Die Europäische Union benötigt größere Banken, um gegenüber ihren Wettbewerbern in den Vereinigten Staaten und China bestehen zu können, erklärte der Vorsitzende der Finanzministergruppe der Eurozone am Dienstag.

‚Wir brauchen europäische Champions. Wir brauchen keine nationalen Champions. Natürlich neigen wir alle dazu, unsere nationalen Märkte stärker zu schützen‘, sagte Kyriakos Pierrakakis vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments.

Grenzüberschreitende Bankenfusionen, die große Finanzinstitute in der 27 Nationen umfassenden EU schaffen würden, werden häufig durch nationale Politik behindert, wie etwa durch den Widerstand Berlins gegen das Gebot der italienischen UniCredit zur Übernahme der Commerzbank.

‚Solange wir nicht erkennen, dass wir Kapazitäten für europäische Banken auf europäischer Ebene aufbauen müssen, werden sie nicht in der Lage sein, mit ihren amerikanischen und chinesischen Konkurrenten zu konkurrieren‘, so Pierrakakis.

Europas größte Bank nach Marktkapitalisierung, Banco Santander, ist fünfmal kleiner als das größte Institut der Vereinigten Staaten, JPMorgan Chase.

Einer der Hauptgründe, warum die EU größere Banken benötigt, sei das Investitionsvolumen, das für die technologische Entwicklung erforderlich ist, um in einer Zeit des rasanten Wachstums neuer digitaler Finanzinstrumente und -märkte wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte Pierrakakis.

‚Versuchen wir, fünf oder zehn Jahre vorauszudenken. Wenn sie die erwähnten technologischen Investitionen verpassen, werden sie keine Rolle mehr spielen‘, sagte er.

Pierrakakis sprach sich zudem für die Schaffung eines stärker integrierten EU-Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen aus, einschließlich einer einheitlichen Aufsicht für Marktakteure. Dies wurde von der Europäischen Kommission vorgeschlagen, stößt jedoch auf Widerstand aus Luxemburg und Irland.

‚Wir brauchen eine zentralisierte Aufsicht auf unseren Kapitalmärkten… denn wir sollten nicht dieselbe Sache 27-mal tun. Wenn man dasselbe 27-mal tut, sind wir faktisch kein vollständiger Kapitalmarkt‘, sagte er.
(Berichterstattung durch Jan Strupczewski; Redaktion durch Sanjeev Miglani)