison und seit wiederholt gestärkt daraus hervorgegangen bzw. zurückgekommen. Warum gerade gegen den GAK? 1:5 im Qualigruppen-Hinspiel daheim, heute 0:4, oder relativiert sich das alles bezüglich Leistung und Resultat?

Philipp Semlic: Ja, definitiv. Ich sage immer, dass man jedes Spiel für sich sehen muss wie es ist. Wir haben heute eine große Chance liegen lassen, um in den ersten 30 Minuten in Führung zu gehen. Das ist etwas, dass ich uns schon vorwerfe. Da müssen wir kaltschnäuziger sein. Alles andere darf man nicht überbewerten, sondern ist in der Gruppe anzusprechen. Es geht wieder weiter, damit wir am Ende des Tages unser Ziel erreichen.

Ligaportal: Es folgt das letzte Heimspiel gegen den FC Blau-Weiß Linz, die heute auch verloren haben auswärts. Wieder Endspielcharakter?

Philipp Semlic: Endspielcharakter hat jedes Spiel im unteren Play-off. So ehrlich muss man sein. Gerade nach der Punkteteilung. Wenn man bedenkt, dass wir ohne sie durch wären. Doch durch die Punkteteilung kommt nochmal alles zusammen. Du kannst es dir dann nicht erlauben, dass du irgendwie ein Spiel abgibst. Sondern du musst versuchen zu punkten. Und zwar nächste Woche gegen Blau-Weiß Linz, um im Heimspiel unser Ziel zu erreichen.

 

„Aus meiner Sicht entspricht das nicht dem Charakter der Mannschaft“

Ligaportal: Valentino die WSG hat gegen einen verunsichert wirkenden Gegner gut begonnen und Torgelegenheiten zur Führung gehabt. Die ersten dreißig Minuten gingen an euch, dann habt ihr eine Großchance und im Gegenzug fällt mit der ersten GAK-Chance das 1:0 für die Grazer. Dann das 2:0. Effizienz pur. Wie erklärst du dir, was da nach einer halben Stunde passiert ist?

Valentino Müller: Ja, bis zur 30. Minute war es eigentlich ganz gut. Wir haben es leider nicht geschafft, dass wir das Führungstor erzielen. Die haben dann zwei Torschüsse und sind 2:0 vorne. Das ist dann schon auch irgendwo unglücklich. Aber die Art und Weise wie wir danach aufgetreten sind, kann ich mir nicht erklären. Das tut schon weh, dass wir zum dritten Mal so eine herbe Niederlage in der Qualigruppe kassieren.

Aus meiner Sicht entspricht das nicht dem Charakter der Mannschaft. Aber es ist nun doch schon zu oft passiert. Jetzt wird es endlich mal Zeit, was man sagt. Deshalb ist es schon sehr enttäuschend.

„So wir heute in der zweiten Hälfte aufgetreten sind, so funktioniert es nicht“

Ligaportal: Du hast nach dem 0:3 die Mannschaft im Kreis versammelt. Worum ging es da?

Valentino Müller: Da ging es genau darum, dass wir nicht wieder auseinanderfallen. Es ist leider nicht so gelungen wie wir uns das vorgestellt haben. Aber es hilft nichts. Wir haben das klare Ziel Klassenerhalt vor Augen. Es sind noch zwei Spiele zu absolvieren. Wir haben alles in der eigenen Hand. Aber wir müssen ein anderes Gesicht zeigen. So wie wir heute in der zweiten Hälfte aufgetreten sind, so funktioniert es nicht.

Ligaportal: Es ist ja generell in dieser Saison ein stetes Auf und Ab bei der WSG Tirol. Am Samstag geht es in eurem letzten Heimspiel gegen den FC Blau-Weiß Linz, der heute auch verloren hat und drei Punkte hinter euch liegt. Nächstes Spiel mit Finalcharakter?

Valentino Müller: Ja, wir haben die Chance jetzt schon ein bis zwei Mal gehabt, dass wir einen Riesenschritt machen und haben es bisher noch nicht geschafft. Haben die Lektion bisher noch nicht gelernt. Jetzt bin ich gespannt, wie wir am Samstag reagieren. In der Woche muss jeder Spieler mit sich selber ehrlich sein, muss in den Spiegel schauen und vor der eigenen Haustüre kehren. Weil das ist eindeutig zu wenig. Das ist der WSG und dem Charakter im Verein und in der Mannschaft nicht würdig.“

„Unter der Woche müssen wir schon knallhart analysieren und ehrlich zueinander sein“

Ligaportal: Ihr hattet ja heute Matchball für den Klassenerhalt, brauchtet einen Sieg um gerettet zu sein. Hat man es insgeheim vielleicht doch etwas zu leicht genommen, drei Runden vor Schluss?

Valentino Müller: Eigentlich nicht. Es geht ja um alles. Das ist ja eine Riesenchance. Wir müssen auf uns schauen. Wir müssen schauen, dass wir unsere Leistung auf den Platz bringen. Das haben wir heute nicht geschafft. Wir müssen schnellstmöglich eine Reaktion zeigen. Am Samstag wartet die nächste Chance. Unter der Woche müssen wir schon knallhart analysieren und ehrlich zueinander sein. Ganz erklären kann ich mir nicht.

Das Interview führte Ligaportal-Chefredakteur Herbert Pumann

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