Europas wichtigste Aktienmärkte haben sich am Dienstag dank überwiegend positiver Unternehmensergebnisse mehrheitlich von ihren Vortagesverlusten erholt.

Negative Ausnahme war die Londoner Börse, wo Befürchtungen über ein drohendes Ende der britischen Labour-Regierung nach dem verlängerten Wochenende für deutliche Verluste sorgten. Die Ölpreise gaben nach dem Vortagesanstieg am Dienstag nach, was die Märkte ebenfalls stützte.

Der EuroStoxx 50 EU0009658145 schloss mit einem Plus von 1,84 Prozent bei 5.869,63 Punkten. Außerhalb der Eurozone gewann der schweizerische SMI CH0009980894 0,38 Prozent auf 13.052,17 Zähler. Der Londoner FTSE 100 GB0001383545 sackte um 1,40 Prozent auf 10.219,11 Punkte ab.

In England machten sich die Anleger Sorgen um die politische Stabilität des Landes. Am 7. Mai steht mit den Kommunalwahlen ein wichtiger Stimmungstest für den unbeliebten Premierminister Keir Starmer an. Beobachter erwarten eine Wahlniederlage für Labour und einen Wahlsieg der rechten Reform-Partei und der Grünen. Dies sorgte neben schwachen Aktien auch für stark fallende Kurse britischer Anleihen. Die Rendite von dreißigjährigen Staatsanleihen stieg im Gegenzug auf den höchsten Stand seit 1998.

„Investoren werten die guten Ergebnisse in der laufenden Berichtsaison als Stütze für den Aktienmarkt und fokussieren sich so weniger auf die Meldungen zum USA-Iran-Konflikt“, kommentierte Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets. Es sei schwer, sich ein klares Bild über die Lage im Iran-Krieg zu machen.

Im Anlegerfokus stand die Unternehmensberichtssaison mit zahlreichen Quartalszahlen. Aus Branchensicht waren Technologiewerte europaweit am gefragtesten. So verbuchten die Papiere von Infineon DE0006231004, Schneider Electric FR0000121972 Siemens DE0007236101 und ASML NL0010273215, die zu den Top-Werten im EuroStoxx 50 zählten, Kursgewinne zwischen 3,3 und 6,5 Prozent.

Zu den stärkeren Sektoren gehörten auch Aktien aus dem Nahrungs- und Getränkesegment. AB Inbev BE0003793107 waren mit einem Kursplus von 9,3 Prozent bester EuroStoxx-Wert. Der Brauereikonzern legte unerwartet starke Geschäftszahlen vor. JPMorgan-Analystin Celine Pannuti lobte vor allem den Gewinn je Aktie.

Uneinheitlich war dagegen die Entwicklung im Bankensektor. Zahlen brachten bei Unicredit IT0005239360 und HSBC GB0005405286 stärkere Bewegungen in beide Richtungen. Während Unicredit GB00BVZK7T90 um 5,9 Prozent stiegen, sanken HSBC um 5,9 Prozent. Bei der um die Commerzbank DE000CBK1001 buhlenden italienischen Großbank Unicredit sprachen Analysten von einem besser als erwarteten Zahlenwerk für das erste Quartal. Die britische Großbank hatte dagegen im ersten Quartal wegen Kreditausfällen und der Folgen des Iran-Kriegs überraschend weniger verdient.

Im Telekomsektor gab es Nachrichten zu Vodafone GB00BH4HKS39. Der britische Telekommunikationskonzern übernimmt die vollständige Kontrolle über die britische Mobilfunk-Tochter VodafoneThree. Der Kaufpreis liegt bei 4,3 Milliarden britischen Pfund (rund 4,9 Mrd Euro). Nach Abschluss des Geschäfts, der für die zweite Jahreshälfte erwartet wird, ist Vodafone der alleinige Eigentümer von VodafoneThree. Die Vodafone-Titel verloren 2,2 Prozent.