Weitere Werke sind in Planung. Doch das Projekt des Vereins WupperOne929 UrbanArt unter Leitung von Valentina Manojlov ist nicht die erste stadtprägende Kunstaktion, die in Wuppertal für Aufsehen sorgte.

Unter dem Titel „Outsides“ brachten 23 Street-Art-Künstler die bergische Metropole im August 2006 ins Staunen und Grübeln. Die WZ schaut 20 Jahre zurück und geht dabei der Frage nach: Wann ist Kunst im öffentlichen Raum ein Ereignis?

Die Villa Herberts diente den Künstlern als geheime Basis

Die 23 Künstler, die unter anderem aus Brasilien, Japan, den USA und Italien stammten, setzten sich im Jahr 2006 zusammen, um Kunst nicht im Museum zu zeigen, sondern überraschend als Guerilla-Ausstellung zu platzieren. Die Aktion lief wie ein geheimer Einsatz: Die Künstler arbeiteten vor allem nachts und ohne Genehmigung. Ausgangspunkt war die Villa Herberts als Basislager, die wenig später Tony Cragg erwarb und den Skulpturenpark Waldfrieden gründete. So entstanden in vier Nächten 22 Werke – Skulpturen, Gemälde, Installationen – auf Plätzen und an Hauswänden überall in der Stadt.

„Wir hatten das Gefühl, Wuppertal sucht nach einem neuen Image und erwacht gerade aus dem Dornröschenschlaf“, erzählten die künstlerischen Leiter R.K.D.U. und Thomas Wiczak damals im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung. Begeistert zeigte sich das Kollektiv von den zwei Ebenen durch Schwebebahn und Wupper. „Ein optimaler Spielplatz.“ Besonders im Luisenviertel fühlten sich die Street-Art-Künstler wohl, die seinerzeit zwischen 20 und 40 Jahre alt waren.

Zu einem der bekanntesten Werke entwickelte sich die Arbeit „Armee der verlorenen Seelen“ der brasilianischen Zwillingsbrüder Os Gêmeos sowie Nina Pandolfo – gemalt im ehemaligen Eisenbahntunnel Rott. Es bestand aus rund 30 Figuren, die düster und melancholisch wirkten. Darunter eine in der Ecke kauernde Frau, weinende Kinder, die sich um eine brennende Blechdose versammeln, Menschen, die sich ängstlich festhalten oder ihr Gesicht verbergen. Beate und Wilfried Güldner hielten die „Armee“ 2008 in einem Fotoprojekt fest, das auch als Ausstellung in der Zentralbibliothek zu sehen war. Die Collage im Tunnel Rott wurde zwei Jahre später entfernt, als die Initiative Wuppertalbewegung die Strecke zur Nordbahntrasse umbauen ließ.

Künstler „Zevs“ schrieb an der Uellendahler Straße die Worte „Graffiti Clean City“, indem er mit einem Hochdruckreiniger Dreck von den Wänden entfernte. Gleiches galt für die Fassade des U-Clubs an der Friedrich-Ebert-Straße sowie eine Mauer an der Bendahler Straße, an der etliche Male der ironische Schriftzug „Ich darf die Mauern meiner Stadt nicht beschmutzen“ stand – teilweise ist er noch heute zu erkennen.

Einen Monat nach der Aktion setzte ein Berliner Künstler namens „Dr. Innocent“ ein weiteres Werk hinzu: Unter dem Titel „White Rooms“ überpinselte er Objekte auf dem Spielplatz Corneliusstraße, eine Fläche neben der Sporthalle Nocken sowie Teile des Schulhofes der Gesamtschule Vohwinkel mit weißer Farbe – darunter eine Tischtennisplatte. Eines der wenigen Kunstwerke, die überlebten, stammt vom italienischen Künstler „Blu“: In Unterbarmen, an einer Firmenmauer am Flussufer, ist eine surreal verzerrte Figur zu sehen, die als Gollum bezeichnet wird.

Wie sich erst Wochen später herausstellte, war das Projekt von Red Bull gesponsert worden. Ein österreichisches Getränkeunternehmen, das noch heute neben Energy-Drinks durch spektakuläre Aktionen im Extremsport sowie sein Engagement in der Formel 1 und im Fußball auf sich aufmerksam macht. Ziel war, sich als rebellisch und kreativ zu inszenieren. Dies sorgte für Diskussionen: War es echte Subkultur – oder cleveres Marketing?

Valentina Manojlov, Leiterin des aktuellen Street-Art-Projekts in Wuppertal, empfand „Outsides“ aus der beobachtenden Perspektive als beeindruckend: „Street-Art wurde damals noch nicht als zeitgenössische Kunst wahrgenommen. Deshalb stellte man sich bei dem Projekt die Frage, wie Street-Art in ihrer illegalen Ursprünglichkeit und ihrem speziellen Aktionsraum so organisiert werden kann, dass sie für eine breite Öffentlichkeit als Kunst wahrnehmbar wird.“

Bei all dem Aufsehen sollte nicht vergessen werden: Die Aktionen waren zwar gesetzwidrig, die Polizei griff aber lediglich beim Treiben des französischen Fotografen „JR“ ein, als dieser Banner an der Schwebebahn und in deren Umfeld befestigte.