Afrika bietet großes Potenzial, doch Ankündigungen alleine sind zu wenig. Wenn Europa den Rückstand zu China aufholen will, sollten Unternehmen konsequenter handeln.
Es sollte Europas Antwort auf Chinas wachsenden Einfluss werden. Mit großen Ambitionen kündigte die Europäische Union 2021 die Global Gateway-Initiative an. Bis 2027 sollen bis zu 300 Milliarden Euro in Entwicklungs- und Schwellenländer fließen – ein Schwerpunkt liegt dabei auf Afrika. Der Kontinent gilt als einer der vielversprechendsten Zukunftsmärkte überhaupt. Nicht nur wegen seines Ressourcenreichtums, sondern auch wegen seiner demografischen Dynamik: Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind unter 35 Jahre alt.
Dazu fand am Dienstag in Wien die Corporaid Konferenz mit Afrika-Schwerpunkt statt. Zu den Gästen zählte auch Peter Bamkole, Professor an der Pan-Atlantic Universität in Lagos. Im Gespräch mit der „Presse“ erklärte er, warum sich europäische Unternehmen in Afrika oft schwertun. Das Hauptproblem sei die Geschwindigkeit: Europäische Firmen seien langsam, weil sie viele bürokratische Hürden und Genehmigungen durchlaufen müssen. Im Gegensatz dazu agieren Konkurrenten aus China deutlich schneller und pragmatischer, sagt Bamkole. Sie setzen Projekte rasch um und stellen weniger politische Bedingungen. Dadurch seien sie für afrikanische Länder oft attraktiver. Ein Beispiel ist der Bau von Infrastruktur: Während europäische Projekte teilweise zehn Jahre dauern, schaffen chinesische Unternehmen vergleichbare Vorhaben in drei bis vier Jahren.
Außerdem stellen europäische Unternehmen häufig umfangreiche Bedingungen – etwa in den Bereichen Governance oder Menschenrechte – noch bevor Projekte starten. Das wird in afrikanischen Ländern häufig als Einmischung empfunden und schreckt potenzielle Partner ab. Programme wie die Global Gateway-Initiative werden in Afrika zwar grundsätzlich positiv gesehen, doch viel mehr als die Ankündigung sei noch nicht passiert, sagt Bamkole. Während Europa noch plant und abstimmt, schafft China Fakten: tausende Kilometer Bahnstrecken und neue Häfen. Ein Beispiel dafür ist die Bahnverbindung zwischen Addis Abeba und dem Hafen von Dschibuti. Die rund 750 Kilometer lange Strecke wurde von chinesischen Unternehmen finanziert und umgesetzt und hat die Transportzeit für Waren zum Hafen drastisch verkürzt.
Ähnlich bewertet das auch Claudia Voß, Geschäftsführerin des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Das Feedback aus afrikanischen Ländern sei: „Zu langsam, zu kompliziert und zu moralisch.“ Gemeint ist damit vor allem der europäische Hang zu Auflagen – etwa durch Gesetze wie das Lieferkettengesetz. Diese werden vor Ort teilweise als Bevormundung wahrgenommen. Gleichzeitig sieht Voß darin aber auch Europas Stärke: Qualität, Verlässlichkeit und langfristige Wertschöpfung vor Ort. Viele afrikanische Partner wissen das auch zu schätzen, sagt Voß zur „Presse“. Große deutsche Konzerne wie Siemens, VW, Bosch und die Deutsche Bank sind bereits seit Jahrzehnten erfolgreich in Afrika aktiv. Der österreichische und deutsche Mittelstand ist hingegen nur wenig vertreten. Ein Grund dafür ist das verzerrte Afrika-Bild in Europa, sagt Voß: Der Kontinent wird noch immer hauptsächlich mit Krisen verbunden. Was braucht es um das zu ändern? Vor allem Erfolgsgeschichten, sagt Voß.
Es mangelt aber auch an Geld. Zwar existieren zahlreiche Förderinstrumente – allein in Deutschland mehr als 100 –, doch sie sind oft kompliziert und greifen nicht in allen Ländern. Projekte mit Potenzial scheitern deshalb oft an der Umsetzung. Auch politisch fehlt es an klarer Linie. Deutschland hat – anders als Österreich – keine eigene Afrikastrategie. Zwar sei das Thema mittlerweile auf höchster politischer Ebene angekommen, so Voß, doch die politischen Mühlen mahlen langsam. In Österreich wird derzeit eine neue Afrikastrategie erarbeitet, die im Juni beschlossen werden und wirtschaftliche Kooperationen stärken soll.
Regional hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert: Früher war Südafrika der wichtigste Einstiegspunkt für europäische Unternehmen, heute sind das Nordafrika (speziell Marokko und Ägypten) sowie Länder wie Kenia, Ghana oder Sambia. Besonders attraktiv für Fintechs sind etwa der Bezahlsektor oder die Branchen Energie (Solar, Wasserkraft) und Landwirtschaft. Allerdings hängen wirtschaftliche Entwicklungen stark von der politischen Führung der jeweiligen Länder ab. Stabile Rahmenbedingungen können Investitionen beschleunigen, Unsicherheit – etwa durch Regierungswechsel – hingegen Projekte rasch ausbremsen.
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