Linz/Wien. Österreichs Fußball braucht nicht mehr viel nachzurechnen, denn Lask steht vor seinem vollen Triumph. Nach dem Cupsieg gegen Altach gab sich die Mannschaft von Trainer Dietmar Kühbauer auch gegen (eine abermals schwache) Rapid keine Blöße und gewann unbedrängt mit 3:1. Das bedeutet zwei Runden vor Schluss: Der Vorsprung des Spitzenreiters auf Sturm Graz beläuft sich auf zwei Punkte. Und so werden die Athletiker am Sonntag zum zweiten Mal nach 1965 Double-Sieger: Bei einem Sieg gegen Salzburg, wenn Sturm das Steirer-Derby in Hartberg nicht gewinnt. Oder: Bei einem Remis gegen die Bullen, wenn Sturm in Hartberg verliert. Misslingt das, reichen dem Lask vier Punkte aus zwei Runden. Titelverteidiger Sturm könnte bei zwei Siegen zwar nach Punkten gleichziehen, hat jedoch kein „Sternderl“ in der Tabelle. Bei den Linzern wurde bei der Punkteteilung abgerundet, sie sind bei Punktgleichheit immer vor den Grazern.
Natürlich herrscht nun in Linz eine seit 61 Jahren nicht mehr so euphorische Fußball-Begeisterung. Der Pokal steht schon in der Klubvitrine, den Meisterteller will man auch und gelingt es, mutet es weiterhin als Husarenstück an. Zwei Alphatiere, Klubchef Siegmund Gruber und Trainer Dietmar Kühbauer, fanden nach dem 2023 zur Trennung führenden Streit wieder zueinander. Kühbauer übernahm den Tabellenvorletzten und krempelte alles um; und zwar so, dass Seriensiege und der Durchmarsch geradezu märchenhaft an die Spitze gelangen.
Österreicher neigen im Sport grundsätzlich dazu, eine gewisse Skepsis vorauseilen zu lassen, sich kleiner zu machen als man wirklich ist oder den Gegner über den Klee zu loben. All diesen Ansätzen kann Kühbauer, 55, mit seiner direkten Art, die freilich nicht jedermanns Sache ist, gar nichts abgewinnen. Unbekümmert geht er seiner Wege, sagt was er denkt und scheut dabei auch vor keinerlei Konflikten mit Referees oder Journalisten zurück. Was abermals Unverständnis weckt bei gar kritischen Geistern, dient jedoch bestens zum Schutz der Mannschaft. Über Spieler wie Horvath, Kalajdzic (kehrt wohl zu Wolverhampton zurück), Andrade, Bogarde oder Adeniran wird nichts erzählt, Kühbauer bündelt alle Energien auf sich.
Geht es nach Kalajdzic, ist der Trainer auch das Erfolgsgeheimnis. Denn er verstehe es, einen wie ihn durchaus in den Hintern zu treten und zu motivieren, allerdings dabei nie außer Acht lassend welch Vorgeschichten und Verletzungen eine Rolle gespielt haben. Dann fiel ein Lob, das auch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick zu denken geben muss: „Kühbauer ist bis jetzt der beste Trainer, den ich je hatte, in dem Sinn, dass er auf mich schaut. Ihm ist es wichtig, dass es mir gut geht, nicht sein persönlicher Erfolg.“
Noch fehlen zwei Runden, die Saison endet am 17. Mai mit dem Spiel bei Austria. Die Lask-Ära mancher Spieler wird dann auch auslaufen, bleibt aber der Trainer dem Klub erhalten? Darüber gab es Spekulationen zuletzt sonder Zahl, dass der Burgenländer, der als Profi selbst schon in Spanien (San Sebastian) oder Deutschland (Wolfsburg) gespielt hat, auch als Coach im Ausland gerne arbeiten würde, hatte er mehrfach betont. Es sei und bleibe eine Frage des Angebotes. Zuletzt war eines, gibt Kühbauer offen zu, hereingeflattert, dass er aber abgelehnt und darüber auch aufgrund der Reaktion seiner Frau nicht weiter nachgedacht hat. „Es muss schon passen. So viel Geld gibt es auf dem Planeten nicht, dass ich etwas machen würde, von dem ich nicht überzeugt bin.“
Dass er keinen Topklub bekommen werde, um diese Tatsache musste man nicht lange herumreden. Und die Liste derer, die vom Lask weggingen und doch beachtliche Schritte schafften, ist lange. Oliver Glasner wechselte 2019 zu Wolfsburg, gewann mit Frankfurt die Europa League und greift mit Crystal Palace nun nach dem Sieg in der Conference League. Valerien Ismael musste nach dem Corona-Training gehen und hat nach den Athletikern Barnsley, West Bromwich, Besiktas Istanbul, Watford und Blackburn im Lebenslauf stehen. Dominik Thalhammer und Andreas Wieland waren in Belgien engagiert. Kühbauers Vertrag läuft jedenfalls bis 2027, mehr wissen er, Linz, Lask und Liga nach dem 17. Mai.